
Der Verein gegen Missbrauch teilte mit, dass das Bundeslagebild vor allem das tatsächliche Ausmaß der sexuellen Gewalt, der Jugendliche im Netz täglich ausgesetzt seien, nicht ansatzweise abbilden könne. Der Bundesgeschäftsführer des Kinderschutzbundes, Grein, betonte im Deutschlandfunk,
der Gesellschaft werde immer klarer, dass es ein weit verbreitetes Phänomen von sexuellem Missbrauch in Familien gebe
. Die Taten, egal ob im digitalen oder analogen Bereich, fußten immer auf dem Vertrauensaufbau der Täter zu ihren Opfern. Auch die Leiterin des Vereins N.I.N.A., von Bodelschwingh, sagte im ZDF, sexualisierte Gewalt gegen Kinder habe viel mit Machtausübung, Manipulation und Abhängigkeiten zu tun. Tatpersonen hätten es deutlich leichter, wenn sie die Kinder und Jugendlichen gut kennten. Fremdtäter seien vergleichsweise selten und eher im digitalen Umfeld zu finden.
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder galt lange in Deutschland als tabuisiert. Inzwischen spielt die dramatische Problematik in Politik und Behörden eine größere Rolle. Die Entwicklungen werden vom Bundeskriminalamt in gesonderten Bundeslagebildern ausgewertet. Das neueste wurde gestern von Innenminister Dobrindt, CSU, vorgestellt, unter dem Titel "Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen". Demnach sind die registrierten Fallzahlen erneut gestiegen, vor allem durch eine starke Zunahme digitaler Straftaten. Auch das BKA geht von einem großen Dunkelfeld aus.
Diese Nachricht wurde am 22.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
