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StartseiteHintergrund"Man braucht sehr viel Geduld in diesem Land"03.04.2004

"Man braucht sehr viel Geduld in diesem Land"

Mali, ein Hort relativer Stabilität in Westafrika

<em> Und wenn Sie sich dieses riesige Land anschauen und das Bevölkerungswachstum anschauen, wenn Sie sich überlegen, in 20 Jahren hat sich die Bevölkerung noch mal verdoppelt, dann fragt man sich wirklich, was sollen die Leute hier machen. Wir kommen viel rum, sind viel auf dem Land, und wenn Sie sich da die Dörfer anschauen und überlegen sich, was sollen diese ganzen Kinder, die hier rumlaufen, was sollen die eigentlich mal machen. </em>

Günther Wessel

Mali, große Moschee von Djennei (AP)
Mali, große Moschee von Djennei (AP)
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Mathias Mogge arbeitet für die Deutsche Welthungerhilfe in Malis Hauptstadt Bamako. Er spricht von Dörfern wie Karal, einer Siedlung im Nordwesten des Landes, in der Sahelzone.

Spät, erst spät ist das Dorf zu erkennen, denn die Sonne flimmert über der weiten, rotbraun und beigen Ebene, taucht alles in ein fahles Licht und lässt die Konturen verschwimmen. Nicht hebt sich vom blassen Hintergrund ab, das Land scheint flach wie ein festgezurrtes Bettlaken. Alte Fahrspuren, die sich in der Unendlichkeit verlieren. Kein Orientierungspunkt, kein Berg, kein Haus, kein Strommast, nichts, an dem sich das Auge festhalten könnte. Die wenigen Bäume verschwimmen im diffusen Einerlei der Pastelltöne. Wie hineingeworfen in die Welt wirkt das Dorf, wie hineingepurzelt die Handvoll Lehmbauten, die Zelte aus Rinderleder und Bast, die Hütten und die Zäune aus krüppeligen, mühsam zusammengesuchten Baumstämmen, die die
Rinder zusammenhalten. Es gibt keine Straße, die ins Dorf hinein- oder hinausführt, keine sichtbare Begrenzung der
Siedlung, sie verschwimmt mit ihrer Umgebung. Einzig die Kleidung der Dorfbewohner strahlt: In kräftiges Blau, Grün oder auch Schwarz haben sich die hier lebenden Tuareg und Mauren gehüllt.

Karal liegt am Südrand der Sahara, in der ärmsten Region eines der ärmsten Länder der Welt. Ein Dorf in der Ebene, eines von vielen, mit allerdings einer Besonderheit: Karal hat eine Schule.

Sekou Traoré trägt einen strahlendblauen Bou-Bou, wie die weiten, fast bis zum Boden reichenden Umhänge der Tuareg genannt werden, und einen weißen Turban.

Abgesehen von denen, die fehlen, sind wir normalerweise 54 Schüler. Im Moment sind es allerdings nur wenig mehr als 20, vielleicht 25.

Alle Schüler werden zusammen unterrichtet, obwohl sie drei verschiedenen Klassen angehören. Die heute fehlenden Kinder helfen bei der Feldarbeit oder treiben Vieh. Es fänden sowieso nicht alle Platz auf den Holzbänken, die unter einem Hangar, einem knapp 2 Meter hohen, am Boden offenen Zelt aus Baumstämmen und Bastmatten, aufgestellt sind.

Der regelmäßige Schulbesuch ist im Tuareg- Gebiet eher selten. Nur 5 Prozent aller Mädchen und 15 Prozent aller Jungen besuchen täglich eine Schule. Schon aus traditionellen Gründen: Tuareg sind Nomaden, die heute zwar zeitweise sesshaft leben, Teile des Jahres aber immer noch mit ihren Herden umherziehen müssen. Doch seit etwa zwei Jahrzehnten leben sie mehr und mehr an festen Orten, und das veränderte ihre Einstellung zur Erziehung: Seither schätzen sie auch den Wert von Schulbildung. Allerdings nicht ohne Einschränkungen meint Mohamed Ali, der sich als Mitglied einer malischen Hilfsorganisation um die Gründung von Schulen bemüht.

