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StartseiteWirtschaft am MittagLohnerhöhung verteuert Flugtickets23.01.2019

LuftsicherheitspersonalLohnerhöhung verteuert Flugtickets

Die Tarifverhandlungen für das Luftsicherheitspersonal an deutschen Flughäfen stehen vor dem Abschluss. Noch ist nicht klar, wie hoch die Lohnerhöhung ausfällt. Als sicher gilt aber, dass die Luftsicherheitsgebühren steigen und damit wohl auch die Ticketpreise für Flüge.

Von Brigitte Scholtes

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Streikende des Luftsicherheitspersonals am Airport München (imago/Zumapress)
Streikende des Luftsicherheitspersonals am Airport München Mitte Januar (imago/Zumapress)
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Die Sicherheit im Luftverkehr ist den Deutschen einiges wert – zumindest verursacht sie hohe Kosten. Für das laufende Jahr beziffert der BdF, der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften, sie auf 780 Millionen Euro, vier Fünftel davon entfielen auf die Personalkosten. Die Kosten für die Passagier-und Gepäckkontrollen werden vom Staat über die Luftsicherheitsgebühren an die Fluggesellschaften weitergegeben. Diese Gebühren fließen in die Ticketpreise ein. Steigen nun die Löhne des Sicherheitspersonals, dann dürfte sich das kurzfristig auswirken, sagt BdF-Geschäftsführer Michael Engel, auch wenn die Sicherheitsdienstleister mehrjährige Verträge mit dem Staat geschlossen hätten:

"Diese Verträge sehen vor, dass Tarifänderungen umgehend an den Staat gemeldet werden können und dann auch abgerechnet werden können von diesen Dienstleistern. Das bedeutet, wenn wir jetzt sehr hohe Tarifabschlüsse sehen, dann müssen wir damit rechnen, dass noch in diesem Jahr diese Luftsicherheitskosten über diese 780 Millionen Euro hinaus steigen würden. Und das wäre eine zusätzliche Belastung für uns."

Ver.di-Vergandlungsführer: "51 Cent mehr pro Ticket"

Dass eine Tariferhöhung sich am Ende auf die Gebühren und damit die Ticketpreise auswirkt, das sieht auch Benjamin Roscher so, Verhandlungsführer von Ver.di in den aktuellen Tarifverhandlungen:

"Wir gehen davon aus derzeit - ich habe das mal für den Flughafen Schönefeld berechnet - dass die sogenannte Luftsicherheitsgebühr, die erhoben wird pro Passagier und Ticket, wenn wir unsere Forderungen tatsächlich zu 100 Prozent durchsetzen sollten, die Ticketpreise ungefähr um 51 Cent steigen müssten. Bei sinkenden Flugpreisen in den letzten Monaten und Jahren ist das eine verkraftbare Größenordnung."

Das sehen Vertreter der Luftfahrt anders. So verweist Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, auf ausländische Flughäfen etwa in Amsterdam oder Brüssel:

"Seit 2010 sind die Gehälter der Luftsicherheitsassistenten verdoppelt worden. Die Effizienz dieser Sicherheitskontrollen in Deutschland aber hängt weit hinter der Effizienz an anderen europäischen Standorten zurück. Eine Verdopplung der Gehälter und 50 Prozent weniger Effizienz - das zeigt, dass das so in Deutschland nicht weitergehen kann."

Fluggesellschaften in Deutschland sehen sich benachteiligt

Was die Fluggesellschaften aber von den steigenden Kosten an den Passagier weitergeben könnten, das bestimme der Wettbewerb, sagt BdF-Geschäftsführer Engel:

"Und in diesem Wettbewerb haben wir zunächst einmal Nachteile, weil wir eben in Deutschland diese Kosten ganz tragen müssen, während Wettbewerber im Ausland diese Kosten nur zum Teil tragen müssen. Und natürlich wäre es auch so, dass, wenn diese Kosten auch in Deutschland anteilig vom Staat übernommen würden, das zunächst einmal unsere Wettbewerbsfähigkeit im Luftverkehr stärken würde, und das würde am Ende des Tages natürlich auch dem Passagier zugutekommen."

Das zumindest hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag schon angekündigt.

Wie hoch aber die zusätzlichen Kosten, also die Tariferhöhungen für das Sicherheitspersonal ausfallen werden, das könnte sich im Laufe der heutigen Verhandlungen entscheiden. Beide Tarifpartner jedenfalls möchten heute zu einem Abschluss kommen.

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