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StartseiteStreitkulturBrauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen?17.03.2018

Marcel Fratzscher vs. Sascha LiebermannBrauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Geld für alle, ohne zu arbeiten: Für die einen ist das ein Wunschtraum, für die anderen ein Schreckgespenst. Seit Jahren wird über das bedingungslose Grundeinkommen gestritten. Ganz unterschiedliche Konzepte liegen auf dem Tisch. Kann es die Probleme der modernen Arbeitswelt lösen? Oder ist es ein Irrweg?

Moderation: Birgid Becker

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Demo für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Berlin 2013 (imago stock & people)
Bedingungsloses Grundeinkommen: Wunschtraum oder Irrweg? (imago stock & people)
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Was ist von der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zu halten? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Die Schweiz war das erste Land, in dem die Bürger darüber abstimmten. Zwar lehnte eine große Mehrheit die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens bei der Volksabstimmung im Juni 2016 ab. Die Diskussion aber geht weiter und hat auch in Deutschland in den letzten Jahren an Fahrt aufgekommen. In der Streitkultur tauschen ihre Argumente aus:

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin

und

Sascha Liebermann, Professor für Soziologie an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn und Mitbegründer der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung", die sich für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzt

Sascha Liebermann: Das bedingungslose Grundeinkommen ist die Fortentwicklung des Sozialstaates

"Für mich ist das bedingungslose Grundeinkommen eine Fortentwicklung des Sozialstaats, und zwar vor dem Hintergrund, dass wir einen Sozialstaat haben, der den Grundfesten der Demokratie im Grunde hinterherläuft. Ich will das kurz erklären: Wir setzen in der Demokratie auf Mündigkeit, Selbstbestimmung, Bereitschaft, sich einzubringen, bedingungslose Geltung von Grundrechten. Und das bedingungslose Grundeinkommen macht für die Seite der Einkommensabsicherung nach unten - es geht um einen Sockelbetrag - genau dasselbe. Insofern wäre es also nur eine Fortentwicklung des Sozialstaates hin dazu, zur Demokratie besser zu passen."

Marcel Fratzscher: Das bedingungslose Grundeinkommen ist das Mogeln des Staates aus der Verantwortung

"Die Frage für mich ist: Wie kann den Menschen mehr Eigenverantwortung gegeben werden? Wie kann die soziale Marktwirtschaft, unser Gesellschaftsvertrag, funktionieren? Und dazu gehört nun mal Eigenverantwortung. Wie können die Menschen wieder mehr Freiheit, mehr Autonomie bekommen, über ihr Leben selbst entscheiden zu können?

Ich glaube, das bedingungslose Grundeinkommen ist die falsche Antwort auf diese Fragen.

Denn Menschen, die abgehängt werden, die abgehängt sind heute, brauchen nicht in erster Linie mehr Geld, mehr Einkommen, sondern sie benötigen mehr Chancen, Arbeit zu finden, gute Arbeit zu finden, mit der sie für sich sorgen können. Sie brauchen eine Chance, Teil der Gesellschaft sein zu können. Das erfordert Bildung. Das erfordert auch Inklusion. Auf all diese Herausforderungen ist das bedingungslose Grundeinkommen nicht die richtige Antwort. Sie ist letztlich das Mogeln des Staates aus der Verantwortung, der sagt: Hier habt ihr Geld. Jetzt lasst den Staat in Ruhe. Jetzt seid ihr auf euch alleine gestellt."

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