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StartseiteHintergrundMassenspektakel oder kirchlicher Neu-Aufbruch?20.08.2005

Massenspektakel oder kirchlicher Neu-Aufbruch?

Der 20 Weltjugendtag in Köln

Happening und Rockkonzert oder spirituelle Erneuerung der Jugend? Eine Frage, die der Weltjugendtag aufwirft und täglich neu beantwortet. Was 500.000 Jugendliche in Köln erleben, versetzt sie in eine Art Rausch, in einen Zustand, in dem sie die Welt um sich herum vergessen – völlig losgelöst von Herkunft, Nationalität und Konvention – sind sie berauscht vom Gefühl dazu zu gehören.

Von Eva Schlittenbauer

Papst Benedikt XVI. hält die Heilige Messe auf dem Marienfeld (AP)
Papst Benedikt XVI. hält die Heilige Messe auf dem Marienfeld (AP)
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"Es ist einfach Klasse!
Es ist geil!
Es ist ein feeling, das ist unbeschreiblich! Alle singen mit, alle klatschen mit, alle feiern, das ist lustig, egal ob man die Sprache versteht oder nicht! "

Der Weltjugendtag eine Droge, die Papst Johannes Paul II. vor 20 Jahren in Umlauf brachte. Er entwarf einen Stoff, der in Köln die Träume vom unbeschwerten Miteinander wahr werden lässt – zumindest eine Woche lang. Die Jugendlichen liegen sich in den Armen, singen, tanzen und feiern – mit einer Energie, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Die Vorbehalte gegen die Enge der katholischen Kirche sind wie weggewischt, was zählt ist einfach teilzunehmen. Anna-Maria spricht vom Weltjugendtag als einem Fest des Glaubens:

"Zu diesem Fest gehört dazu, dass viele, viele Jugendliche kommen aus vielen, vielen Ländern, dass sie alle im Hinterkopf haben, weswegen sie da sind, nämlich wegen ihres Glaubens. Aber dass sie halt auch darüber hinaus andere kennenlernen wollen. "

"Dass sie sich nach einem guten Wort sehnen, nach einem Angesprochensein und einem Dazugehörendürfen. "

Die Sehnsucht, die Bruder David beobachtet, ist die Sehnsucht nach Anerkennung und Orientierung, erläutert der Benediktinermönch aus der Abtei Königsmünster.

Eine Schwester aus Spanien gibt vor dem Dom in Köln ein Lied zum Besten. (AP)Eine Schwester aus Spanien gibt vor dem Dom in Köln ein Lied zum Besten. (AP)"Viele haben auch Angst vor der Zukunft. Ich arbeite viel mit Jugendlichen. Es fehlt eine gute Form von Orientierung, auch von Bündelung oder von Visionen. Das kann man alles missbrauchen, das ist ganz klar, die Gefahr besteht. Ich will auch nicht versuchen, irgend so einen Jugendführer zu installieren, der da sagt, so geht es lang. Aber eine Vision zu haben, wofür lohnte sich das Ganze hier überhaupt? Wonach soll ich mein Leben überhaupt ausrichten? In dieser Vielfältigkeit, die erstmal auch gut ist, und es geht auch nicht darum, diese Vielfältigkeit zu nehmen. Aber innerhalb dieser Vielfältigkeit sich selbst einen Weg zu bahnen. Nach welchen eigenen Richtlinien, nach welchen Prinzipien - wie man das auch nennen mag – will ich das denn tun? Was ist jetzt für mich gut und was nicht? Was möchte ich eigentlich? "

Der Weltjugendtag als Orientierungshilfe: Klare Verhältnisse sind gewünscht, eine Struktur, die den eigenen Platz nicht lange suchen lässt, sondern ohne lästige Diskussionen und Prüfungen vorgibt. Je einfacher die Erwartungen formuliert sind, desto sicherer fühlt sich der Einzelne. Eine Sicherheit, die alle Jugendlichen auf eine Welle der Begeisterung hebt. Sie sind Gleiche unter Gleichen: gleiches Alter, gleiche Konfession, gleiches Ziel. Sie stehen auf einer Stufe. Der Weltjugendtag nivelliert die Unterschiede. Individualität ist nicht gefragt. Alle blicken nach oben.

