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StartseiteCorsoDer Alan Lomax der europäischen Straßenmusik20.07.2019

Marten Berger und das Projekt "Sounds Like Van Spirit"Der Alan Lomax der europäischen Straßenmusik

Zwei Jahre, 25 Länder, unzählige Begegnungen und Aufnahmen: 2017 brach Marten Berger mit einem zum Tonstudio umgebauten VW-Bus auf und dokumentierte, wie vielfältig und talentstark die europäische Straßenmusik-Szene ist.

Marten Berger im Corsogspräch mit Juliane Reil

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Zwei junge Männer vor einem zum Tonstudio umgebauten VW-Bus: Der eine singt und spielt die Gitarre, der andere sitzt vor dem Laptop mit Kopfhörern und nimmt ihn auf.
Marten Berger (rechts) nahm zwei Jahre in vielen europäischen Ländern Straßenmusiker und -musikerinnen mit einem zum Tonstudio umgebauten VW-Bus auf.
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Marten Berger ist eine Art moderner Alan Lomax für europäische Straßenmusik. Wie der amerikanische Musikforscher und Ethnologe machte sich der heute 26-jährige auf die Suche nach "ursprünglicher" Musik. Seine Mission war es, die Vielfalt von Europas Straßenmusik aufzunehmen und als Platte zu dokumentieren.

Marten Berger lehnt aus dem Seitenfenster seines umgebauten VW-Buses. (Eva Kosareva)"Wahrscheinlich kannst Du mehr machen, als Du eigentlich denkst“, Marten Berger. (Eva Kosareva)

Zwei Jahre war der ausgebildete Toningenieur kreuz und quer in ganz Europa mit einem zum Tonstudio umgebauten VW-Bus unterwegs: 25 Länder, unzählige Begegnungen und Aufnahmen. Vom spanischen Flamenco über skandinavischen Folk bis zu griechischem Blues. "Sounds like Van Spirit" heißt sein Projekt. Die Platte mit ausgewählten Songs soll im September rauskommen, außerdem ist ein Buch und ein Film geplant.

Spaß und Freiheit

Der größte gemeinsame Nenner zwischen den Straßenmusikern und Straßenmusikerinnen, die Berger auf seiner Reise getroffen habe – sagte der junge Mann im Dlf - sei gewesen, dass diese Leute einfach "Bock" auf Straßenmusik hätten: "Die machen das, weil es ihnen Spaß macht, und weil es ihnen eine gewisse Freiheit gibt. Dann zu spielen, wenn sie wollen. Sie werden nicht von einem Café oder einem Konzerthaus gebucht." Die erste Motivation sei aus Bergers Sichts, dass sie auf der Straße die Musik machen könnten, die sie wirklich machen wollten.

Weniger Straßenmusikerinnen

Es gäbe nicht so viele Straßenmusikerinnen, hätte Berger beobachtet. Straßenmusik sei schon eher eine Männerdomäne: "Natürlich gibt es Straßenmusikerinnen, aber sind einfach nicht so viele, wie es Männer gibt." Eine Straßenmusikerin, die Berger begegnet ist, ist Winnie Christian.

Zu dem Zeitpunkt, als Berger sie traf, war sie 19 Jahre alt. Die Amerikanerin lebte  mit ihren Eltern damals in Stockholm. Mit der Straßenmusik wollte sie sich ein Ticket zurück in die USA verdienen, um dort Kunst zu studieren, erzählte Berger. Die junge Frau habe ihn beeindruckt, weil sie auf der Straße nur mit einer Gitarre in der Hand ihre selbstgeschriebenen Songs gesungen hätte. Ohne Verstärker, wie andere das getan hätten. Dafür bräuchte es Mut, sagte Berger.  

Berger hat ein Studium zum Toningenieur in Enschede absolviert und schon immer Musik gemacht. Für ihn sei es eine schöne und wichtige Erfahrung gewesen, dass man auch unabhängig von der Musikindustrie arbeiten könnte: "Das Projekt hat kein Label, ich mache alles selbst. Ich lade die Lieder im Internet hoch, ich vertreibe sie und ich habe sie aufgenommen und gemischt. Das wäre früher überhaupt nicht so möglich gewesen. Heute geht das."

Do-It-Yourself-Haltung als Botschaft

Mit seinem Projekt, so Berger weiter, möchte er andere inspirieren: "Du kannst jetzt schon etwas machen, was immer Du machen möchtest. Und wahrscheinlich kannst Du mehr machen, als Du eigentlich denkst." Das sei ein bisschen Bergers Motivation gewesen, und es sei das, was er mit Sounds like Van Spirit weitergeben möchte.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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