Es gibt bei den Nomaden, bei den Tuareg, eine verstärkte Tendenz sich niederzulassen, und dazu auch eine Öffnung nach außen, die verhindert, dass die Nomaden in Traditionalismus und Konservatismus verharren . Es gibt viele Faktoren, die das beeinflussen. Und vielleicht dafür sorgen, dass die nomadische Lebensweise irgendwann nicht mehr existiert. Aber dennoch ist es trotz aller Investitionen, beispielsweise in der Landwirtschaft oder im Handel so, dass die Nomaden immer wenn sie die Gelegenheit haben, ihre alte Lebensform wieder aufleben lassen.

Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. In den Berichten der Vereinten Nationen taucht es regelmäßig auf einem der letzten Plätze auf und gehört damit zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Erde. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt etwa 200 Euro.

Ein trostloser Staat in Westafrika? Elend, ohne Hoffnung auf Zukunft und vergessen vom Rest der Welt? Nicht ganz - im vergangenen Jahr brachte sich Mali Jahr nachdrücklich ins Bewusstsein der Deutschen. Militante Islamisten hatten zehn Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer in der algerischen Sahara verschleppt. Nach einem knappen halben Jahr waren sie - nicht zuletzt durch die Hilfe der malischen Regierung - freigelassen worden.

Zudem ist Mali bereits seit Mitte der 1990er Jahre ein Schwerpunkt internationaler Entwicklungshilfe. Nicht ohne Grund, ruhen doch die Hoffnungen auf Demokratie und Wachstum in Westafrika überwiegend auf diesem Land. Denn in der Nachbarschaft sieht es düster aus: Mauretanien ist nur eine Scheindemokratie wie auch Senegal oder Gambia, in Liberia herrscht Krieg, die Elfenbeinküste leidet an seinen Folgen, Guinea und Sierra Leone stehen auf der Kippe, in Burkina Faso und im Niger gab es Staatstreiche, Nigeria ist nur pseudo-demokratisch – einzig Ghana und Benin scheinen Horte relativer Stabilität zu sein. Und Mali.

Am 26. März 1991 begann die malische Demokratie,als nach beinahe dreißig Jahre währender Unterdrückung eine Schüler- und Studentenrevolte losbrach, die von dem Diktator Moussa Traoré zunächst blutig niedergeschlagen wurde. 200 Opfer waren zu beklagen, doch dann solidarisierte sich das Militär unter Amadou Toumani Touré mit dem Volk und setzte den Diktator ab.

Statt sich nun mit aller Gewalt selbst an die Macht zu klammern, übergab ATT, wie Amadou Toumani Touré in Mali meist genannt wird, diese nach 15 Monaten an eine zivile, demokratisch gewählte Regierung. Seither hat sich Mali durchgehend demokratisch entwickelt, und seit Frühjahr 2002 ist ATT nun selbst Präsident des Landes.

Mathias Mogge von der Deutschen Welthungerhilfe in der Hauptstadt Bamako:

Mali ist natürlich im Prinzip schon der Musterschüler der Weltbank, der Musterschüler des IMF, weil (…) sie dezentralisiert haben, weil sie relativ demokratische Strukturen eingeführt haben, weil sie Kontrollmechanismen eingeführt haben, weil sie z. B. diesen Rahmenplan gegen die Armut aufgestellt haben. Das sind alles Sachen, die gefallen natürlich.

Die Weltbank brachte im Jahr 2000 einen sehr optimistischen Bericht heraus, Malis und Afrikas Zukunft betreffend. Afrikas Armut – so hieß es – könnte in absehbarer Zeit zu 30 bis 50 Prozent überwunden werden, gäbe es nur die richtigen ökonomischen Reformen. Robert Kappel, Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Afrikanistik in Leipzig, kritisiert das als Wunschdenken: Sieben Prozent Wachstum seien unrealistisch. Stattdessen müsse man wie der Internationale Währungsfonds nur von der Hälfte ausgehen.

