Freitag, 03. Dezember 2021

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Mehr Freiheit nach dem Punkt

Internetadressen enden in Deutschland meist auf Kürzel wie .de oder .com, doch hinter dem Punkt tut sich nun was. Ab sofort können sich Firmen und Organisationen um die Verwaltung neuer sogenannter Top-Level-Domains bewerben.

Philip Banse im Gespräch mit Benjamin Hammer | 12.01.2012

Benjamin Hammer: dradio.de, ZDF.de oder polizei.de - allein auf die deutsche Endung sind im Internet mittlerweile rund 15 Millionen Adressen registriert. Und das Netz wächst weiter. Was also tun, wenn die Wunschdomain bereits vergeben ist? Oder man sich als Handwerker eine Internetadresse mit einem einschlägigen Namen zulegen will?

Ab heute kommt Bewegung in diese Fragen, denn in Zukunft enden Internetadressen nicht nur mit .com, .es oder .de - theoretisch ist vieles möglich, etwa friseur.berlin oder skiurlaub.reise. Neue Top-Level-Domains - für die kann man sich ab heute bewerben.

Philip Banse in Berlin, was verbirgt sich hinter diesen Internet-Adressen?

Philip Banse: Es geht um neue Endungen nach dem Punkt bei Internetadressen, es geht um die so genannten Top-Level-Domains, bei dradio.de ist .de die Top-Level-Domain. Aber auch .com, .net, .org, .info,. eu - alles Top-Level-Domains. Ab heute können sich Firmen und Organisationen um neue Top-Level-Domains bewerben. Und da ist fast alles erlaubt: .berlin, .hamburg, .deutschlandradio, .vw., .meier oder .schulze. In etwa einem Jahr wird es dann nicht nur Internet-Adressen geben wie dradio.de oder newyorktimes.com, sondern schlachter.berlin oder verkauf.vw oder bürgermeister.hamburg.

Hammer: Das klingt erst einmal gut und nach einer neuen Vielfalt im Internet. Kann ich als Verbraucher jetzt einfach eine Bewerbung abschicken, etwa für die Adresse www.hans.mueller?

Banse: Theoretisch ja, praktisch eher nicht. Das liegt auch und vor allem an der Registrierungsgebühr. Die beträgt 185.000 US Dollar, so viel verlangt die für Registrierung dieser Adressen zuständige Internetverwaltung ICANN. Denn jetzt bewirbt man sich nicht um konkrete Webadressen wie www.hans.mueller und www.schlachter.berlin, sondern nur um das Recht etwa die Domain .mueller oder .berlin verwalten zu dürfen, das heißt, Web-Adressen wie etwa hans.mueller oder schlachter.berlin verteilen und verkaufen zu dürfen.

Wenn man dieses Recht bekommt, muss man also dafür sorgen, dass die Adressen vermarktet werden und aus dem Internet auch erreichbar sind. Da ist also eine technische Infrastruktur gefordert, die soll im Fall von .berlin rund 100.- bis 200.000 Euro pro Jahr kosten. Die ab heute laufende Registrierung ist also vor allem etwas für Konzerne, die gern ihren Firmennamen hinter dem Punkt sehen wollen oder Firmen, die Internetadressen verkaufen wollen. Sie und ich werden uns solche Adressen erst etwa 2013 sichern können. Bis dahin bieten einige Domain-Verkäufer kostenlose, aber auch unverbindliche Registrierungen an, zum Beispiel für .berlin. Das Versprechen ist: Sobald Privatleute sich .berlin-Adressen sichern können, versuchen wir deine Wunschadresse zu registrieren. Aber garantieren können wir nichts.

Hammer: Unternehmen und Vereine versuchen sich die neuen Endungen jetzt also erst einmal zu sichern. Wann habe ich davon was als Verbraucher? Und was bringen mir solche Domains überhaupt?

Banse: Es gibt logistische Erwägungen, denn heute ist es kaum mehr möglich, sinnvolle Webadressen zu registrieren, einfach, weil die die guten .de-Adressen fast alle vergeben sind. Mit neuen Domains lassen sich wieder aussagekräftige Adressen registrieren. Für Firmen ist es natürlich eine Marketingsache, den Firmennamen hinter dem Punkt zu haben. Aber auch für Städte und Regionen machen eigene Top-Level-Domains Sinn.

Das Internet wird lokaler und das versucht etwa Bayern Tourismus Marketing GmbH mit der Adresse Bayern.by abzubilden. Nun ist die Endung .by die Top-Level-Domain von Weissrussland - und wird auch dort verwaltet. Tourismus.bayern wäre da in Zukunft zumindest eine Alternative.