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Mehr Schein als Sein bei Manager-Vergütung

Laut Armutsbericht der Bundesregierung besitzen zehn Prozent der Haushalte die Hälfte des gesamten deutschen Nettovermögens. In diesem Zusammenhang sorgt das hohe Gehalt von Managern immer wieder für Aufregung.

Von Brigitte Scholtes | 19.09.2012
    Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat im vergangenen Jahr fast 17,5 Millionen Euro verdient, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 10,4 Millionen Euro. Im Schnitt haben die 30 DAX-Vorstandschefs 2011 5,9 Millionen Euro an Vergütung erhalten. Dieses Thema ist immer wieder ein Aufreger, es wird in der Öffentlichkeit sehr emotional und wenig faktenorientiert diskutiert. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch und Partner, sagt Michael Kramarsch, Partner der Unternehmensberatung:

    "Die Wahrnehmung der Bevölkerung ist sicherlich durch die wenigen, aber sehr porträtierten hohen Vergütungen zustande gekommen. Ich nehme nur das Beispiel Volkswagen. Aber auf die Frage der Vergütungsobergrenze, da bejahen eine Mehrheit der Bevölkerung, dass es so was geben muss, sind aber in ihrer Meinung, wie so etwas auszugestalten ist, deutlich differenzierter."

    Denn offenbar sähen viele die Vorteile variabler leistungsorientierter Vergütung und würden diese auch für sich selbst in Anspruch nehmen. Denn sie glauben, so die Studie, dass die Unternehmen so bessere Mitarbeiter gewinnen können und sie schätzen die motivierende Wirkung. Die konkrete Situation in den Unternehmen ist aber der Bevölkerung oft gar nicht bekannt. Und das liegt auch daran, dass die Unternehmen sich da nicht sehr transparent zeigen. Sie veröffentlichen zwar Vergütungsberichte, aber da gebe es noch viel zu verbessern, moniert Kramarsch:

    "Das mag zwar alles für die technischen Experten richtig dargestellt sein. Aber für den geneigten Investor, die geneigte Öffentlichkeit sind die Vergütungsberichte nahe der Unlesbarkeit gelandet. Auf der anderen Seite lebt Transparenz aber auch davon, dass Sachverhalte über Unternehmensgrenzen hinweg vergleichbar dargestellt werden. Und da ist es Aufgabe des Regulators, zum Beispiel der Corporate Governance Kommission, Vorschriften zu erlassen, die den Unternehmen mehr Transparenz und mehr Vergleichbarkeit auferlegen."

    Eine einfache, verständliche Darstellung sei da gefordert, meint der Unternehmensberater, denn bisher kann man etwa die absolute Höhe der Vergütungen nicht aus den Berichten ablesen:

    "Wir sehen in den Vergütungsberichten immer mehr Schein und immer weniger Sein. Das ist schlicht und einfach dadurch bedingt, dass der Gesetzgeber immer mehr langfristige Vergütungselemente gefordert hat. Das haben die Unternehmen auch brav umgesetzt. Das bedeutet aber auch: Sie sehen für große Teile des Vergütungspakets quasi nur den Startwert, aber nicht mit wie viel tatsächlich aufs Konto eingezahlt der jeweilige Vorstand durchs Ziel läuft."

    Transparenz aber ist auch Sache des Aufsichtsrats. Denn er ist schließlich das Gremium, das die Vergütung für die Vorstände festlegt. Aber nicht nur der Aufsichtsrat sei gefordert, meint Kramarsch. Auch die Aktionäre sollten sich stärker engagieren. Sie haben das Recht, sich auf den Hauptversammlungen dazu zu äußern, eine kritische Auseinandersetzung aber fehlt. Eine rechtliche Verpflichtung der Anteilseigner wäre vielleicht deshalb auch ein Weg zu mehr Transparenz in der Vergütungsfrage.