"Wir rufen über die Alpen nach Rom hinüber: Heiliger Vater Benedikt XVI., wir warten auf dich! "

"Danke, dass Du für uns da bist! "

"Your’e a good man…"

"Ich bin glücklich, mitten unter jungen Menschen zu sein, sie im Glauben, so Gott es will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben. Und dabei bin ich zugleich sicher, dass ich mindestens ebenso der Empfangene bin, dass die Begeisterung, die Einfühlsamkeit, die Bereitschaft, der Mut und die Hoffnung der jungen Menschen mich anstecken werden und mir Mut geben werden, meinen Weg im Dienst der Kirche als Nachfolger des Petrus weiterzugehen und den Herausforderungen der Zeit zu entsprechen.. "

Der Jubel ist Papst Benedikt XVI. sicher, auch wenn er fast schüchtern auf die Jugendlichen zugeht. Er versucht nicht seinen Vorgänger zu kopieren, er hält sich ans Protokoll, lächelt, und segnet – mit gleichbleibender Freundlichkeit – und dennoch verhalten. Die Jugendlichen genießen es, in seiner Nähe zu sein.

"Ein nettes Lächeln von ihm, ein Winken, und wir sind zufrieden. "

"Benedetto"

Papst: "Das werden wir jetzt noch oft hören, nicht? (Lacht) "

"Katholisch heißt ja allumfassend. Ich denke, das wird gerade beim Weltjugendtag wieder sehr deutlich. Wenn aus der ganzen Welt die Leute zusammenkommen, gemeinsam feiern können, auf einer gemeinsamen Grundlage, trotz ihrer Verschiedenheit, der Verschiedenheit ihrer Sprache, ihrer Kulturen und auch teilweise des Denkens. Trotzdem gibt es eben diese gemeinsame Grundlage des Glaubens Christus, und das ist eigentlich das typisch Katholische. "

"Für mich ist es ganz klar so eine Verbundenheit, dass man merkt, jemand anderes ist Christ, und sei es einfach nur an kleinen Zeichen, die man hat, ein bestimmtes Kreuz, das halt nicht jeder kennt. Da weiß man schon, oh, der ist auch katholisch. Man kann sich sofort mit den Leuten unterhalten, hat eine gemeinsame Basis, weil man weiß, einen verbindet was. Es sind nicht nur die Zehn Gebote und die Regeln, die man hat und dieses "Ihr müsst das tun", "Ihr dürft das nicht tun" – klar, hat man versucht, sich daran zu halten, aber es ist einfach mehr, wie eine riesige Familie. "

"Ich würde auch sagen, dass sich in unserer Kirche einiges ändern muss, dass da mehr Lebendigkeit reinkommen muss, und manche Positionen einfach noch mal grundsätzlich überdacht werden müssen. "

"Warum sie teilweise noch so altmodisch ist, die Kirche."

"Ich würde ihn fragen, wie er sein Amt jetzt versteht. Wir hatten Papst Johannes Paul, der, glaube ich, sehr viel bewegt hat für die Kirche, und das war wohl auch gerade für Konservative, denen war das schon viel zu viel, und wie er das jetzt so sieht. "

Die Gesprächsbereitschaft auf Seiten der Jugendlichen ist unüberhörbar. Die Jugendlichen zeigen Flagge – und das buchstäblich. Jede Gruppe schwenkt fröhlich eine Nationalflagge. Ohne Vorbehalte zeigen sie ihren Nationalstolz. Die Flaggen sind Erkennungszeichen und Ausweis zugleich.

Etwa 200 Nationalitäten sind beim Weltjugendtag gemeldet, - zu hören sind vor allem Italiener, Brasilianer und Mexikaner – ansteckend wirken die Gesänge – und so entstehen Bilder von Jugendgruppen, die sich in ihre Flagge hüllen – und mit lautem Schreien kundtun, woher sie kommen.

Der Weltjugendtag verbindet die Völker. Die meisten gehen beherzt auf andere zu – fragen nach Wohnort, Alter und Quartier in Köln. Die babylonische Sprachgemeinschaft verständigt sich mit Händen und Füßen – wo Worte fehlen, reicht ein Lächeln.

"Das haben wir jetzt schon in den letzten Tagen festgestellt mit unseren Chilenen, diese Unterschiede, was sie essen, was wir essen, wie sie zur Schule gehen, wie wir zur Schule gehen, was wir in unserer Freizeit machen, einfach so, dass man sich da austauscht und mal was anderes kennenlernt, mal über seinen eigenen Horizont hinausguckt. "

Anna-Maria wohnt mit 150 Chilenen in einer Unterkunft, eine Turnhalle teilen sie sich. Das Miteinander empfindet sie als Bereicherung, und auch ihre Freundin Viola ist begeistert von dem leichten Überbrücken der Grenzen.

