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StartseiteHintergrundMedizin gegen die Vogelgrippe23.02.2006

Medizin gegen die Vogelgrippe

Wie der Staat Mensch und Tier schützen will

Fast immer, wenn es Winter wird, geht es turbulent in seiner Praxis zu: Ob harmlose Infekte oder auch die gefährliche Virusgrippe - in den vergangenen Jahren sorgten sie stets für ein überfülltes Wartezimmer. Diesmal allerdings ist eine Grippewelle beim Menschen ausgeblieben, betont der Berliner Allgemeinmediziner Peter Karsten. Auch der jetzige Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland sei für die meisten seiner Patienten kein Grund zur Beunruhigung - anders als im Herbst vergangenen Jahres. Damals, als das Virus H5N1 zum ersten Mal in Europa auftauchte, da ließen sich ungewöhnlich viele Menschen gegen die normale Grippe impfen, so Peter Karsten.

Von Katja Bigalke und Ilka Münchenberg

Tote Vögel liegen auf einem Labortisch des Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) in Berlin. (AP)
Tote Vögel liegen auf einem Labortisch des Institut für Lebensmittel, Arzneimittel und Tierseuchen (ILAT) in Berlin. (AP)
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" Bei den ersten Meldungen im Herbst war hier richtig ein Massenansturm auf Impfstoffe. Da gab es Engpässe, wo man fast im sportlichen Wettkampf mit anderen Ärzten die ganzen Apotheken leer kaufen musste. Im Moment ist da noch nicht so viel gewesen. "

Immer wieder betonen Experten und Politiker: Zur Sorge bestehe kein Anlass. Die Vogelgrippe sei noch immer nur eine Tierseuche. Für Menschen werde sie bloß dann zu einer Gefahr, wenn die auf engstem Raum mit Geflügel zusammenleben, so, wie das beispielsweise in Südostasien häufig der Fall ist.

Eine globale Seuche, eine Pandemie, droht also nur dann, wenn das Virus sich an menschliche Körperzellen anpassen sollte, durch eine schrittweise Veränderung, oder wenn sich das Erbmaterial vermischt: das von der Vogelgrippe mit den Grippeviren der Menschen. Dann wäre ein neues Supervirus geboren. Die Patienten sind im Allgemeinen gut informiert, stellt auch der Berliner HNO-Arzt Hartwig Holst fest:

" Es gibt einige Patienten, die etwas in Sorge sind. Die kann man mit einem kurzen Gespräch und gezielter Aufklärung, denke ich, beruhigen. "

Beruhigen - das will auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Eine Sondersitzung mit ihren Kollegen aus den Bundesländern am heutigen Nachmittag sollte deshalb für mehr Klarheit sorgen: Denn seit Wochen kritisieren die Ministerin und das Robert-Koch-Institut als oberste Gesundheitsbehörde, dass die Vorräte an Medikamenten, die Viren hemmen, in vielen Bundesländern überhaupt nicht ausreichen: im Schnitt für zehn Prozent der Bevölkerung - in einigen Bundesländern für mehr, in anderen für weniger... Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts:

" Es heißt einfach: im Eventualfall eine unzureichende Versorgung. Es ist fraglich, ob dann ein länderübergreifender Austausch erfolgte, sollte wirklich eine Epidemie auftreten. Im Falle einer weiten Verbreitung des Virus in Deutschland würden sicher die einzelnen Länder an die Eigenversorgung denken oder denken müssen. "

Im so genannten Pandemieplan von Bund und Ländern ist vorgesehen, virenhemmende Medikamente für 20 Prozent der Bevölkerung vorzuhalten. So könnten das medizinische Personal und Ordnungskräfte ausreichend versorgt werden. Aber auch besonders gefährdete Menschen - etwa Ältere, Kleinkinder und chronisch Kranke. Noch einmal Reinhard Burger vom Robert-Koch-Institut:

" Da liegen Modellrechnungen zugrunde. Und das ist die einhellige Meinung der führenden Fachleute letztlich auf diesem Gebiet. Insofern wäre es sehr wünschenswert, wenn die Länder sich auch wirklich an dieser Grenze orientieren. Ich glaube, mittlerweile ist auch das Bedürfnis, hier nachzuholen, bei den Ländern, die weniger Bevorratung haben, deutlicher geworden - nicht zuletzt durch die Ereignisse der letzten Tage, der infizierten Vögel auf Rügen. "

In Mecklenburg-Vorpommern, wo mehr als 150 infizierte Wildvögel entdeckt wurden, reichen die Vorräte an Medikamenten derzeit nur für rund 6 Prozent der Bevölkerung. In Sachsen-Anhalt gilt das für nur gut 5 Prozent.

