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Startseite@mediasresDie Frage der "Postdebatte"25.04.2017

Medienkritik in Facebook, Twitter und Co.Die Frage der "Postdebatte"

Die neue TV-Show mit Thomas Gottschalk sorgt für viel Häme. Vor allem in der Kritik: die sogenannte Postproduktion, also der Schnitt der Sendung. Im Fall von "Little Big Stars" sei dieser nicht gelungen, meint auch die Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing im DLF - doch sei nun eine andere Diskussion gefragt.

Von Michael Borgers

Thomas Gottschalk - auch wieder im Radio aktiv, als Moderator im Bayerischen Rundfunk. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Thomas Gottschalk - auch wieder im Radio aktiv, als Moderator im Bayerischen Rundfunk. (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
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Twitter wurde nur erfunden, um Fernsehen zu kommentieren. Dieser Eindruck drängt sich zumindest regelmäßig beim Blick auf die sogenannten Trends, also die am meisten diskutierten Themen in dem Kurznachrichtendienst, auf. Ob "Tatort", "Anne Will" oder "Germanys next Topmodel" - Deutsche diskutieren ihre konsumierte TV-Kost gerne mit anderen. So auch vergangenen Sonntag, als Thomas Gottschalk mit einer neuen Show Premiere feierte: mit "Little Big Stars", einer "Bühne, auf der die Kleinsten zu den Größten werden", wie der verantwortliche Sender Sat1 erklärt.

Doch auf Twitter - und auch Facebook - drehte es sich dann weniger um die Talente der vorgestellten Kinder, sondern die der Sendungsverantwortlichen. Vor allem TV-Komiker und -Kritiker Oliver Kalkofe arbeitete sich ausführlich an "Little Big Stars" ab. Er beanstandete "eingespielte Lacher" und "Soundschnitt", sprach von "grauenhaftem Fernsehen", bei dem sich "nichts real" anfühle.

Auch Gottschalk selbst nahm sich der Kritik an der Produktion an. Am Tag nach der Ausstrahlung schrieb er auf Twitter: "Früher waren meine Anzüge schlecht geschnitten, jetzt sind meine Shows schlecht geschnitten".

Für den 66-Jährigen ist es die zweite schmerzhafte Erfahrung mit dem Thema Postproduktion: Vor knapp fünf Jahren trat er bereits als Juror in der RTL-Show "Das Supertalent" auf. Szenen, die einen Streit zwischen ihm und den Gastgeber der Show, Dieter Bohlen, zeigten (ebenfalls in der ersten Folge) wurden von den Produzenten herausgeschnitten. Später kritisierte Gottschalk, die Show sei keine Show gewesen, sondern nachher im Schnitt montiert worden.

Darauf angesprochen, erwiderte er nun in einem Interview - wenige Tage vor der "Little Big Stars"-Premiere - im Online-Medienmagazin "DWDL.de", diesmal könne man ihn nicht rausschneiden. Und erklärte: "Ich musste mich in der neuen Welt des Fernsehens erst mal zurecht finden." Bei ihm sei "immer alles live" gewesen. Heute werde viel mehr gestaltet. "Standing ovations, weinendes Studiopublikum und schluchzende Geigen als Hintergrundmusik. Sonst merkt der Zuschauer zuhause eventuell gar nicht, dass er jetzt heulen soll", so Gottschalk.

Ein Fall für den Digital-Rat?

Die Postproduktion könne Sinn machen, um bestimmte Szenen "in den Vordergrund zu bringen", betont Marlis Prinzing, Professorin für Journalistik an der Macromedia Hochschule in Köln, . Doch wenn man es mit dem Schnitt übertreibe, könne es so werden wie bei Gottschalk und "Little Big Kids" jetzt. "Das ist nicht gelungen."

Eine weitere Beobachtung der Medienwissenschaftlerin: Die Kritik in sozialen Netzwerken sei zum Teil übertrieben harsch gewesen. Publikum und auch Experten seien gefragt, sich dort eine andere Diskurskultur anzueignen. Dabei helfen könne ein "Digital-Rat" ähnlich des Presse-Rates. Dieser Digial-Rat könne sich als "Selbstregulierungsorgan zum Beispiel mit Grenzziehungen zwischen Öffentlich und Privat befassen, auch Expertenstelle sein für Beschwerden an die Plattformen und vor allem eine ständige Anlaufstelle für Fragen, bezogen auf die digitale Mediengesellschaft", so forderte es Prinzing jüngst bereits in einem Beitrag für die österreichische Tageszeitung "Der Standard".

Gottschalks eigene "Pointe" dagegen, der Tweet über Schnitt und Anzüge, sei gelungen gewesen, findet Prinzing. "Mann muss mit dem Scheitern umgehen können und schauen, was schlecht lief."

Hören Sie mit Marlis Prinzing nach.

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