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Materialschlacht um Medaillen

Technik. - Die Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City markiert wieder einmal den Beginn einer gewaltigen Materialschlacht. Denn die begehrten Medaillen erringen die Leistungssportler nur noch mit intensiver wissenschaftlich-technischer Unterstützung. So wird das Gefährt des deutschen Bobfahrers Christoph Langen an der Technischen Universität München optimiert.

    "Der Bob ist sozusagen die Formel-1 des Wintersports. Mit der richtigen Verkleidung und hoher Windschlüpfigkeit kriegt man sehr hohe Geschwindigkeiten hin", erklärt Ekkehard Moritz, von der Fakultät für Sportwissenschaften der TU München. Christoph Langen holte 1998 in Nagano Gold für Deutschland, das soll er in den kommenden 14 Tagen in Utah wiederholen. Damit ihm das gelingt, arbeiten Aerodynamiker, Werkstofffachleute, Ergonomen und Sportwissenschaftler eng zusammen. Doch die Experten halten vor den entscheidenden Rennen dicht, damit die Konkurrenz keine Hinweise erhält. "Im Boxsport gibt es ein relativ strenges Reglement, was Art und Zusammensetzung des Materials angeht, und dieses Reglement haben wir versucht, kreativ zu interpretieren", meint etwa Ingo Valtingoier vom Lehrstuhl für Leichtbau sibyllinisch. Zwar haben sie versucht, den Langen-Bob so schwer zu machen, wie es das Reglement nur erlaubt, denn je schwerer das Gefährt, desto höher die Geschwindigkeit.

    Doch kann man das Gewicht an mehr oder weniger günstigen Stellen anbringen. Auf der relativ kurvenarmen Strecke der Olympiabahn könnte es sich mit ein paar Sekunden auszahlen, wenn soviel der zulässigen 390 Kilogramm wie möglich nach unten verlagert werden. Auch eine verbesserte Aerodynamik dürfte ein paar Sekundenbruchteile bringen. Die Hoffnungen der deutschen Bobfahrer ruhen jedoch auf den völlig neu entworfenen Kufen und den ebenfalls brandneuen Stoßdämpfern. Doch beides fällt unter strengste Geheimhaltung. Nur soviel wollen die Fachleute verraten. Beides hat intensivste Test- und Messläufe absolviert und ist unter reichlich Computereinsatz optimiert worden.

    [Quelle: Hellmuth Nordwig]