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Startseite@mediasresMan wundert sich über ein so antiquiertes Frauenbild14.01.2020

Meghan-Berichterstattung im BoulevardMan wundert sich über ein so antiquiertes Frauenbild

Die Fülle der Berichterstattung über den "Megxit", also die Entscheidung von Prinz Harry und Herzogin Meghan, die königliche Familie zu verlassen, sei nicht anstößig, kommentiert Friedbert Meurer. Die mediale Jagd auf die Herzogin hingegen sehr wohl. Doch das royale Paar profitiere auch von dem Hype.

Von Friedbert Meurer

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Der britische Prinz Harry und Herzogin Meghan verlassen Hand in Hand und lächelnd das Canada House in London (picture alliance / AP Images / Frank Augstein)
Der Exit eines englischen Prinzen und seiner US-amerikanischen Frau spalte das Land entlang der gleichen Linien wie der Brexit, kommentiert Friedbert Meurer (picture alliance / AP Images / Frank Augstein)
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Der "Megxit" dominiert seit Tagen die Berichterstattung in den britischen Blättern, wogegen nichts einzuwenden ist. Es geht immerhin um die Zukunft der britischen Monarchie. Ohne Prinz Harry und Meghan würde sie Gefahr laufen, vorgestrig und bieder zu wirken. Und der Exit eines englischen Prinzen und seiner US-amerikanischen Frau spaltet das Land entlang der gleichen Linien wie der Brexit – zwischen Jung und Alt, Liberal und Konservativ.

Die Fülle der Berichterstattung ist also nicht anstößig, wohl aber die Jagd auf die Person, deren Namen Patin stand für die Wortschöpfung vom Megxit. Meghan Markle ist an allem schuld, heißt es ohne Unterlass. Im privaten Fernsehsender ITV darf Starmoderator Piers Morgan eine Salve nach der anderen gegen sie abfeuern. Sie kappe alle Beziehungen, zu ihrem Vater, zu ihrer eigenen Familie, zu alten Freunden und jetzt zur "Royal Family", zur königlichen Familie.

Man wundert sich dann doch über ein so ausgesprochen antiquiertes Frauenbild. Eine Frau darf sich zwar einen Prinzen angeln, aber dann muss sie brav die Kinder zur Schule fahren und in die Kirche gehen. Meghan aber fordert und fordert, "What Meghan wants, Meghan gets!" Dass hier ein Paar gemeinsam entscheidet, spielt kaum eine Rolle.

Meghan wird wegen ihrer Herkunft angefeindet

Tobt sich in den Medien auch Rassismus aus? Frauen schwarzer Hautfarbe in Großbritannien zögern nicht eine Sekunde, das zu unterstellen. Sie erleben ihn selbst im Alltag. Aber der Rassismus gegen Meghan Markle findet weit eher in den sozialen Medien statt. Ein Comedian der BBC hat Archie, den kleinen Sohn, mit einem Schimpansen verglichen. Das war ein schlimmer Ausrutscher.

Eher wird Meghan Markle angefeindet, weil sie eine Amerikanerin ist und damit eine Wiedergängerin von Wallis Simpson, der Ehefrau Edwards VIII. Die britischen Zeitungen schüren den Groll, dass Meghan Markle sich in Kanada und den USA wohler fühlt als in den schottischen Highlands oder in verregneten englischen Seebädern. Sie ist halt eine "spoiled brat", schimpft Piers Morgan, eine verzogene Göre.

Medien haben klare gesellschaftliche Aufgabe

Vom Hype um den Megxit profitiert die Branche. Aber auch die Royals selbst sind Nutznießer des Medienhypes, weil er ihnen Resonanz verschafft. Aber Harry und Meghan wollen nicht mehr mit der "Royal Rota" zusammenarbeiten, den etablierten und sich bei Terminen abwechselnden Journalisten der Mainstream-Medien. Lieber wollen sie sich ohne Umwege direkt über die sozialen Medien "unverfälscht" an ihre Fans wenden. Sehr böse gesagt erinnert das fast ein wenig an die Medienstrategie eines Donald Trump.

Wenn die Presse den gehässigen Unterton wegließe, hätte sie auch hier eine klare gesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen. Sie muss zum Beispiel darauf blicken, ob der Megxit wirklich ein weltweit wohltätiges Phänomen wird wie einst Dianas Kampf gegen die Landminen, oder ob das königliche Paar die Monarchie dabei zur Trademark degradiert und die beiden als Spielzeug von Medienbossen und Milliardären enden. Gerade für eine seriöse Presse wird es weiter über die Royals genügend zu berichten geben.

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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