"…dass auch dieses Kennenlernen ganz, ganz einfach ist komischerweise, weil man weiß, okay, man ist zum gleichen Zweck hier, also alle wollen hier zusammen feiern, zusammen den Glauben demonstrieren, zusammen Spaß haben. Und alle sind halt abgezielt darauf, neue Leute kennenzulernen. Einfach nur, dass man sieht, man ist nicht der einzige Jugendliche, der sich irgendwie noch für seinen Glauben interessiert und bereit ist, einzusetzen, sondern dass da wirklich ganz Köln mit 500.000 Menschen, die halt alle an das gleiche glauben, die gleichen Ziele vielleicht haben – es ist schon etwas sehr Eindrucksvolles. "

"Katholisch ist für mich das, was Sie hier erleben. Dieses Grundgefühl, das doch alle Menschen, die hier in irgendeiner Form diesen Weltjugendtag miterleben, hierher geführt hat. "

Ansgar Jürgens leitet ein Team von freiwilligen Helfern. 28.000 haben sich gemeldet, um das Unternehmen Weltjugendtag zu verwirklichen. Ob Essensausgabe, Bühnenaufbau oder Gottesdienstvorbereitung – die Jugendlichen sind rund um die Uhr beschäftigt. An ihren roten T-Shirts leicht zu erkennen, werden sie immer wieder angesprochen.

"Ich fand’s einfach superspannend, hier bei diesem Riesen-, Riesenprojekt mitzuarbeiten, zu sehen, wie wir das möglich machen, dass so viele Besucher – nachher zum Schluss 800.000, eine Million, dass die einen wahnsinnig tollen Weltjugendtag erleben können. "

Papst: "Hier gibt es seit ungefähr 2000 Jahren Christen, und so hat sich das Katholische tief in den Charakter der Kölner eingetragen im Sinn einer fröhlichen Gläubigkeit. Darüber freuen wir uns heute. Köln kann auch den jungen Menschen etwas von seiner fröhlichen Katholizität anvertrauen, die alt und zugleich ganz jung ist. "

"Eine uniformierte Massenveranstaltung, wo einfach der Dialog fehlt. Ich meine, tolle Konzerte, kann auch eine Sportveranstaltung sein oder irgendwas, da ist immer die Frage, was hat das mit Glauben zu tun, was hat das mit Jesus Christus zu tun. Wie können die Jugendlichen hier miteinander ins Gespräch kommen, und zwar nicht so einfach "Hi", "Hallo" – ich kenne das von Toronto, das war leider auf einem sehr niedrigen Niveau, auf dem man den Leuten begegnet ist. Es gab selten sehr tiefgehende Gespräche, und das ist einfach schade. Die Leute sind nur in ihren Sprachgruppen, meistens in ihren Nationalgruppen zusammen, immer angeführt meistens von irgendwelchen Priestern oder Nonnen – das ist einfach ein bisschen zu wenig. Junge Leute sollten hier konkret sich mit den wichtigen Themen unserer Gesellschaft auseinandersetzen und sehen, wie können sie die Welt verbessern! Dann würde man sehen, dass für junge Leute, das heißt, sich in Projekten zu engagieren, aktiv zu werden – und da hilft das Massenbeichten leider nicht wirklich viel. Wie verändern junge Leute die Welt? Und die verändern sie nun mal nicht, indem sie dem Papst zujubeln, der dann behauptet, ich liebe die Jugendlichen, und er kämpft gegen die Ungerechtigkeit. Aber die wahre Ungerechtigkeit ist, dass er mit dafür verantwortlich ist, mit fast allen Bischöfen zusammen, dass sich 14.000 Menschen jeden Tag mit HIV Aids infizieren und er nichts dagegen tut. "

Tobias Raschke ist wütend. Der Weltjugendtag ist ihm zu unpolitisch – der 29-Jährige kämpft bei "Wir sind Kirche" für Reformen in der katholischen Kirche. Themen wie Aidsprävention und Bekämpfung der Armut kommen ihm in Köln zu kurz. Der Weltjugendtag – nur die Illusion einer heilen katholischen Welt?