Malis Zahlen für die letzten Jahre: Die Wirtschaft wuchs von 1998 bis 2002 jährlich um 4,6 Prozent, die Bevölkerung um 2,6 Prozent. Für Kappel gehört Mali mit diesen Kennziffern zur Gruppe der Länder mit niedrigem Einkommen, denen er langfristig keine Entwicklungschance einräumt. Und auch die Deutsche Welthungerhilfe schreibt in ihren "Perspektiven für die Entwicklungszusammenarbeit": "Mali wird von umfassenden Entwicklungshilfeleistungen abhängig sein."

Die Begründung: Externe Faktoren wie die Regeln für den Welthandel. Im Süden Malis wächst Baumwolle, das wichtigste Exportgut des Landes. Doch kann sie auf dem Weltmarkt nur zu Schleuderpreisen verkauft werden, da vor allem die USA ihre Farmer so subventionieren, dass die den Markt mit Billig-Baumwolle überschwemmen. Vier Milliarden Dollar Zuschüsse erhalten die 25 000 Baumwollpflanzer in den USA jedes Jahr – das ist anderthalb mal so viel wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt Malis.

Doch das afrikanische Land kämpft mit weiteren Problemen: Unsicherheit in der Produktion, fehlende Qualitätsstandards und extrem hohe Transportkosten. Mali ist ein Binnenland, es gibt keine Flugplätze für große Transporter, und bis zu den nächsten Exporthäfen in der Elfenbeinküste, in Guinea, Ghana oder Nigeria sind es mindestens 1000 Kilometer. 1000 Kilometer über Grenzen, an denen korrupte Zöllner lauern, über kaum befahrbare Pisten, durch Regionen, in denen mitunter auch schon mal ganze Lastwagen mit Ladung einfach so verschwinden.

Diese strukturellen Probleme, die behindern ganz, ganz stark die Entwicklung des Landes. (..) Und eben diese ausgeprägte Korruption auch. Eine ausgeprägte Korruption. (…) Jeder verdient mit, von ganz oben, bis ganz unten. Ich würde hier nie investieren."

Die Sahelzone ist ein Streifen semi-arides Land, das Westafrika wie ein Hosenbund gürtet und sich von der Atlantikküste bis zum Tschadsee im Osten erstreckt ,

schreibt der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle in seinem Buch
Wassermusik, Und weiter:

Morgengrauen. Die Sonne bricht über den Sahel herein wie ein aufgeschlagenes Ei, fängt dort wieder an, wo sie tags zuvor aufgehört hat – beim Verbrennen, Versengen, Einäschern von allem Lebendigen in ihrer Reichweite. Aasschnüffler und nächtens aktive Reptilien kriechen in ihre Höhlen zurück. Felsen dehnen sich langsam aus, verkümmerte Büsche graben sich noch tiefer in die Erde ein. Mimosen falten ihre Blätter zusammen wie Sonnenschirme. Ab acht Uhr morgens flimmert der Horizont.

In Zahlen ausgedrückt: Die Tagestemperaturen im Sahel erreichen oft 40 bis 45 Grad Celsius. Außerhalb der maximal drei Monate langen Regenzeit von Juli bis September fällt absolut kein Niederschlag. 2003 war ein gutes Jahr. Da regnete es in den drei Monaten fast 400 Millimeter und zudem fiel der Regen gut verteilt. 2002 sah es anders aus: Damals waren es nur 170 Millimeter, die zumeist in den ersten sechs Wochen runterkamen.

Den Norden Malis nannten die Machthaber der 1960er bis 1990er Jahr nur "Mali inutil", das nutzlose Mali. Sie investierten nichts in diese Region.

