KI-Suchmaschinen und Soziale Medien
Medienstaatsminister Weimer befürchtet Pleitewelle bei privaten Medien

Medienstaatsminister Weimer rechnet damit, dass in den nächsten Jahren viele private Medienanbieter aus betriebswirtschaftlichen Gründen aufgeben müssen. Schuld daran seien die großen Internet-Plattformen, die den Medienunternehmen das gesamte journalistische Fundament genommen hätten.

    Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos).
    Kultur- und Medienstaatsminister Weimer (Archivfoto) (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
    Weimer sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur KNA, man werde eine Pleite-Serie bei lokalen Rundfunkanstalten, Zeitungen, Magazinen und Fernsehanbietern erleben. Es treffe die gesamte Bandbreite der Medien und verändere auch die demokratische Substanz in Deutschland.

    KI sorgt für weniger Werbeaufrufe bei Medienanbietern

    Medienwissenschaftler sehen es seit längerem als problematisch an, dass KI-Suchmaschinen journalistische Quellen auswerten und die dort gefundenen Informationen direkt innerhalb ihrer Systeme weitergeben. Nutzer werden - anders als bisher - nicht mehr auf die Internetseiten der Medienanbieter weitergeleitet. Die Medienanbieter verdienen in der Regel aber nur dann Geld, wenn Nutzer ihre Internetseiten besuchen und die dort platzierte Werbung angezeigt bekommen.
    Medienstaatsminister Weimer sagte weiter, die Politik müsse endlich die richtigen ordnungspolitischen Fragen stellen und an die "Quasi-Monopole und die Macht der Big-Tech-Unternehmen" herangehen. Eine direkte Presse- oder Journalismusförderung des Staates schließt der parteilose Weimer trotzdem weiter aus. Man habe in Deutschland mit dem öffentlich-rechtlichen System eine Zwischenform gefunden, die auch funktioniere.

    KI-Nachrichten sollen unter Medienrecht fallen

    Möglicherweise können KI-Anbieter Online-Artikel von Medien bald nicht mehr so auswerten und nutzen wie bisher. Die Medienaufsicht ZAK ist der Ansicht, dass Nachrichtenüberblicke, die von Künstlicher Intelligenz generiert werden, in Deutschland unter das Medienrecht fallen. Zu dieser Einschätzung kommt ein Rechtsgutachten der Medienaufsicht. Die Medienanstalten Hamburg-Schleswig Holstein und Berlin-Brandenburg hatten ein Verfahren gegen Google und Perplexity angestrebt, um dies feststellen zu lassen.

    "Medienrecht konsequent anwenden"

    Der Vorsitzende der Medienaufsicht, Schmiege, erklärte, man werde ab sofort deutsches Medienrecht konsequent auf KI-Suchmaschinen und KI-Chatbots anwenden. Wer über die Auswahl und Platzierung von Links die Auffindbarkeit von Inhalten steuere, müsse dies transparent machen - sonst verschwinde die Vielfalt journalistisch-redaktioneller Medien. Die Anbieter der KI-Angebote können gegen die Einstufung der Medienaufsicht noch Rechtsmittel einlegen.
    Diese Nachricht wurde am 14.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.