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LuftfahrtEinsatz für Drohnen

Technik. - Zunehmend finden Drohnen im zivilen Bereich Anwendung, beispielsweise bei der Umwelt-Überwachung. Auf der Luftfahrtmesse "Aero" in Friedrichshafen wurden jetzt einige vorgestellt.

Von Thomas Wagner | 10.04.2014

Einsatz der Drohne "Luna" von EMT im Bundeswehrlager in Kundus im Jahr 2010. Zwei Soldaten arbeiten an der Drohne, die auf einer Abschussrampe steht.
Nicht nur beim Militär kommen Drohnen zum Einsatz. (picture alliance / dpa / Bettina Grachtrup)
"Also ich mache jetzt gerade einen Test des Radarmoduls. So, jetzt gehen wir ein bisschen zurück noch. Jetzt starte ich das System."
Dann geht es auch schon in die Luft - jenes schwarze Ungetüm, das mit seinen sechs Propellern so ähnlich wie eine fliegende Rieseninsekt aus Metall aussieht. Auffällig die beiden kleinen Zylinder unterhalb des Flugkörpers, die an Injektionsspritzen erinnern.
"Also, hier handelt es sich um ein Wasserproben-Entnahmesystem. Ich kann an unterschiedlichen Stellen in einem Fluss oder in einem See Wasserproben entnehmen. Die Wasserproben werden in einem Spritzensystem aufgezogen. Wir nehmen über dieses Aufziehsystem auf. Und ich kann die Probe dann ins Umweltlabor geben",
erklärt Siegfried Schulze vom Ingenieurbüro IMST aus Kamp-Lintfort. Das Unternehmen stellt auf der Luftfahrtmesse "Aero" ein unbemanntes Fluggerät vor, das vor allem in der Umweltbeobachtung eingesetzt wird. Die Probenentnahme aus Gewässern ist ein besondere Spezialität des Fluggerätes, das dafür mit einem speziellen Instrument ausgestattet ist.
"Das ist ein so genanntes Mikro-Radarsystem, welches also in der Lage ist, dieses Flugsystem konstant in einer bestimmten Höhe oder in einem bestimmten Abstand zu einem Objekt halten zu können. Das heißt: Das Radarsystem screent oder scannt die Umwelt und sieht eben halt: Das sind eben Hindernisse oder im Fall, wenn ich eine Wasserprobe mache, ist der Vorteil ganz klar, dass er über eine konstante Höhe gehalten wird."
Konkret bleibt die Drohne dank der Abstands-Messungen des Radarsensors mindestens 20 Zentimeter über der Wasseroberfläche, richtet die Kanülen nach unten, saugt die zu entnehmende Flüssigkeit an...
"...um die regelmässige Kontrollen von Gewässern zu machen. Um beispielsweise Kolibakterien festzustellen oder chemische Verunreinigungen oder ähnliche Sachen zu messen."
Vor allem in unwegsamem Gelände oder schwer zugänglichen Gewässern sind Probenentnahmen mit Drohnen einfacher und kostengünstiger als mit herkömmlichen Methoden zu bewerkstelligen. Doch das ist nur ein Anwendungs-Szenario so genannter Öko-Drohnen. Die Drohne, die Tilmann Pietzsch vom Hersteller rOsewhite Multicopter aus Augsburg präsentiert, verfügt ebenfalls über sechs Rotoren und erinnert vom Geräusch her an einen Bienenschwarm. Immerhin: Das Gerät ist wirklich bienenfleißig.
"Jetzt kommen wir an mit Katastrophenschutz, mit der Agrarwirtschaft, Aufspüren von Rehkitzen, bevor man die Felder mäht."
In der Landwirtschaft können die Drohnen über riesige Flächen eingesetzt werden; sie registrieren dabei von Tag zu Tag den aktuellen Vegetationsstand. Und auch bei den erneuerbaren Energien spielen die kleinen unbemannten Flugobjekte eine immer wichtigere Rolle, erklärt Tobias Klein von IMST.
"Im Bereich der Windkraft liegt eine mögliche Anwendung auf der Sicherheit des Personals. Bisher müssen immer Steiger nach oben auf die Windkrafträder oder bei den Stromtrassen hoch auf die Strommasten und begeben sich dabei halt in Lebensgefahr. Und mit diesen Flugsystemen können sie halt am Boden stehen, mit einer Kamera oder ähnlichen Sensoren Aufnahmen machen und am Boden alles bewerten, haben im Moment letztlich Sicherheit gewährleistet."
Auf dem Versuchsgelände in der Messehalle in Friedrichshafen steuern die Hersteller ihre Drohnen mit einer Fernsteuerung. Grundsätzlich allerdings, erklärt Tilmann Pietzsch von rOsewhite Multicopter, können sie selbständig fliegen.
"Sie können die Route auf dem Tablet oder auf dem PC erstellen, mit einer Google-Map. Sie können Höhen definieren. Sie können Kreise und Objekte definieren. Sie laden die Mission auf die Flugsteuerung hoch. Und die Flugsteuerung fliegt die Route absolut präzise ab."
Radar- und optische Sensoren vermeiden dabei Kollisionen beispielsweise mit Gebäuden, Felswänden oder anderen Hindernissen. Allerdings ist in Deutschland vollautomatisiertes Fliegen nicht zulässig: Der Betreiber einer Drohne muss per Fernsteuerung stets eingreifen können; das Fluggerät muss in Sichtweite bleiben. Anders dagegen in dünn besiedelten Landstreifen und Wüstengegenden, wo solche unbemannten Fluggeräte über Stunden hinweg autonom über Felder, Wälder und Flüsse fliegen. Dabei kommen nicht nur die kleineren Helikopter-Drohnen mit Flughöhen von maximal ein paar Hundert Metern zum Einsatz. Auf der Aero ebenfalls zu sehen: Unbemannte Kleinflugzeuge, etwa zwei Meter lang, die mit Propellerantrieb bis zu sechs Kilometer hoch und mehrere Hundert Kilometer weit fliegen können, so ähnlich wie Militär-Drohnen. Allerdings werden solche unbemannten Kleinflieger zunehmend zivil genutzt, so Andreas Brändle von der Göbler Hirthmotoren GmbH aus Benningen.
"Also wenn wir jetzt an die Seefahrt denkt, wo man solche Schiffe erkennt, die jetzt irgendwie Öl ablassen oder Chemikalien. Da braucht man keine teuren Jets oder Hubschrauber mehr. Da kann man jetzt mit solchen Drohnen arbeiten."
Auch bei der Überwachung von Ölpipelines auf mögliche Lecks würden, sagt Andreas Brändle, häufig solche Langstreckendrohnen eingesetzt. Auch dieses Verfahren habe sich in besonders dünn besiedelten Wüstenländern bereits bewährt, so die Fachleute auf der "Aero" in Friedrichshafen.