
Es komme bei menschlicher Intelligenz immer weniger auf Detailwissen an, sondern mehr auf die Kompetenz, sich in der Welt zu orientieren, führte der Leiter des Weiterbildungsverbunds KI‑ Kompetenz am Bildungswerk der Wirtschaft aus.
Ob im Job, in der Bildung oder im Alltag: Künstliche Intelligenz wie Chatbots nimmt Menschen zunehmend Arbeit ab. Bestimmte Bereiche im Gehirn könnten dadurch verkümmern, befürchten viele. Schon lange vor dem Aufschwung der KI-Technik galten etwa Navigationsgeräte in diesem Kontext als Negativbeispiel für das Thema: Früher musste man sich etwa Ortsmarken zur Orientierung einprägen oder blaue und gelbe Wegweiser an Autobahnen und Bundesstraßen lesen und verstehen, heute reicht es oft, den Ansagen der Navis zu folgen.
Taschenrechner vereinfachen Denkprozesse, dennoch wird Rechnen ohne Hilfsmittel in der Schule gelehrt
Die Vereinfachung von Denkprozessen durch Technik ist allerdings kein neues Phänomen. Der Hirnforscher Martin Korte betonte, komplizierte Rechenaufgaben löse man schon lange nicht mehr im Kopf, was auch in Ordnung sei. In der Schule lerne man aber trotzdem in den ersten Jahren Rechnen ohne Hilfsmittel, um zu verstehen, wie Zahlen funktionierten. Korte führte aus, ein Mensch benötige Wissen, um ein Problem zu definieren, zu strukturieren, um praktikable Lösungen zu entwickeln und die Ergebnisse einschätzen zu können. "Auch Einstein war erst dann am kreativsten und konnte erst dann seine berühmte Formel E = mc² entwickeln, als er Physik studiert hatte. Wir können nur da kreativ sein, wo wir viel wissen."
Bildung und Intelligenz verschieben sich laut den Experten in ihrer Bedeutung. KI kann das Gehirn demnach entlasten, etwa beim Gedächtnis, bei Sprache und strukturiertem Denken, bestimmte Funktionen muss man dennoch trainieren, damit sie sich nicht abbauen.
KI gezielt im Unterricht einbinden
König plädiert dafür, KI gezielt in den Unterricht einzubinden - ähnlich wie den Taschenrechner. Auch soziale Kompetenz im Bildungsbereich muss nach Einschätzung Königs an Bedeutung gewinnen. Schüler lernten nicht vom Lehrer mit dem meisten Fachwissen, sondern von dem, der es schaffe, "die Meute zu bändigen und positiv zu stimulieren". Es geht um die Frage: "Wie vermittle ich, wie motiviere ich sie?" Das könne KI langfristig nicht ersetzen, anders als Fachwissen.
Diese Nachricht wurde am 13.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