Andere Länder haben bereits Medikamente nachbestellt. Nordrhein-Westfalen und Hessen wollen ihre Vorräte auf 30 Prozent erhöhen, Bayern und Sachsen auf 20 Prozent aufstocken. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt zeigt sich zufrieden über diese Ankündigungen.

Das Land Berlin geht davon aus, rund 8 Prozent der Bevölkerung im Notfall versorgen zu können:

" Die Tatsache, dass wir weniger beschafft haben, ist nicht das Ergebnis finanzieller Erwägungen, sondern das Ergebnis erheblicher fachlicher Zweifel an dem Nutzen, den Tamiflu erbringen kann. "

Erklärt Hermann Schulte-Sasse, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Er hat selbst lange als Arzt praktiziert und begründet seine Skepsis:

" Weil dieses Mittel in den klinischen Studien bislang nicht den Nachweis antreten konnte, dass es tatsächlich die erhebliche Mortalität, die in jedem Winter im Rahmen der Grippeepidemie auftritt, senken kann. Wir haben ja um die 10.000 Grippe-Tote jedes Jahr in Deutschland zu beklagen. Würde dieses Mittel dort einen guten Nutzen erbringen können, müsste man dies in den klinischen Studien sehen, hat man aber bisher nicht gesehen. Das einzige, was dieses Mittel macht, ist eine minimale Verkürzung der Krankheitsdauer, von der die Therapieexperten nicht überzeugt sind, dass sie für die Patienten wirklich von Relevanz ist. "

Auch Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, kennt die Nachteile des derzeit weltweit gehandelten Medikaments. Doch seiner Meinung nach gibt es keine Alternative:

" Man muss nur klar sagen, das ist das einzige Medikament, das derzeit verfügbar ist. Mittelfristig kann nur eine Impfung, wenn mal ein Impfstoff da ist, Abhilfe bringen. Das ist aber das einzige Werkzeug, das man beim ersten Auftreten eines neuen Virus verfügbar hat. Mehr gibt es nicht. Man muss sich darüber klar sein, das sind Beschränkungen. Aber eine Verkürzung der Krankheitszeit, ein geringerer Schweregrad der Erkrankung, das verhindert natürlich auch Komplikationen, und es verhindert natürlich auch die Ansteckung. "

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat angekündigt, die weltweite Produktion von Tamiflu auszuweiten. Die Zahl der Einheiten mit denen behandelt werden kann, soll von zuletzt 55 Millionen pro Jahr auf mehr als 300 Millionen bis Ende 2006 steigen. Insofern ist aber auch klar: Die Aufstockung der Bestände, wie jetzt von den Ländern in Aussicht gestellt, braucht ihre Zeit. Der Berliner Staatssekretär Hermann Schulte-Sasse zeigt sich somit eher skeptisch:

" Der Markt ist leergefegt. Eine Entscheidung heute wird mit aller Wahrscheinlichkeit nicht in diesem Jahr realisiert werden können, sondern erst im Laufe des nächsten Jahres, so dass man eigentlich auch vor diesem Hintergrund feststellen muss, dass es schon eine von der Sache her kaum nachvollziehbare Situation ist, dass man sich so auf das Thema Tamiflu konzentriert. "

Doch viel mehr Möglichkeiten hat die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die virenhemmenden Grippemittel sollen ohnehin vor allem die Zeit überbrücken, bis ein wirksamer Impfstoff gegen das Virus gefunden ist. Allein die Produktion eines Prototyps nimmt mindestens drei Monate in Anspruch. Heinz Zeichhardt, Professor für Virologie am Campus Benjamin Franklin der Berliner Charité, plädiert daher dafür, sich vorsorglich mit dem bekannten und bewährten menschlichen Grippe-Impfstoff versorgen zu lassen:

