Mittwoch, 12.12.2018
 
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MAZ ab!

Hightech rettet Uralt-Magnetbänder in die digitale Epoche

<strong>Technik. - Noch sind Kassettenrekorder und Tonbandgeräte überall zu finden, und mancher Liebhaber will sich keinesfalls von seiner "Revox" oder "Uher" trennen. Dennoch ist der Gang der Dinge unaufhaltsam und digitale Silberscheiben auf dem Siegeszug. Wie aber kann erhaltenswerte Information von den empfindlichen analogen Magnetstreifen gerettet, aufgepeppt und für kommende Jahre archiviert werden. Dieser Aufgabe haben sich Forscher der Fachhochschule Köln verschrieben.</strong>

Kölner Forscher entreißen Magnetbänder dem Zahn der Zeit. (Uni Leipzig)
Kölner Forscher entreißen Magnetbänder dem Zahn der Zeit. (Uni Leipzig)
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Über sechs Jahrzehnte hieß es MAZ ab, war das Magnetband das universale Medium für Ton und später auch Filmaufnahmen. Noch heute füllen zahllose Bänder und Kassetten die Magazine der Rundfunkanstalten. Doch wenn ein solches Schätzchen nochmals hervorgekramt wird, um Hörer und Zuschauer zu beglücken, dann macht sich oft bei der Begutachtung schnell Ernüchterung breit. Von den Kanten der rostroten, später graubraunen Bänder fallen irritierende Krümel herunter, der Ton klingt dumpf und die Bilder erscheinen wie aus dem Jenseits. Wer solche Antiquitäten retten will, braucht eine ruhige Hand, berichtet Dieter Kreisköther: "Man muss eigentlich mit allen Sinnen das Band wahrnehmen, es auspacken und genau inspizieren, die Rauigkeit des Wickels feststellen." Traut sich der Restaurator dann noch, versucht er, die Kostbarkeit ganz vorsichtig auf der Bandmaschine abzuspulen.

Grundsätzlich besteht ein Magnetband aus zwei verschiedenen Komponenten: einmal aus einem Trägermedium, zum anderen aus der eigentlichen magnetischen Beschichtung, die die Information trägt. Vor allem letztere bereite mitunter Sorgen und Probleme, schildert der Kölner Toningenieur. Der Träger indes sei relativ lange haltbar und garantiere die mechanische Stabilität. Andreas Weisser, Restaurator an der Fachhochschule Köln, ist ebenfalls mit solchen Problemfällen bestens vertraut: "Da kann etwa ganz normaler, profaner Schmutz auf dem Band festkleben oder sich Staub angesammelt haben. Das verursacht dann Kratzen oder Rumpeln. Diesen Staub entfernen spezielle Maschinen, die die Oberflächen der Bänder mit einem speziellen Tuch abwischen." Unter sanftem Druck drückt dabei eine Zange zwei kleine Reinigungstücher gegen das durchlaufende Band und befreit es vom Staub der Jahrzehnte. Anders als bei Vinylschätzen sind hier Reinigungsflüssigkeiten tabu, lediglich trockene Chemikalien dürfen mitunter helfen. Doch klar ist dabei immer eines: mit jedem so entfernten Magnetteilchen schwindet auch der Gehalt an analoger Information.

"Wasser zum Beispiel ist ganz gefährlich, weil es genau das ist, was Bänder auf Dauer zerstört. Hohe Luftfeuchtigkeit und eben auch flüssiges Wasser dringt in die Oberfläche ein und verbindet sich mit den Bestandteilen des Bandes und kann dort eben zu Schäden zu führen", so Weisser. Experten wie der junge Kölner erkennen auf den ersten Blick, wie es um ein Exemplar aus dem Archiv bestellt ist. Andererseits nutzten die Hersteller bereits früh ein Verfahren, um die Dauerhaftigkeit ihrer Produkte zu erproben: die künstliche Alterung. Hierbei werden die Bänder geradezu malträtiert, erklärt Kreisköther: "Künstliche Alterung bedeutet beispielsweise, das Band in rascher Folge Temperatur- und Feuchtezyklen auszusetzen und so eine Langzeitalterung zu simulieren." Anhand solcher Datensätze können Restauratoren auch entscheiden, welche Wiederherstellungsmethode bei welchem Band am vielversprechendsten ist. Wegen des erheblichen Aufwandes konzentrieren sich die Maßnahmen nur auf unersetzliche Bestände wie etwa seltene Musikaufnahmen, historische Originaltöne oder auch auch in die Jahre gekommene Videokunst. Abgelegt werden die geretteten Schätze zeitgemäß auf CD und DVD. Ob diese Medien aber so lange durchhalten wie die Ahnen der technischen Aufzeichnung, das ist eine andere Frage.

[Quelle: Mirko Smiljanic]

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