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Marion-Jones-Medaillen von Sydney neu vergeben

Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) tagt zurzeit in Lausanne und auf der Tagesordnung standen noch einmal die Olympischen Sommerspiele des Jahres 2000 in Sydney. Die sind zwar inzwischen neun Jahre her, juristisch gesehen aber noch nicht abgeschlossen. Strittig waren bis heute jene fünf Disziplinen, in denen die gedopte amerikanische Leichtathletin Marion Jones damals Medaillen gewonnen hatte und zum Star der Spiele wurde. In drei dieser Disziplinen hat das Internationale Olympische Komitee die Medaillen neu vergeben.

Von Jens Weinreich | 09.12.2009

    Vor fast auf den Tag genau zwei Jahren waren Jones an gleicher Stelle die Medaillen aberkannt worden. Jones stand damals im Mittelpunkt des Balco-Drogenskandals. Sie hatte Doping zugegeben und wollte damit eine Gefängnisstrafe vermeiden - vergeblich. Seither wird über die Neuverteilung der Medaillen gestritten. Der Welt-Sportgerichtshof CAS wird kommenden Freitag darüber entscheiden, ob die Staffelmedaillen den Amerikanerinnen erhalten bleiben - obwohl die nachweislich gedopte Jones mitgelaufen ist.

    Das IOC konzentrierte sich heute also auf die drei Einzelmedaillen der Marion Jones. Ihre Bronze-Plakette im Weitsprung geht an die Russin Tatjana Kotowa. Ihre Goldmedaille im 200-Meter-Lauf geht an Pauline Davis-Thompson von den Bahamas.

    Die große Frage war die Goldmedaille über 100 Meter. Denn in Sydney war hinter Jones ausgerechnet die Griechin Ekaterini Thanou Zweite geworden, die vier Jahre später in Athen selbst für einen großen Dopingskandal sorgte und schon vor den Spielen disqualifiziert wurde.

    Die IOC-Führung verweigerte sich der Pressekonferenz heute geschlossen. Also erklärte IOC-Kommunikationsdirektor Mark Adams:

    "Gold wird nicht vergeben. Thanou bleibt Zweite. Die Jamaikanerinnen Tanya Lawrence und Merlene Ottey rücken zusätzlich auf Rang zwei und Rang drei auf."

    Adams begründete die Entscheidung einmal mehr mit Thanous Vergehen: Sie hatte 2004 drei Dopingkontrollen verweigert, war in Athen mit Kostas Kenteris geflüchtet und hatte einen spektakulären Motorradunfall getürkt. Sie wurde vom Leichtathletik-Weltverband IAAF für zwei Jahre gesperrt. Sie sei nicht würdig, die Goldmedaille zu erhalten. Das IOC sieht sich rechtlich und moralisch auf der sicheren Seite. Man sei nicht in der Pflicht, Gold neu zu vergeben -

    "Wir haben eine sichere rechtliche Grundlage und sind nicht gezwungen Medaillen zu vergeben."

    Schon gar nicht an Thanou, sagte Adams. Thanous Anwälte haben mehrfach angekündigt, das IOC zu verklagen, sollte es zu dieser Entscheidung kommen. Das nächste Kapitel in dieser unendlichen Geschichte folgt in Kürze.