" Denn wir wollen auf jeden Fall eine Grundimmunisierung in der Bevölkerung haben. Wir möchten auf jeden Fall verhindern, dass ein Mensch, der sich zufällig gleichzeitig infiziert mit einem menschlichen Influenza-Virus und einem tierischen aviären Influenza-Virus, dass sich in diesem Menschen neue Virus-Varianten durch Austausch der Genomabschnitte bilden und sich damit unvorhergesehene, bisher noch nicht bekannte hochvirulente Viren zustande kommen. "

Sollte die Pandemie ausbrechen, beginnt gleichzeitig der Wettlauf mit der Zeit. Derzeit reichen die Kapazitäten, um Impfstoff herzustellen, gerade einmal für die normalen Grippewellen aus. Die Konsequenz: Die Impfstoffe müssten rationalisiert werden. Insofern seien die Produzenten in der Pflicht, sagt Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts:

" Hier sind große Bestrebungen, die Kapazitäten zu erweitern. Die hängen natürlich auch an der Intensität der Nutzung des normalen Impfstoffes. Wenn viel geimpft wird, haben die Hersteller auch größere Kapazitäten. In einem Impfstoff gegen ein Pandemievirus ist ja auch nur das eine Pandemievirus vorhanden, nicht, wie beim normalen Impfstoff, drei Viren. Insofern gibt es letztlich mehr Impfstoffdosen. "

Um alle Einwohner Deutschlands komplett zu schützen, wären mehr als 160 Millionen Einheiten an Impfstoffen notwendig. Denn jeder Bürger muss zweimal geimpft werden, damit das Mittel sicher wirkt. Derzeit verhandelt die Bundesregierung mit zwei Arzneimittelunternehmen. Bei einer Pandemie sollen die beiden Firmen den Impfstoff gegen das neue Virus herstellen. Dafür hat die Bundesregierung 20 Millionen Euro zugesagt.

Trotz all dieser Szenarien für den Ernstfall: Selbst wenn das Vogelgrippe-Virus tatsächlich eines Tages mutieren sollte, ist längst nicht automatisch sicher, dass dies gefährlich für den Menschen wäre. Möglicherweise könnte es ihn zwar anstecken, aber dabei dennoch seine Gefährlichkeit verlieren - schätzt etwa der Virologe Heinz Zeichhardt von der Berliner Charité:

" Wir wissen, dass es sehr häufig der Fall ist, dass neue Mutanten auftreten, die aber gar nicht überlebensfähig sind. Ich denke, das ist auch unser Glück. Wir hätten es sonst, unabhängig von den Influenzaviren, in der Infektiologie mit anderen Krankheitserregern sowieso mit viel mehr gefährlichen neu auftretenden oder wieder auftretenden Krankheitserregern zu tun, als wir es ohnehin schon haben. "

Unmittelbar bedroht vom gefährlichen Vogelgrippe-Virus ist derzeit also nicht der Mensch, sondern das Tier.

Genauer gesagt: Hühner, Enten und Puten - das so genannte Hausgeflügel. "Die Gefahr sei sehr groß, dass das Virus in Nutztierbestände eingeschleppt wird", so Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus Anfang dieser Woche.

Am Mittwoch war es dann in einem Tierheim nahe der steirischen Landeshauptstadt Graz so weit. Dort stellten Tierärzte bei sechs Hühnern und Enten das Seuchenvirus fest. Heute sorgte der erste Verdachtsfall bei Hausgeflügel in Deutschland für Aufregung.

Auf diesen Ernstfall bereiten sich längst alle vor. Doch was ist die richtige Strategie, um die Seuche zu bekämpfen? Massenimpfung wie in Asien? Oder Stallpflicht und Keulung? Die verantwortlichen Politiker in Deutschland haben dazu eine klare Haltung. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer:

" Wenn Sie heute mit den gängigen Impfstoffen impfen, dass ein Tier sehr wohl das Virus tragen kann, aber nicht erkrankt und das Virus weitergibt, d.h.: Mit einer Impfung nach heutigen Methoden maskieren Sie die Krankheit. "