Gottesdienstteilnehmer sitzen in der Agnes-Kirche in Köln. (AP)Gottesdienstteilnehmer sitzen in der Agnes-Kirche in Köln. (AP)"Wir reden darüber, dass die Botschaft von Jesus Christus positiv ist, die ist nicht ausschließend. Während der katholische Weltjugendtag und insbesondere Kardinal Meisner ja junge Menschen nur einer bestimmten Sorte haben will, nämlich die, die gern zum Beichten gehen und die alles toll finden und die einfach ihm zujubeln. Nur die Erfahrung zeigt, junge Leute wissen einfach, was gut für sie ist, wenn man ihnen die richtige Information gibt. "

Tobias Raschke ist mit seinem Wunsch nach mehr Diskussion nicht allein. Vor allem die Hilfswerke lenken den Blick auf soziale Missstände, rufen auf zum Kampf gegen Armut und Unterdrückung, und auch die Bischöfe wie der Bischof aus Osnabrück, Franz- Josef Bode, warnen vor den Folgen einer einseitigen Weiterentwicklung des Wohlstandes.

"Globalisierung geschieht nicht nur auf ökonomischer Basis, schon gar nicht in den schrecklichen Netzwerken des Terrors und des Radikalismus, sondern eben in solchem Netzwerk des Friedens. In solchen Netzwerken, die sich auch verborgen bilden, wenn der Grundwasserspiegel des Glaubens sich hebt. "

"Kirche ist ja nicht nur Kirche, das ist nicht nur Beten und Hingehen und Gottesdienst feiern, sondern es ist mehr. Es ist unsere Aufgabe als Christen zu helfen, anderen Menschen zu helfen, für Solidarität einzutreten, und das tun Christen auf der ganzen Welt auch, und dementsprechend ist die Rolle da, glaube ich, sehr wichtig. "

Die Heidelberger Studentin Hanna Labonte fordert die Verantwortung des Einzelnen. Der Weltjugendtag als politische Plattform: "Wir sind auf der Seite der Armen" sagt der Franziskanerpater Jose Rodriguez Carballo. Für ihn heißt das, die Wirtschaft solle sich solidarisch mit den Armen zeigen, die Bedürfnisse der Menschen sollten wichtiger sein als das Streben nach Gewinn. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul mahnt:

"… dass wir eigentlich nur eine gemeinsame Zukunft haben, und dass, wenn es in anderen Regionen der Welt besser geht, wenn z.B. soziale Regeln bestehen, wenn Armut bekämpft wird, das auch in unserem ureigensten Interesse ist. Wir wollen doch keine Welt, in der es sozusagen einen Wettbewerb nach unten in den schlechtesten Lebensbedingungen und sozial schlechtesten Bedingungen gibt, sondern dass es einen Wettbewerb nach oben gibt. Und insofern haben wir die gleichen Interessen. "

Keiner der Jugendlichen geht in diesen Tagen dafür auf die Straße. Sie bleiben bei sich – genießen das Recht der Jugend auf Unbeschwertheit. Die Ermordung des Taizé-Gründers Frère Roger irritiert kurz, dann wird wieder gefeiert. Nur diejenigen, die Frère Roger in Taizé erlebten, halten inne.

"Ich konnte Frère Roger einige Male im Gebet in Taizé erleben. Immer wenn ich ihn – ob aus der Entfernung oder von nahem begegnet bin – war ich beeindruckt von seiner Milde, von seiner Herzlichkeit und von seiner Ausstrahlung. Er konnte wirklich gefangennehmen, allein durch seine Gegenwart. "

Viele folgen dem Wunsch des Gastgebers. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner:

"Wir wollen, dass der Weltjugendtag zu einem tief geistlichen Ereignis in unserem Land, in Europa und auch in der Welt wird. Deshalb bauen wir nicht nur Bühnen und Altäre auf, sondern wir mühen uns, diese Orte mit Leben, mit geistlichem Leben, mit spiritueller Kraft zu erfüllen. "

Der Weltjugendtag entwickelt seine eigene Spiritualität. Das Wissen um den gemeinsamen Boden, auf den jeder seinen Glauben baut,– das Bewusstsein eines gemeinsamen Ziels – lässt die Jugendlichen fröhlich sein – diese Freude ist für sie Ausdruck ihrer Spiritualität. Um die gemeinsamen Wurzeln immer wieder zu spüren, feiern sie Gottesdienste und Andachten. Die geistlichen Zentren sind voll, die Kirchen überfüllt. Staunen, wenn der Weltjugendtag schweigt.

