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StartseiteForschung aktuellDie Pandemie verändert unser Essverhalten18.02.2021

Mehr Obst und GemüseDie Pandemie verändert unser Essverhalten

Die Corona-Krise hinterlässt überall ihre Spuren - auch bei der Ernährung. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurden jetzt aktuelle Analysen vorgestellt. Sie zeigen: Viele greifen verstärkt zu gesünderen Lebensmitteln.

Von Volker Mrasek

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Mann mit Schüssel frischem Salat in Küche vor dem gemeinsamen Mittagessen in einer WG (picture alliance / Zoonar / Robert Kneschke)
Gemüse und Obst sollten fünfmal am Tag auf den Teller, raten Ernährungsfachleute. (picture alliance / Zoonar / Robert Kneschke)
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In der Corona-Pandemie gibt es Ansätze für eine gesundheitsbewusstere Ernährung in Deutschland. Offenbar wird mehr Obst und Gemüse gegessen und weniger Fleisch. Das kann man aus einer Umfrage der HAW ableiten, der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Über 570 Berufstätige aus ganz Deutschland beteiligten sich daran. Die jetzt vorgestellten Daten bestätigen ganz ähnliche Ergebnisse von Göttinger Agrarökonomen. Mehr als ein Viertel der Befragten aß demnach während des Lockdowns im vergangenen Frühjahr mehr Gemüse und jeder Fünfte mehr Obst. 15 Prozent gaben an, ihren Fleischkonsum verringert zu haben.

Weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse

Sibylle Adam, Professorin für Ernährungswissenschaft an der HAW, kann über die Beweggründe nur spekulieren: "Möglicherweise hat man vielleicht ein Bewusstsein entwickelt und versucht jetzt, wenigstens zuhause mal mehr Gemüse zu essen und gleichzeitig weniger Fleisch. Ich glaube, das ist im Grundsatz ja bei vielen bekannt, dass man eben mehr Obst und Gemüse essen sollte und weniger Fleisch. Aber das haben wir so nicht abgefragt. Das kann ich tatsächlich nur annehmen."

Dass Deutschland in der Pandemie mehr Obst und Gemüse isst, zeigen auch aktuelle Zahlen der GfK, der früheren Gesellschaft für Konsumforschung. Der Sozialwissenschaftler Robert Kecskes wertet regelmäßig eine Fülle von Daten aus: "Dort berichten uns 30.000 Haushalte, was sie im Lebensmittel-Einzelhandel kaufen. Sie scannen uns ihre Einkäufe ein. Oder wenn es Frischeprodukte sind, dann müssen sie’s händig eingeben, so dass wir die faktischen Käufe messen, was sie wirklich gekauft haben. Und wenn wir auf Obst und Gemüse schauen, dann sehen wir, dass die Menschen faktisch 16 Prozent mehr für Obst und Gemüse 2020 ausgegeben haben als im Jahr 2019."

Die Vielfalt auf dem Teller ist gesunken

Die Sache könnte aber einen Haken haben. Offenbar aßen die Leute im Corona-Jahr 2020 zwar mehr Gemüse, aber dafür weniger verschiedene Sorten. Diesen Schluss zieht die Ernährungswissenschaftlerin Irmgard Jordan von der Universität Gießen aus einer Umfrage ihrer Arbeitsgruppe: Also, die Vielfalt innerhalb der Gemüsegruppen ging zurück über die Zeit." Es ist zwar eine internationale Studie. Zwei Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aber aus Deutschland. 

Ein möglicher Grund für den Verlust an Vielfalt: Schul- und Betriebskantinen schlossen in der Pandemie, sagt Irmgard Jordan: "In Schulkantinen und Kantinen gibt es gerne offene Salat-Bars. Es gibt ein ganz anderes Gemüseangebot gegebenenfalls. Es wird Gemüse angeboten, was zuhause vielleicht aufwändiger ist in der Zubereitung und damit dann auch weniger oft gewählt wird."

"Nicht nur Gurken, Tomaten und Zwiebeln"

Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt ausdrücklich eine große Vielfalt von Blatt-, Wurzel-, Kohl- und Fruchtgemüse auf dem Teller. Das sei wichtig, um gut mit verschiedenen Vitaminen und Ballaststoffen versorgt zu sein, aber auch mit Substanzen, die das Immunsystem stärkten: "Da sind wir alle gefragt, darauf zu achten, dass wir eben nicht nur Gurken, Tomate und Zwiebeln auf dem Teller haben."

Fünfmal am Tag Obst und Gemüse sind ratsam

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät dazu, fünfmal am Tag Obst oder Gemüse zu essen. Davon ist der Durchschnittsdeutsche auch in der Pandemie noch weit entfernt. Aber vielleicht lenkt ihn die Corona-Krise jetzt mehr in diese Richtung.

Nach den GfK-Daten kauften Verbraucher im vergangenen Jahr häufiger bei regionalen Anbietern und stärkten so den Fachhandel, gleichzeitig boomte der Markt für Bio-Produkte – auch das ein Hinweis auf ein bewussteres Einkaufs- und Ernährungsverhalten in der Krise. Sibylle Adam sagt, sie sei gespannt, wie es jetzt weitergeht: "Wie stark haben sich eigene innere Motivationen verändert innerhalb dieser Pandemie? Also, wie sind die eigenen Erfahrungen, die eigenen Erlebnisse mit vielleicht auch gesunder Ernährung? Das wird eine Rolle spielen, wie nachhaltig gesund ein Essverhalten bestehen bleiben kann."

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