"Hitting the Wall"
Männer haben bei Marathons öfter plötzlichen Tempo-Einbruch

Zügig los in den Marathon – und in der zweiten Hälfte dann deutlich langsamer: Dieses Muster kommt einer aktuellen Studie zufolge bei Männern deutlich häufiger vor als bei weiblichen Marathon-Läuferinnen.

    Tausende Läufer sind beim Berlin-Marathon am Start. Im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen.
    Tausende Läufer beim Berlin-Marathon (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Markus Schreiber)
    Bei Männern sei das "Hitting the Wall" genannte Phänomen womöglich etwa doppelt so wahrscheinlich wie bei Frauen, heißt es in der im Fachblatt "Scientific Reports" veröffentlichten Studie. Unter "Hitting the Wall" verstehen Läuferinnen und Läufer einen plötzlichen Leistungseinbruch, der auftritt, wenn der Körper seine schnell verfügbaren Energiereserven verbraucht hat.
    Das Forschungsteam um den Schweizer Beat Knechtle wertete gemeinsam mit Kollegen aus Brasilien Läuferdaten des Berlin Marathon aus den Jahren 1999 bis 2025 aus. Insgesamt absolvierten die Männer den Marathon im Schnitt schneller (in 4 Stunden und 2 Minuten) als die Frauen (4 Stunden und 29 Minuten). Aber: Die Männer erlebten fast doppelt so häufig das "Hitting the Wall"-Phänomen, nämlich knapp 18 Prozent von ihnen. Bei den Frauen waren es unter 10 Prozent. 
    Es sei interessant und überraschend, dass der plötzliche Leistungseinbruch bei Männern kein Anfängerproblem sei, sondern bei den sehr schnellen Läufern sogar besonders häufig ausgeprägt gewesen sei, betont Co-Autor Aldo Seffrin: "Dass sie fitter und erfahrener waren, hat die Männer nicht geschützt."
    Als möglichen Grund führt das Team an, dass der weibliche Körper beim Laufen seinen Glykogenvorrat schonender verbraucht. Glykogen ist die Speicherform von Glucose und dient als kurzfristiger Energiespeicher. Aus der Verhaltensforschung sei außerdem bekannt, dass Männer dazu neigten, sich zu überschätzen und risikobereiter zu sein. Die aktuelle Studie erhob dazu allerdings keine Daten. 
    Die Forscher empfehlen Männern, langsamer ins Rennen zu starten und erst später zu beschleunigen.
    Diese Nachricht wurde am 04.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.