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StartseiteKalenderblattLuxus hoch über den Wolken26.10.2008

Luxus hoch über den Wolken

Die Pan American Airways startet den täglichen Transatlantikdienst

Als die Luftfahrt für viele begann, war das Publikum noch unbeschwert von Sorgen über schwindende Ressourcen und die Erwärmung der Erdatmosphäre, stattdessen genossen die Passagiere die Windeseile des neuen Verkehrsmittels, die Zuwendung des schmucken Bordpersonals und die Qualität des Essens. Als ideenreicher Pionier ganz vorn dabei: Die Fluggesellschaft Pan American World Airways, PanAm, die heute vor 50 Jahren den regelmäßigen transatlantischen Flugverkehr aufnahm.

Von Mathias Schulenburg

Die PAN-American-Maschine "Boeing 707" in Brüssel. (AP)
Die PAN-American-Maschine "Boeing 707" in Brüssel. (AP)

"Wie die Triebwerke brüllen
wenn die Silbermaschine aufsteigt
Sie dreht nach Westen
Hoch über den Wolken
Wo es nicht regnet
Wo immer die Sonne scheint
In drei Stunden wird sie über meinem Zuhause sein"

Der Aufstieg des zivilen Düsenflugzeugs zum besungenen Transportmittel für Millionen war unter anderem dem Engagement der Fluggesellschaft Pan American World Airways, PanAm, im transatlantischen Flugverkehr zu danken. Der begann am 26. Oktober 1958 am Idlewild Airport in New York und endete in Paris.

Der Flug war keine Ersttat; drei Wochen vor dem PanAm-Start hatte die britische Fluggesellschaft BOAC mit dem Strahlverkehrsflugzeug Comet 4 einen vergleichbaren Transatlantikservice aufgenommen, kam aber durch technische Mängel ins Trudeln.

PanAm dagegen hatte auf die Boeing 707 gesetzt, die - auch Dank zahlreicher, von PanAm inspirierter Innovationen - zu einem Klassiker avancierte. Ein PanAm-Promotionfilm von 1958 zählt die Glanzlichter auf:

"Willkommen an Bord. Willkommen in einer geräumigen Kabine, hübsch dekoriert und klimatisiert, ohne dass es zieht. Über Ihren Köpfen sind Beleuchtungseinheiten, eine echte Innovation. Auch die Waschräume sind geräumig, wie zu Hause. Neu und sensationell: Es gibt keine Vibrationen. Man fliegt fast mit Schallgeschwindigkeit, aber innen spürt man das nicht. Keine Vibrationen, kaum ein Geräusch. Ein neues Luftverkehrskonzept, das Reisen hat seine Mühsal verloren. Delikate Gerichte vermehren das Vergnügen. Sie werden gleichzeitig in fünf Kombüsen heiß gemacht, und das in fünf Minuten. Die Beleuchtung kann dem Tageslicht folgen, vom blassen Morgenrot bis zum Dunkelblau der Nacht, in allen Schattierungen."

Pan Am war auch ein Pionier des Bordkinos und half so, das Hollywood-Image vom amerikanischen Lebensstil in alle Welt zu tragen.

Das internationale Publikum konnte nicht ahnen, dass Rock Hudson Doris Day im wirklichen Leben niemals ernstlich begehrt hätte.

Für romantische Aktionen ließ das neue Verkehrsmittel überhaupt wenig Raum und Zeit, anders als die zuvor für Atlantiküberquerungen genutzten Ozeanriesen. Aber der enorme Zeitgewinn war dem Publikum wichtiger: Der Geschäftsanteil der Reedereien schrumpfte im folgenden rapide; zehn Jahre nach der Aufnahme der Atlantikflüge durch PanAm kam der Schiffsfernverkehr für Passagiere praktisch zum Erliegen.

PanAm war auch an der Entstehungsgeschichte des Jumbo Jet, Boeing 747, beteiligt. Angeblich hatten Juan Trippe, Chef von PanAm, und Bill Allen von Boeing ein Gespräch der Art:

"Wenn ich das Ding kaufe, wirst Du's bauen?"

Und:

"Wenn ich das Ding baue, wirst Du's kaufen?"

Zweimal "yes". Das war Chef-Grandezza, lange bevor gegelte Mikroökonomen begannen, die Salatblätter im Lunchpaket zu zählen.

Der Jumbo wurde ein riesiger Erfolg. Dann begann das Glück die Glamour-Firma PanAm zu verlassen. Ein wahrscheinlicher Wendepunkt: Im Dezember 1988 wurde ein PanAm-Flug über Lockerbie Opfer eines Sprengstoffanschlags. Deregulierungsmaßnahmen machten der Firma, die lange die wärmende Nähe des Staates genossen hatte, zu schaffen. Am 8. Januar 1991 ging die Original-PanAm bankrott.

"Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass PanAm den Flugbetrieb eingestellt hat."

Ein Kapitel echten Glanzes in der Welt des Reisens - vor Global Warming - war zu Ende gegangen, auch, was die Bordküche angeht. Die Kulturkritik fürchtet für die Zukunft gar die Wiederkehr des hart gekochten Eies.

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