Eine Baustelle im nördlichen Sahel. Eine Autostunde nördlich von Karal, inmitten der verbrannten und versengten Ebene, dort, wo ein paar dürre, stachelige Bäume wachsen, müht sich seit nun fast schon drei Monaten ein Team von Bauarbeitern, einen alten Weidebrunnen wieder instand zu setzen. Eine harte mühsame Arbeit, denn die Brunnen werden mit Hacke und Schaufel gegraben, der kleine, Motor getriebene Flaschenzug, der breitbeinig über dem unendlich tief erscheinenden Loch steht, dient nur dazu den Abraum und den Arbeiter aus dem tiefen Loch heraus zu ziehen und vor Ort gegossene Betonringe zum Abstützen der Seitenwände herabzulassen. Der Brunnen hat mittlerweile eine Tiefe von 78 Metern, aber das sei für sie kein Problem, sagt Jaffé, der Vorarbeiter:

Das ist kein Problem, wenn Sie daran gewöhnt sind. Es gibt dort unten nicht viel Sauerstoff, aber man kann trotzdem dort bis zu fünf Stunden arbeiten. Das ist kein Problem; ich habe nie eines gehabt. Man sieht dort unten auch recht gut. Nach einer halben Stunde ist dort unten alles klar und deutlich zu sehen. Man gewöhnt sich an die Dunkelheit. Am Anfang sieht man nicht sehr gut, aber nach ein paar Minuten wird alles wieder normal.

Manche Brunnen sind 70 Meter tief, andere 80, an wieder anderen Orten trifft man erst bei 90 Meter auf Grundwasser. Viele Brunnen versandeten und verfielen in den letzten Jahrzehnten, während des Tuareg-Aufstandes und der anschließenden Tuareg-Verfolgung ab 1990, als die meisten von ihnen in Flüchtlingslagern in Mauretanien leben mussten. Erst nachdem die demokratische Regierung dann 1993 Frieden mit den Tuareg schloss und sie an der Regierungsverantwortung teilnehmen ließ, leben sie wieder in ihren alten Gebieten – auch das Dorf Karal ist eine Neugründung der 1990er Jahre.

Tuareg und Mauren sind traditionell Viehzüchter, sie ziehen mit ihren Herden von Buckelrindern, Ziegen und Schafen durch den Sahel, von Wasserstelle zu Wasserstelle, von Weidebrunnen zu Weidebrunnen. Etwa alle zehn Kilometer müssen die Hirten auf eine Wasserstelle treffen; viel weiter auseinander und viel näher aneinander dürfen diese Stellen nicht liegen. Denn beides führt zur Überweidung mit zu vielen Tieren auf zu geringer Fläche.

20.000 Rinder gibt es in der Gemeinde Kareri, in der Karal liegt. Eine Gemeinde von 6400 Quadratkilometer Größe, 80 Kilometer in Ost-West und 80 Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Ohne befestigte Straßen, mit nur einem Veterinär, der auf einem alterschwachen Moped mit Vollgas auf Sand- und Steinpisten unterwegs ist, von Herde zu Herde, eine abgeschabte Kühltasche mit Impfstoffen über der Schulter.

Aber immerhin: Die Tuareg produzieren Leder und Trockenfleisch, dazu auch Butter und Milch. Ein schlachtfähiges Rind bringt auf Märkten in Mauretanien oder auch nahe der Hauptstadt Bamako umgerechnet bis zu 150 Euro. Eine Milchkuh gibt in der kurzen Regenzeit etwa 3 Liter Milch am Tag, in der Trockenzeit ist es nur noch die Hälfte.

Unterrichtspause in Karal. Das Open-air-Klassenzimmer ist verlassen, die Kinder machen das, was Schulkinder überall auf der Welt tun: Sie zanken und vertragen sich, sie rennen und raufen, spielen und essen. In der Schule unterrichtet Lehrer Sekou Traoré bislang Kinder bis zur dritten Klasse. Lesen und Schreiben, ein wenig Rechnen. Aber er hat größere Pläne, er will mehr: Er zeigte eine Liste, auf der steht, was die Schule in den nächsten Jahren alles benötigen wird.

Das wichtigste, was wir brauchen sind Tafeln und Tische, Hefte und Kreiden – und vorrangig, vorrangig ist der Bau eines Schulhauses und natürlich auch, ein paar Bäume zu pflanzen.

