
Die Hochschule setzt dabei auf ein aufwendiges Interview-Verfahren. Sie hat die Zahl der Studienplätze, die so vergeben werden, für das kommende Wintersemester nahezu verdoppelt auf 85.
In dem Interview-Verfahren werden naturwissenschaftliche Vorerfahrungen, aber auch soziales Engagement und Berufspraxis als Kriterien neben der Abiturnote berücksichtigt. Abiturnoten von 1,0 bis 1,5 werden für die Auswahl zum Interview gleich bewertet. Über die anderen Kriterien können Bewerber ihre Chancen verbessern. "Wenn man jetzt alle Hebel zieht hier bei uns, dann kann man bis zum Abitur von 2,4 zum Interview eingeladen werden", erklärt der Direktor der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin in Greifswald, Hahnenkamp. Das "Centrum für Hochschulentwicklung" mit Sitz in Gütersloh erklärte zum Vorgehen der Greifswalder, es sei in der Form einzigartig, dass eine Hochschule so viele Plätze über ein solches Verfahren vergebe.
Viele Nachwuchsärzte frühzeitig überlastet
Natürlich sei ein Medizinstudium kognitiv anspruchsvoll und die schulischen Leistungen daher nicht gänzlich unerheblich, betonte Klinikdirektor Hahnenkamp. Die Abiturnote sage aber relativ wenig darüber aus, "wer gut als Arzt funktioniert und im System bleibt". Viele Nachwuchsärzte seien heutzutage frühzeitig überlastet oder stellten fest, dass ihre Work-Life-Balance nicht stimme. "Das Resultat ist dann häufig genug, dass die ihre Stellen reduzieren." Das trage dazu bei, dass Personal fehle.
Bewerbungsphase endet am 15. Januar
Die Bewerbungsphase für die zentrale Vergabe von Medizinstudienplätzen endet am 15. Januar. Bewerbungen zum Greifswalder Interviewverfahren für das kommende Wintersemester können bis einschließlich 31. Januar eingereicht werden.
Um einen Medizinstudienplatz kann man sich in Deutschland über ein zentral organisiertes Verfahren bewerben, wobei hierbei grundsätzlich die Abiturbesten die größten Chancen haben. Über dieses Verfahren werden 30 Prozent der Studienplätze je Hochschule vergeben. Weitere 10 Prozent werden unabhängig von Schulnoten vergeben, etwa auf Grundlage von Tests und vorheriger Berufserfahrung. 60 Prozent der Studienplätze vergeben die Hochschulen innerhalb eines vorgegebenen Rahmens nach eigenen Kriterien. Und hier setzt die Greifswalder Universität eben auf das Interview-Verfahren.
Diese Nachricht wurde am 05.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