Seehofer wusste in diesem Punkt seine europäischen Amtskollegen bislang hinter sich. In der EU galt die Strategie, Impfungen nur mit Sondergenehmigung zuzulassen. Ansonsten mussten infizierte Tiere getötet werden. Ein geimpftes Tier lässt sich derzeit von einem kranken nicht unterscheiden. Beide tragen dieselben Antikörper. Um das Übergreifen der Vogelgrippe auf Nutztiere zu verhindern, werden vorbeugende Schutzmaßnahmen getroffen: etwa Geflügelmärkte verboten oder verstärkt Desinfektionsregeln erlassen. Wissenschaftlichen Rückhalt bekommen die Befürworter dieser Anti-Impfungs-Strategie vom Bundesforschungsinstut für Tiergesundheit. Hier wird zwar gerade an einem neuen Impfstoff geforscht. Aber der sei noch nicht einsetzbar, so Institutspräsident Thomas Mettenleiter:

" Der Marker-Impfstoff, der sich in der Entwicklung befindet, ist weit von der Zulassung entfernt. Generell zur Impfung: Es ist völlig unbestritten, dass eine Impfung nicht vor Infektion schützt und dass ein geimpftes Tier den Virus vermehrt und wieder ausscheiden kann. Das ist weniger, aber das kann immer noch passieren - wenn ich impfe, muss ich immer noch überprüfen, ob eine Infektion dazugekommen ist. "

Impfungen seien erst dann sinnvoll, wenn aus lokalen Ereignissen ein unkontrollierbarer Flächenbrand geworden ist, meint auch Mohamed Hafez. Er leitet das Berliner Universitätsinstitut für Geflügelkrankheiten. Dass China und Vietnam ihre Tiere impfen würden, läge an einer vollkommen anderen Situation dort.

" Die Leute, die große Erfahrung damit haben, sind in Hongkong. Sie haben dort massive Probleme mit H5N1. Sie haben erst mal alles Federvieh getötet, und bevor die anfangen neu einzusteigen, haben sie die Tiere geimpft. In China wird in verschiedenen Gebieten noch geimpft, in Vietnam startet eine ganz große Kampagne, weil die überhaupt nicht damit zurecht gekommen sind. Aber man sollte diese Länder nicht mit Europa vergleichen - wo dort die Menschen und Tiere zusammenleben und die hygienischen Umstände miserabel sind. Also, es wird zum Teil funktionieren. Aber in Europa sind, glaube ich, die hygienischen Maßnahmen immer noch ausreichend. "

In Hafez’ Labors stapeln sich Eier von unterschiedlichsten Vögeln, alle in Kartons verpackt - quasi keimfrei. Um festzustellen, ob ein Tier an der Vogelgrippe erkrankt ist, wird diesen Eiern das Gewebe eines verdächtigen Vogels injiziert - nach ein paar Bruttagen. Entwickelt sich der Hühnerembryo normal, kann man eine Krankheit ausschließen.
Hafez holt zwei verschiedene Eier aus dem Brüter, durchleuchtet sie mit einer Lampe:

" Hier sieht man dann den kleinen Embryo. Der ist jetzt ungefähr sechs Tage alt: - da die Blutgefäße und der kleine schwarze Punkt ... "

Auf diese Weise wird auch der Virus H5N1 isoliert und Impfstoff hergestellt. Hafez züchtet die Grippestämme in den keimfreien Eiern heran. Aber genau das sei ein großes Problem bei einer flächendeckenden Impfung. Wo bekäme man dann die keimfreien Eier her?

" Die Gefahr von so einer Impfung ist, dass geimpfte Tiere, die sich mit einem Feldvirus infizieren und die keine Symptome zeigen, wenn die zusammenkommen mit nichtgeimpften Tieren, dann geht der über auf die, und dann haben wir ein Problem."

Momentan kann man gegen das H5N1 Virus mit einem H5N2/N3 Virus impfen. Das Erkennungsverfahren ist aber sehr kompliziert. Nur wenige Labore sind dazu in der Lage. Hafez plädiert deshalb für Keulung in der Schutzzone und ein bisschen Geduld. Impfen hält er nur im äußersten Notfall für richtig.

