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Mary Quant im V&AMinimaler Rock mit maximaler Botschaft

Kurze Röcke, Mode für Kataloge und Kaufhäuser, maßgeschneiderte Damenhosen: Die Designerin Mary Quant hat die britische Mode revolutioniert. Ihre Entwürfe verkauften sich weltweit und waren doch bezahlbar. Das Victoria and Albert Museum in London widmet der Modeschöpferin eine sehenswerte Ausstellung.

Von Christine Heuer | 08.04.2019

Heather Tilbury: "Junge Frauen zogen sich an wie ihre Mütter: Twinset und Perlen. Einengende Röcke und hohe Absätze - die sie ausschlossen von jeder Art von Ausgelassenheit oder Freiheit."
Heather Tilbury ist selbstverständlich im Quant-Kleid zur Ausstellungseröffnung gekommen. Sie freut sich sichtlich, ihre Chefin und deren Werk zu feiern. In den Glasvitrinen um sie herum: Schaufensterpuppen in Quant-Entwürfen - Mini, Maxi, Hosen, Strumpfhosen, Regenmäntel, Schuhe, Schlafanzüge, Unterwäsche. Alles, was Frau so braucht. Die verschiedensten Stoffe und Muster, bunte Farben: alles kombinierbar, mit etwas Mut. Der Quant-Stil in 120 Kleidungsstücken plus Accessoires, Kosmetik und Schnittbögen. Wie war das jetzt gleich mit dem Minirock?
Gefühl von Freiheit
"Sie hat tolle Beine. Und sie hat ihre Röcke kürzer und kürzer getragen. Ihre Kundinnen kamen in den Laden und sagten: 'Wir wollen die Säume höher tragen, wir wollen unsere Röcke kürzer.' Und das war toll für die jungen Frauen. Es war viel bequemer. Man konnte damit rennen, hüpfen, auf den Bus aufspringen – sie gaben ein Gefühl von Freiheit."
Mary Quants Geschmack trifft den Zeitgeist perfekt. Und sie ist eine gute Verkäuferin. Während sie in Paris Haute Couture für die lucky few machen, verkauft die englische Designerin ihre Mode schon bald auch über Kaufhäuser und Kataloge. Sogar Schnittbögen kann man erwerben und Quant-Modelle selber nähen.
"Sie wusste, dass Haute Couture für Normalsterbliche nicht möglich ist. Sie wollte Mode bezahlbar machen, damit die Leute Kleidung kaufen, zusammenstellen und so ihre Garderobe aufbauen konnten."
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Ein Blick in die Schau "Mary Quant" (Victoria and Albert Museum)
Emanzipation in den Swinging Sixties
In den 50er Jahren war Quants Mode weder mini noch bunt. Im ersten Teil der Londoner Ausstellung sind frühe Entwürfe zu sehen: braun, dunkelblau - gedeckte Farben, züchtige Säume, zehn Zentimeter unterm Knie. Was schon da ist in den frühen Jahren: Trägerkleider, die bequeme A-Linie, Bubi-Kragen. Quant experimentiert immer stärker. Sie fertigt Regenmäntel aus PVC und – ebenfalls ganz neu – maßgeschneiderte Damenhosen. Die jungen Frauen der Swinging Sixties emanzipieren sich. Sie sind berufstätig. Genau wie Mary Quant.
"Sie hatte einen Sohn und musste wie alle anderen vieles unter einen Hut bringen: Mann, Heim, Kinder und gleichzeitig ein selbst gewählter Beruf. Hätte sie ein besseres Vorbild sein können?"
Mode als Teil der britischen DNA
Unter dem Hashtag #WeWantQuant haben die Kuratoren der Ausstellung die Briten letzten Sommer um Leihgaben gebeten: Quant-Kleider, Fotos und Erinnerungen. Die Reaktion war überwältigend. Im Mittelpunkt der Ausstellung sind jetzt Modelle aus privaten Kleiderschränken zu sehen und Fotos der Besitzer, wie sie sie tragen. Mary Quant ist Teil der englischen DNA. Sie hat Spuren im Alltag hinterlassen. Und in der Welt der Schönen, Reichen und Berühmten ihrer Zeit.
"Als Patti Boyd George Harrison geheiratet hat, trugen sie beide Mary Quant. Cilla Black, Audrey Hepburn, Sandy Shaw – viele, viele bekannte Gesichter. Sogar Brigitte Bardot."
Und natürlich Twiggy, die Mary Quants Mode auf den Laufstegen und in den Hochglanz-Magazinen vorführte wie keine zweite.