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StartseiteForschung aktuellEine Dürre war der Anfang vom Ende03.08.2018

Maya-HochkulturEine Dürre war der Anfang vom Ende

Verfallene Städte und Tempelanlagen im Dschungel Mittelamerikas zeugen bis heute von der Hochkultur der Maya, die auf rätselhafte Weise unterging. Ein neues Verfahren zur Rekonstruktion historischer Niederschlagsmengen belegt nun: Den Maya wurde Wassermangel zum Verhängnis.

Von Lucian Haas

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3-D-Bild einer riesigen, bisher unbekannten Maya-Stätte um die Stadt Tikal in Guatemala. Die Darstellung wurde von Guatemala's Mayan Heritage and Nature Foundation zur Verfügung gestellt. Forscher gaben die Entdeckung am 1. Februar 2018 bekannt. (PACUNAM via AP / Canuto & Auld-Thomas)
3D-Bild einer riesigen Maya-Stätte in der Nähe der Stadt Tikal in Mexiko (PACUNAM via AP / Canuto & Auld-Thomas)
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Die antike Hochkultur der Maya in Mittelamerika ging im Verlauf des 9. und 10. Jahrhunderts auf rätselhafte Weise unter. Die politische Ordnung zerfiel. Nach und nach wurden ganze Städte verlassen. Welche Auslöser dazu führten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Nicholas Evans von der University of Cambridge: "Es gibt viele Theorien, darunter Kriege und politische Unruhen. Eine der Theorien erklärt den Verfall mit einer Klimaveränderung oder Dürre."

Schon in den 1990er Jahren zogen Forscher Bohrkerne mit Sedimentproben aus dem See Chichancanab im Süden Mexikos. Darin fanden sie in Sedimentschichten aus der Zeit, in der die Maya-Kultur verfiel, Gipsablagerungen. Sie sind ein Indiz dafür, dass der See damals deutlich weniger Wasser führte und in Teilen sogar vorübergehend trocken fiel. Wie stark die Dürre damals ausfiel, dazu fehlten bisher allerdings quantitative Abschätzungen. Der Klimaforscher Nicholas Evans und Kollegen wendeten eine neue Analysemethode an, um erstmals konkrete und statistisch abgesicherte Daten zu liefern.

In Gips eingeschlossenes Wasser liefert neue Einblicke

"Wenn sich Gips bildet, wird direkt Wasser aus dem See in die kristalline Struktur des Minerals eingebaut. Das ist wichtig, weil die Zusammensetzung des im Gips gebundenen Wassers Hinweise auf den Klimawandel beinhaltet. Wenn man dieses fossile Wasser aus dem Gips extrahiert und es mit dem Seewasser von heute vergleicht, kann man daraus robuste Rückschlüsse auf die Niederschlagsmengen ziehen."

Wasser, also H2O, kann aus unterschiedlichen Isotopen von Wasserstoff und Sauerstoff bestehen. Und aus dem Verhältnis dieser Isotope in verschiedenen Wasserproben lassen sich Niederschlagsmengen ableiten. So kam Nicholas Evans zu dem Ergebnis: Zur Zeit des Untergangs der Maya fiel in der Region über viele Jahrzehnte hinweg rund 50 Prozent weniger Niederschlag als in der heutigen Vergleichsperiode 1994 bis 2010, erklärt Nicholas Evans.

"50 Prozent weniger Niederschlag - eine unvorstellbar große Menge."

"Wenn man sich mal ausmalt, in Deutschland oder Großbritannien würde über mehrere Jahrzehnte hinweg nur noch halb so viel Regen fallen, hätte das enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Heute leben wir allerdings in einer globalisierten Welt. Bei einer Dürre können wir Wasser und Nahrungsmittel aus anderen Regionen einführen. Die Maya hingegen waren sehr stark von der lokalen Landwirtschaft und lokalen Wasserressourcen abhängig."

Was zu dieser lang anhaltenden Dürreperiode in Mittelamerika führte, ist unklar. Mit seinen genaueren Abschätzungen der Niederschlagsmengen liefert Nicholas Evans aber Grundlagen, um die Folgen davon zu erforschen. 

"Unsere Daten sind wichtig, weil künftige Studien nun besser erfassen können, wie die Dürre die Landwirtschaft der Maya beeinflusst hat. Dazu gehören auch Ertragsprognosen für Grundnahrungsmittel wie Mais. Archäologen können das nutzen, um zu verstehen, wie sich der Untergang der Kultur der Maya vollzog."

Auch Gestein vom Mars könnte so analysiert werden

Mit der neuen Methode, in Gips gebundenes fossiles Wasser zu analysieren, hofft Nicholas Evans übrigens nicht nur zur Aufklärung der Geschichte der Maya beizutragen. Das gleiche Verfahren ließe sich auch einsetzen, um die Klimageschichte des heute so trockenen Planeten Mars besser zu verstehen. Auf dem Mars gab es einst flüssiges Wasser, das heute auch noch in Mineralien wie Gips gebunden ist. "Wenn künftig einmal Gesteinsproben vom Mars zur Erde kommen, könnten wir das Wasser daraus extrahieren und verstehen, wie sich das Klima des roten Planeten über die Zeit verändert hat."

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