" Wenn die Seuche sich aber so schnell ausbreitet, dass man mit Ausmerzen und Keulung nicht weiterkommt, muss man an die Impfung unter Umständen denken. "

Langfristig, meint Hafez, könne aber nur ein Marker-Impfstoff weiterhelfen. Der ist praktischer und eben erkennbar.

" Wenn wir von den rekombinanten Impfstoffen sprechen, von lebenden Impfstoffen, die kann man unter Umständen per Spray verabreichen oder über das Trinkwasser, und das wäre ein großer Vorteil, dass man eine Menge Tiere in kürzester Zeit impfen kann. "

Wer dennoch impft statt keult, sagt Hafez, muss sich darauf einstellen, langfristig mit der Seuche zu leben. Dann gehe es nicht mehr um die Ausrottung des Virus.

Doch die Massenschlachtung war schon bei der letzten europäischen Geflügelpest 2003 höchst umstritten. Damals wurden in den Niederlanden millionenfach Hühner getötet. Die Lage ist damit zwar beherrscht worden, doch waren die wirtschaftlichen Schäden enorm. Und auch die Tierschützer gingen auf die Barrikaden. Gerd Sonnleitner vom Deutschen Bauernverband kritisiert deshalb diese einseitige Strategie.

" Wir haben schon vor fünf Jahren bei Tierseuchen begonnen politisch zu fordern: Impfen statt Töten! Bei dieser Linie bleiben wir. Es muss aber gewährleistet werden, dass die Impfung keine Gefahr für Menschen und Tier darstellt. "

Politische Unterstützung bekommen die Bauern von ungewohnter Seite. Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg hat sich jetzt dafür ausgesprochen, das Impfverbot für Nutztiere auch in Deutschland zu lockern.

Der Riss zwischen Impfgegnern und Impfbefürwortern geht mitten durch Europa. Seit Mittwoch darf ein Teil des Geflügels in Frankreich und den Niederlanden gegen Vogelgrippe geimpft werden - wenn auch unter strengen Auflagen. Geimpfte Tiere sind von nicht geimpften zu trennen. Einmal geimpft, unterliegen sie strengen Transportbeschränkungen.

Der Ausschuss der Veterinärbeamten aus den EU-Mitgliedsstaaten hat das Vorhaben gebilligt - obwohl nicht nur Tiermediziner aus Deutschland, sondern auch aus Belgien, Portugal und Griechenland Bedenken äußerten. Gerd Sonnleitner vom deutschen Bauernverband fordert dringend Aufklärung:

" Mir wäre es lieber gewesen, dass man eine Impfstrategie schon vorher festgelegt hätte und nicht während des Seuchenzuges. "

Im Berliner Zoo hat man sich gegen die Impfung entschieden. Obwohl man auch hier nicht alle Tiere in geschlossene Räume sperren kann. Trotz der Freiluftgefahr setzt der Zoo lieber auf verschärfte Hygiene. Andreas Ochs, Veterinär im Zoologischen Garten Berlin:

" Im Zoo ist es eben auch deswegen besonders schwierig, weil die Impfung bedeutet, dass man alle Tiere, die gefährdet sind, möglichst zeitgleich impft. Das ist schon mal schwierig - aus den Gründen auch wie beim Einfangen, dass man nicht sofort an alle drankommt. Dann ist es ja mit einer Impfung nicht getan. Es muss nachgeimpft werden innerhalb von vier Wochen, und dann hält der Schutz nur 6 Monate. Die Vögel dann nochmal alle zu bekommen, ist so gut wie ausgeschlossen.. "

Von den 2800 Vögeln sind im Berliner Zoo nun 400 Tiere in Ställen untergebracht: der Singschwan zum Beispiel und die Witwenpfeifgans. Laufvögel wie Nandus und Emus lassen sich weniger gerne einsperren. Sie genießen ihre Freiheit momentan noch mit einer Ausnahmegenehmigung.

Vögel zwitschern in den Bäumen. Alles scheint wie immer. Die politische Debatte um die Frage "Impfen ja oder nein?" wühlt hier keine Gemüter auf. Ochs wartet auf eine Lösung, die Debatten überflüssig macht. Das allerdings kann - juristisch betrachtet - noch gut zwei Jahre dauern.

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