Auf der Liste des Lehrers stehen etwa 100 Hefte, 400 Kugelschreiber, 40 Schiefertafeln, 25 Lineale, 120 Zirkel, 60 Geo-Dreiecke, 50 Buntstifte, 50 Radiergummis, 10 Kartons weißer Kreiden, 7 mit farbigen Kreiden, 3 große Tafeln, 3 Lehrer-Schreibtische und fünf Bänke. Damit wäre die Schule zwar nicht perfekt ausgestattet, aber immerhin könnten die Kinder dann bis zur sechsten Klasse unterrichtet werden. Wer noch länger lernen möchte, müsste bis zur neunten Klasse in die Kreisstadt Lere, wer Abitur machen möchte, müsste nach Timbuktu ziehen. Studieren ist nur in der Hauptstadt Bamako möglich. Dass allerdings ganze Dörfer sich für den Erhalt und den Ausbau einer Schule einsetzen, ist eine Entwicklung des letzen Jahrzehnts. Der malische Entwicklungshelfer Mohamed Ali:

Es gibt viele Unterrichtsmodelle für Nomaden - und das schon lange. Schon vor der Unabhängigkeit... Die erste Schule für Nomaden wurde 1917 durch die Kolonialmacht Frankreich eingerichtet, die sich sehr am mobilen Leben der Nomaden orientiert. Leider waren die Nomaden in dieser Zeit nicht sehr am Unterricht interessiert. Und die Kinder, die unterrichtet wurden, stammten meist aus den unteren Schichten, weil die oberen Schichten ihre Kinder nicht zur Schule geben wollten. So trug die Oberschicht dazu bei, dass sich Unterschicht durch Bildung emanzipierte, allerdings eher unfreiwillig.

Das vergessene Mali? Das nutzlose Mali? Karal, das Dorf, das erst Anfang der 1990er Jahre gegründet wurde, besitzt nicht nur die Schule. Es gibt hier inzwischen genügend Weidebrunnen, um weiterhin traditionell Viehwirtschaft zu betreiben. Dazu einen Korral, in dem Tiere zusammengetrieben, verladen oder auch geimpft werden können. Nahebei – nur eine Autostunde entfernt – werden erfolgreich Hirsesorten angepflanzt, die schneller reifen und somit auch in Trockenjahren genügend Erträge bringen. Die Dürre von 2002 mit ihrer kurzen Regenzeit hat Mali nicht - wie Mitte der 1980er Jahre noch geschehen - in eine Hungerkatastrophe gestürzt. Es musste zwar Not- und Lebensmittelhilfe geleistet werden, es gab und gibt Programme der Welternährungsorganisation, aber im Großen und Ganzen kann sich das Land heute selbst ernähren. Und wie sieht die Zukunft für die Tuareg aus?

Ich denke, dass das Nomadenleben eine Zukunft hat, denn zu alle Analysen, die man über das Leben der Hirten macht, stellen fest, dass das nomadische Leben, mit den natürlichen Ressourcen schonend umgeht und sie Umwelt nicht sehr schädigt. Daher glaube ich, dass die nomadische Kultur weiterleben wird, aber sie wird gewisse Veränderungen akzeptieren müssen.

Mohamed Ali ist selber Tuareg, heute allerdings sesshafter Ex-Nomade. Er lebte lange in Karal, er studierte dann – auch im Ausland – verbringt aber die Ferienwochen in seinem alten Dorf. Für ihn sind die Entwicklungsziele klar: Es ist nicht
der Traum vom Auto für jedermann und dem Internet-Anschluss in der Wüste. Er weiß, dass es in Nord-Mali nie wie in Südengland, wo er studierte, sein wird. Mohamed Ali ist Realist und das macht bescheiden: Er wünscht sich genug zu
essen für jedermann, eine Grundbildung für jeden sowie medizinische Versorgung.

Vor zehn Jahren hätte man ihn noch als Utopisten verlacht. Heute ist das alles in Karal fast erreicht.

Mali hat ne sehr, sehr junge Geschichte. Und ich denke, einfach, deswegen braucht man wahrscheinlich einfach Geduld, muss diese (...) dezentralisierten, ziemlich demokratisierten Strukturen einfach wachsen lassen, das ist so’n bisschen meine Hoffnung ,

meint Mathias Mogge von der Welthungerhilfe.

Wahrscheinlich bracht man einfach viel Geduld in diesem Land.

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