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StartseiteUmwelt und VerbraucherManche Duftöle enthalten allergene Stoffe02.05.2008

Manche Duftöle enthalten allergene Stoffe

Der Verbraucher hat eine große Auswahl - von A wie Ackerminze bis Z wie Zedernöl: Duftöle und Raumsprays riechen angenehm, doch manche kitzeln vor allem Allergikern sehr heftig in der Nase. Der Grund sind problematische Stoffe, die Allergien hervorrufen können. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund hat solche Produkte untersuchen lassen - und das Ergebnis ist ernüchternd.

Von Susanne Kuhlmann

Hunderte verschiedene Düfte gibt es in Drogerien, Supermärkten oder im Internethandel zu kaufen.  (Stock.XCHNG)
Hunderte verschiedene Düfte gibt es in Drogerien, Supermärkten oder im Internethandel zu kaufen. (Stock.XCHNG)

Zu einem gemütlichen Abend gehört bei Caren Stachorra ein Ritual:

"Ich habe hier ein Keramikteelicht, und in die Schale oben habe ich Wasser getan. Jetzt mache ich mal das Teelicht an - so - und stelle die Schale mit dem Wasser drauf und mache ein bisschen von dem Lemongrasöl da rein, und der Duft verbreitet sich im ganzen Raum."

Hunderte verschiedene Düfte gibt es in Drogerien, Supermärkten oder im Internethandel zu kaufen. Dr. Andreas Winkens von der Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik in Mönchengladbach hat viele davon im Auftrag des Deutschen Allergie- und Asthmabundes untersucht.

"Gerade bei den Ölen haben wir festgestellt: Je natürlicher der Ursprung der Öle ist, je reiner die Öle sind, umso höher ist hinterher die Konzentration - gerade bei den Zitrusfrüchten - vor allem im Bereich der Terpene, "

also von organischen Verbindungen, die in der Natur häufig vorkommen. Trotz des natürlichen Ursprungs sind sie alles andere als harmlos: Man weiß, dass Terpene zum Beispiel Atemwege und Augen reizen und Allergien auslösen können.

"Hier ist vor allen Dingen das Limonen zu benennen, was den klassischen Zitronenduft ausmacht und was Sie in entsprechend hoher Konzentration dort finden. Von den Konzentrationsangaben bei dem stärksten Öl, dem reinsten Öl lagen wir oberhalb von 3000 Mikrogramm pro Kubikmeter für die Raumluft... Nur damit man einen Vergleich hat: Das Umweltbundesamt geht von einer halbwegs vernünftigen Raumluftkonzentration von 300 Mikrogramm von allen Lösemitteln aus. Hier liegen wir alleine bei der Anwendung dieses einen Öls bei über 3000. "

Außer Terpenen wies Andreas Winkens bei seinen Versuchen auch Aldehyde und Ketone nach; Substanzen, die beim Herstellen von Riechstoffen und Aromen eingesetzt werden und unter anderem die Schleimhäute reizen und Kopfschmerzen hervorrufen können. Allerdings setzen nicht alle Duftöle gesundheitsgefährdende Stoffe frei.

"Ein Öl, was wir untersucht hatten, auch von verschiedenen Herstellern war Vanille. Da haben wir überhaupt nichts Problematisches gefunden. Wir sind im Moment dabei, verschiedene Nadelbaumextrakte zu untersuchen. Da erwarte ich eher ein größeres Problem, weil der typische Nadelbaumduft - gerade Kiefer - das ist auch Terpen, was Sie da riechen. Es ist nur die Frage: In welcher Dosis habe ich es im Innenraum. Das testen wir zur Zeit. "

Das Umweltbundesamt, das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Verbraucherzentralen unterstützen das Projekt. Auch, weil Menschen in vielen Kaufhäusern, Hotels oder Kinos völlig ohne ihr Wissen mit Duftstoffen in Kontakt geraten können. Empfindliche Personen bekommen das im wahrsten Sinne des Wortes zu spüren.

"Bei den Allergikern ist die Folge eine Entzündungsreaktion, die wo auch immer lokalisiert sein kann. Das heißt, es kann zu Hautreaktionen kommen, wenn das, was in der Luft war, auf der Haut kondensiert oder mit der Haut in Berührung kommt. Es kann zu Atemwegsproblemen kommen, weil man diesen Stoff zusätzlich mit der Atemluft einatmet... Bei den nicht sensiblen Menschen kommt es zu klassischen Störungen des zentralnervösen Systems. Das bedeutet, Kopfschmerz kann die Folge sein, Augenrötung, Jucken, Atembeschwerden, vor allen Dingen bei diesen hohen Konzentrationen. "

Wie hoch die Belastung ist, hängt auch von der Einwirkungszeit ab. In einem bedufteten Wohnraum hält man sich schließlich viel länger auf, als auf der Toilette. Hier wie dort empfiehlt es sich allerdings, lieber regelmäßig quer zu lüften als schlechte Luft zu maskieren, rät Andreas Winkens. Und wenn man trotzdem hin und wieder in seinem Lieblingsgeruch schwelgen möchte?

"Wir möchten nicht die Anwendung von Duftölen in Bausch und Bogen verdammen, sondern einfach, dass die Verbraucher wissen: Wenn ich einen Zitrusfruchthaltigen Duft anwende, dass die Gefahr in bestimmten Richtungen erheblich viel größer ist, dass das für mich nicht gesund ist, als wenn ich einen anderen Duft nehme. "

Mit konkreten Fragen zu weiteren Testergebnissen und zum allergenen Potenzial einzelner Duftöle kann man sich an die Hotline des Deutschen Allergie- und Asthmabundes in Mönchengladbach wenden.

Deutscher Allergie- und Asthmabund, Mönchengladbach

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