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Magnet im Mittelmeer

Ohne die Russen geht nichts mehr auf Zypern. Mittlerweile leben etwa 40000 von ihnen auf der Mittelmeerinsel, vor allem in der Hafenstadt Limassol. Sie ist die Hauptstadt der russischen Einwanderer mit russischen Geschäften, russischen Schulen, Zeitungen und Radiosendern.

Von Tetyana Bondarenko und Rodothea Seralidou | 10.11.2012

    Die erste russisch-orthodoxe Kirche des Inselstaates wird gerade gebaut. 'Limassolgrad' wird Limassol auch genannt. Die Russen stärken die zyprische Wirtschaft - nicht nur den Immobilienmarkt, auch der Tourismus lebt vor allem von den russischen Gästen. Ihre Zahl hat sich innerhalb des letzten Jahres fast verdoppelt, während aus der EU immer weniger Touristen kommen.

    Die Hotels stellen sich darauf ein, mit russischsprachigem Personal und Animationsprogramm. Doch wichtiger als die Touristen sind für den Inselstaat die russischen Unternehmen. Niedrige Steuern machen den Mittelmeerstaat zum Magneten für russische Investoren: Ein Viertel der Bankanlagen und ein Drittel der Investitionen kommen mittlerweile aus Russland.

    Und seitdem die griechische Schuldenkrise auch Zyperns Banken in Mitleidenschaft gezogen hat, ist das Land noch abhängiger vom großen Partner Russland. Ein Kredit in Milliardenhöhe ist bereits geflossen, ein neuer in Aussicht gestellt; obwohl Zypern schon längst unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft ist.

    Doch Russlands Großzügigkeit ist nicht ganz uneigennützig: Zypern befindet sich in einer wichtigen geostrategischen Lage, nahe der Türkei und dem Krisenherd Syrien. Außerdem wecken größere Gas- und Ölvorkommen vor der zyprischen Küste das Interesse russischer Konzerne.


    Am Mikrofon: Katrin Michaelsen

    Anmerkung der Redaktion: Aus redaktionellen Erwägungen weicht die hier für sieben Tage abrufbare Audiofassung vom ursprünglichen Beitrag geringfügig ab.