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StartseiteKultur heuteMarc Chagall und Pierre Bonnard in der Ca'Pesaro02.12.2002

Marc Chagall und Pierre Bonnard in der Ca'Pesaro

In Venedig wird nach zehn Jahren das Museum für Moderne Kunst wiedereröffnet

Wenn man mit einer Gondel durch das nächtliche Venedig fährt, durch die kleinen Rii, wie man in der Lagunenstadt die Wasserstrassen nennt, kann man oft staunen. Über Gebäude, die sich so groß und mächtig aus dem Wasser erheben, dass man gar nicht glauben will, dass sie auf tausenden von Baumstämmen stehen.

Eines der beeindruckendsten Gebäude ganz Venedigs erhebt sich direkt am Canal Grande. Auf der Höhe des Rio delle due Torri. Die Ca' Pesaro ist vielleicht der mächtigste Barockpalast der Stadt. Ein fünfstöckiger und breit am Canal Grande liegender Klotz mit einer einschüchternden Fassade. Die vielen gotischen und Renaissancepalazzi in seiner Nachbarschaft scheinen sich vor ihm zu ducken. Der grandiose Bau wurde im 18. Jahrhundert von dem damals in der Stadt angesehensten Baumeister errichten. Baldassare Longhena hatte von der reichen Familie Pesaro den Auftrag erhalten, eine repräsentative Stadtresidenz zu errichten. Man ließ sich nicht lumpen. Es wurde geklotzt. Viele der Decken wurden von Malerstar Tiepolo ausgeschmückt. Der Palazzo wurde später zum Kolleg von Mönchen und dann Eigentum der kunstsinnigen Gräfin Felicita Bevilacqua La Masa. Eine Mäzenin. Sie schenkte die Ca' Pesaro 1898 der Stadt Venedig. Allerdings war die Schenkung an eine Bedingung gebunden, erklärt die venezianische Kunsthistorikerin Francis Farron:

Die Stadt hatte die Aufgabe erhalten in dem Palazzo das erste venezianische Museum für moderne Kunst einzurichten. Das war eine Verpflichtung, die schriftlich niedergelegt wurde. Bei Anwälten. Ab 1902 gab es dort also Kunst zu sehen. Verschiedene Schenkungen reicher Bürger machten dieses Museum zu einem der wichtigsten in ganz Europa für die Kunst des späten 19. und 20. Jahrhunderts. Hier gibt es Werke, die lange Jahre nicht mehr zu sehen waren.

Das Museo in der Ca' Pesaro war rund zehn Jahre lang geschlossen. Die vielen Bilder von Mirò und Kandinsky, von Matta und De Chirico, von Morandi und Carré verschwanden in Kellern und Archiven. Der Grund für die Schließung: eine dringend notwendig gewordene Generalüberholung des riesigen Gebäudes. Der österreichische Architekt Boris Podrecca und sein venezianischer Kollege Marco Zordan leiteten die Arbeiten. Teure und aufwendige Arbeiten. 7 Millionen Euro wurden ausgegeben um rund 6.000 qm Fläche zu restaurieren und zu modernisieren. Francis Farron:

Das Komitee für die Arbeiten entschied zum einen die Restaurierung der vorhandenen Bausubstanz, und das bedeutete auch die Freilegung zahlreicher Fresken, und zum anderen entschied man sich neue Strukturen zu schaffen. Neue Treppen und Wände, an denen die Bilder hängen. Und was für Bilder!.

Wer in Venedig nur auf die Suche nach der Kunst aus der Glanzzeit dieser Stadt geht - also zwischen Hochgotik und Barock - dem wird einiges entgehen. Neben den vielleicht weniger interessanten Meistern des venezianischen 19. Jahrhunderts präsentiert das wiedereröffnete Museum jetzt in lichtdurchfluteten Sälen mit atemberaubenden Deckenfresken Meisterwerke europäischer Malerei.

Da hängt die "Judith" von Klimt neben dem "Weissen ZigZag" von Kandinsky. Da werden Bilder von Max Klinger und dem Symbolisten Minne gezeigt. Eine "Nackte im Spiegel" von Max Ernst fasziniert ebenso wie der "Rabbiner von Vitebsk", ein Werk Chagalls. Das Interessante an diesem alten-neuen Museum ist das Licht Venedigs auf den Gemälden. Das Flackern des gebrochenen Lichts auf dem Wasser des Canal Grande, dass Giorgio Morandis Werk "Vasen und Flaschen" einen zartbläulichen Schimmer verleiht. Oder das ebenfalls vom Wasser gespiegelte Sonnenlicht auf der "Stadtlandschaft" des faschistischen Malers Mario Sironi. Dazu Francis Farron:

Man hat verstanden, dass man die Bilder möglichst so hängen muss, dass das Licht von draußen auf sie fällt. Durch den Umstand, dass wir hier überall Wasser haben, spiegelt sich das Licht in tausend Farben und Schattierungen. Es spiegelt sich auf den Fassaden der Palazzi, in die Räume hinein und somit auch auf die Gemälde. Es ist wunderbar Kunst zu besichtigen, die so hängt, dass das Licht mitberücksichtigt wird.



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