
Die Amerikaner hätten das Alter und die Gebrechlichkeit Bidens mit eigenen Augen gesehen, hieß es in dem Leitartikel "New York Times". Der Auftritt bestätige Bedenken, die sich seit Monaten oder sogar Jahren aufgebaut hätten.
Bidens Konkurrent Trump sei eine ernsthafte Gefahr für diese Demokratie - das habe auch Biden immer wieder betont, hieß es. Die Verantwortung liege nun bei der Demokratischen Partei, die Interessen der Nation über die Ambitionen eines einzelnen Mannes zu stellen. Es sei noch Zeit, sich hinter einen anderen Kandidaten zu stellen. Der klarste Weg für die Demokraten, einen Kandidaten zu besiegen, der sich durch seine Lügen definiert, bestehe darin, der amerikanischen Öffentlichkeit gegenüber ehrlich zu sein: zuzugeben, dass Biden das Rennen nicht fortsetzen könne, und jemanden auszuwählen, der fähiger sei.
Die "Washington Post" forderte Biden auf, das zu tun, was viele Amerikaner an diesem Wochenende täten: Sich fragen, ob er der Aufgabe gewachsen sei. Auch der Sender CNN meinte: "Lieber Joe, es ist Zeit zu gehen." Das konservative "Wall Street Journal" kontastierte ebenfalls: Die Debatte habe gezeigt, dass der Präsident eindeutig nicht in der Lage sei, vier weitere Jahre im Amt zu bleiben.
Biden: "Plane, die Wahl zu gewinnen"
Biden hatte sich nach der Debatte kämpferisch gegeben und versichert, dass er der Aufgabe gewachsen sei. Er plane, die Wahl zu gewinnen, sagte der 81-Jährige bei einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat North Carolina. Er debattiere zwar nicht mehr so gut wie früher, wisse aber, wie man den Job des Präsidenten mache.
Biden hatte sich während der 90-minütigen Fernseh-Debatte mehrfach versprochen und Sätze nicht zuende gebracht. Seitdem wird in den USA verstärkt darüber diskutiert, ob er noch die Eignung für weitere vier Jahre im Weißen Haus besitzt oder durch einen jüngeren Kandidaten oder eine jüngere Kandidatin ersetzt werden sollte.
US-Medien: Trump gewinnt TV-Duell
Es sei schwer zu argumentieren, dass Biden Kandidat der Demokraten werden sollte, zitierte CNN einen namentlich nicht genannten Parteifunktionär. Vizepräsidentin Harris räumte ein, Biden habe in der Debatte einen holprigen Start gehabt. Sie attestierte ihm aber einen starken Schluss. Analysen von US-Medien sahen dagegen Herausforderer Trump als klaren Sieger des Fernseh-Duells.
Der offizielle Nominierungs-Parteitag der Demokraten für die Präsidentschaftswahl im November findet im August statt. Die Vorwahlen seiner Partei hatte Biden klar gewonnen. Als mögliche Ersatzkandidaten werden neben Harris auch der Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Newsom, sowie die Gouverneurin des Bundesstaats Michigan, Whitmer, gehandelt.
Diese Nachricht wurde am 30.06.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.