"Es hat mich tief berührt. Als dann diese Wandlungsworte gesprochen wurden, habe ich Tausende von jungen Menschen schweigen gehört. Ich möchte wissen, wo tausend Menschen zusammen noch schweigen. Es ist auch gesagt worden: sie haben einfach geschwiegen im Augenblick. Man hörte fast nichts. Und da habe ich gemerkt, die haben einen Sinn für das Mysterium, für das Geheimnisvolle. Und das ist etwas, was man ihnen nicht vorenthalten darf. Da können uns die Jugendlichen auch etwas mitteilen, mitgeben. Da haben sie mir etwas geschenkt, wo ich dachte, ja, stimmt. Da ist etwas Besonderes, und das darf ich auch achten. "

Papst: "Wie Ihr habe auch ich mich auf den Weg gemacht, um zusammen mit Euch niederzuknien vor der weißen Hostie, in der die Augen des Glaubens die reale Gegenwart des Erlösers der Welt erkennen. Gemeinsam werden wir dann über das Thema dieses Weltjugendtages "Wir sind gekommen, um ihn anzubeten" meditieren. "

"Wir beten in der Familie jeden Tag den Rosenkranz und praktizieren den Glauben. Früher war das zwar nicht so, da war es eher traditionell. Aber Jesus hat uns an sich gezogen durch Maria. "

Die Beichtmöglichkeiten werden eifrig genutzt, meist nicht im traditionellen Beichtstuhl, sondern im Freien: Im Garten der Gemeinde St. Agnes zum Beispiel sitzt unter jedem Baum ein Priester. Die Jugendlichen stehen Schlange. Im vertraulichen Gespräch erzählen sie, was ihnen auf dem Herzen liegt. Der Weltjugendtag als Ort der seelischen Befreiung.

"Wieso ich beichten gegangen bin? Weil ich gedacht habe, jetzt ist es wieder Zeit nach vier Monaten. Und ich habe mich auch schon ein bisschen schwer gefühlt, wie ich sagen kann. Das war wirklich super. Der Pfarrer war meganett. Er war wie ein Freund, und man konnte ihm alles erzählen, ohne Hemmungen zu haben. "

Der Weltjugendtag eröffnet neue Orte des Betens. Ob in der Stadt oder auf dem Bauernhof, egal ob sie in einer Turnhalle schlafen oder bei einer Familie – die Jugendlichen finden ihren Weg – zu sich und zum Gebet.

"Glaube, das ist mein Leben. Ich denke in erster Linie, das ist Gebet, dann Kirche, wir warten auf die Unterstützung durch den neuen Papst. Das ist sehr wichtig für die Ukraine. "

Ein Höhepunkt des Weltjugendtages: Papst Benedikt XVI. besucht als erster Papst eine Synagoge in Deutschland. Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland:

"Vor allen Dingen, was mich tief beeindruckt hat, war der Mittelpunkt seiner Rede dahingehend, dass das Gemeinsame zwischen Judentum und Christentum von besonderer Bedeutung ist und die Wurzeln des Christentums im Judentum liegen. Und wenn die Menschen das zur Kenntnis nehmen, ich kann mir nicht vorstellen, dass dann noch Ressentiments gegenüber anderen Religionen vorherrschen können, die es ja immer noch gibt. Darüber wollen wir uns nicht die Augen verschließen"

Papst: "In Anbetracht der jüdischen Wurzeln des Christentums hat mein verehrter Vorgänger in Bestätigung eines Urteils der deutschen Bischöfe gesagt: Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum. Vor Gott besitzen alle Menschen die gleiche Würde, unabhängig davon, welchem Volk, welcher Kultur oder Religion sie angehören. "

In seiner Rede ruft Papst Benedikt XVI. Juden und Christen zum gemeinsamen Kampf für eine bessere Welt auf. Auf die Mitschuld von Christen oder der katholischen Kirche am Antisemitismus geht der Papst nicht ein.

"Es ist auch so, dass so ein Weltjugendtag oft ein Anstoß ist. Das ist etwas, was man auch mit heim nimmt. Es muss nicht unbedingt so ein Diskussionsrunden-Angebot direkt geben, sondern es passiert automatisch, dass man ins Gespräch kommt; und man eben auch den Weltjugendtag mit nach Hause nimmt. Da macht man sich noch länger Gedanken drüber, weil das einfach so ein beeindruckendes Erlebnis ist. "

Wie jeder Rausch vergeht auch der Weltjugendtag. Was beim Erwachen am Montag bleibt: Heiserkeit und Müdigkeit ganz sicher, und bei dem einen und der anderen der Kater Einsamkeit. Das Zurückgeworfensein auf sich. Erst im Alltag wird sich weisen, ob sich der Weltjugendtag als Stärkungsmittel für Selbstvertrauen und katholische Identität bewähren konnte.

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