
Die Politikerin geht davon aus, dass mit der Revision die von den Berufungsrichtern verhängte Strafe ausgesetzt wird. Zuvor hatte das Berufungsgericht in Paris das Urteil gegen Le Pen bestätigt, aber das Strafmaß reduziert. Zwar blieb es bei einem Jahr Haft mit Fußfessel, doch wurde ihr das passive Wahlrecht nur für 15 Monate anstatt wie bislang für fünf Jahre entzogen.
Le Pen hatte in der Vergangenheit mehrfach erklärt, nicht für das Präsidentenamt zu kandidieren, falls das Gericht sie unter elektronische Überwachung stellt. Sollte sie entgegen ihrer Absicht nicht kandidieren können, soll der derzeitige Parteichef des „Rassemblemen National“, Bardella, antreten. Er und Le Pen liegen in Umfragen für die Wahl im kommenden April vor den anderen Bewerbern.
Le Pen startet den Wahlkampf
Ungeachtet der juristischen Unsicherheiten erklärte Le Pen im Fernsehsender TF1: "Heute Abend bin ich Kandidatin für die Präsidentschaftswahl." Zugleich kündigte sie den Start ihres Wahlkampfs unter dem Motto "Pour la France, la Renaissance" ("Für Frankreich, die Wiedergeburt") an. Heute absolviert sie gemeinsam mit Parteichef Bardella ihren ersten Wahlkampfauftritt. Damit rückt ein Szenario, nach dem Bardella anstelle Le Pens für das Präsidentenamt kandidieren könnte, zunächst in den Hintergrund.
Erwarteter Machtkampf im Rassemblement National
Die Politikwissenschaftlerin und Historikerin Hélène Miard-Delacroix sagte im Deutschlandfunk, Le Pen schöpfe mit der Revision ihre letzte juristische Möglichkeit aus und stärke damit ihr Image als Kämpferin. Gleichzeitig schade die Verurteilung ihrer Glaubwürdigkeit als Politikerin, die für Recht und Ordnung eintrete. Nach Einschätzung der Wissenschaftlerin hat im Rassemblement National zudem bereits ein Machtkampf begonnen. Parteichef Bardella habe sich in den vergangenen Jahren politisch emanzipiert und an Popularität gewonnen. Er stehe für andere Wahlkampfthemen als Le Pen. Deshalb sei offen, welchen politischen Kurs die Partei künftig einschlagen werde.
Diese Nachricht wurde am 08.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
