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Mein KlassikerCharles Schumann über die "Gymnopédien" von Erik Satie

Charles Schumann ist einer der bekanntesten Barkeeper Deutschlands. Der Grandseigneur hat mehrere Bücher geschrieben, er war Model und betreibt seit über 30 Jahren die "Schumann's Bar" in München, einen beliebten Treffpunkt der Kreativszene.

Von Andi Hörmann | 07.01.2014

Der Münchener Barkeeper Charles Schumann
Der Münchener Barkeeper Charles Schumann (picture alliance/Arno Burgi)
"Mein Name ist Charles Schumann. 'Schumann`s Bar' München. Mein Klassiker ist, bei Musik, die Gymnopedien von Satie."
"Satie selber hat gesagt, er sei kein Musiker. Und wenn man sein Leben ... Das ja sehr aufregend ... nicht aufregend, ein einziges Drama war. Er ist glaube ich in Schottland geboren, ist dann nach Paris umgezogen. Als Kind, vier Jahre alt. Die Mama ist glaube ich gestorben, dann wurde er zu den Großeltern geschickt, dann ist die Großmutter ertrunken. In Honfleur glaube ich."
"Das muss man glaube ich wissen: Er hat auch Geld als Cabaret-Musiker verdient. Ein Pianist in einem Cabaret. Dann versteht man das Stück auch ein bisschen besser. Er hat immer gesagt: Diese Musik ist eine Hintergrundmusik. Es ist keine Musik, die man bewusst hören soll. Man könnte das so verstehen, dass das einfach läuft und man nimmt es gar nicht wahr. Man hört es nicht bewusst. Und das gefällt mir so gut. Das regt mich auch nicht auf. Für mich ist es jetzt nicht unbedingt nur Hintergrundmusik."
"In der Zeit lebten berühmte Maler: Picasso, Braque. Musiker natürlich auch: Ravel war auch zu der Zeit in Paris. Da gab es immer so eine Art von Rivalität. Wobei ich vermute, Ravel hat Satie wirklich nicht als Musiker betrachtet."
"Für mich ist das eine Musik, die meiner Lebenshaltung entspricht: so einfach wie möglich. Im Grunde genommen ist es ganz einfach. Ausgebildete Musiker werden mir widersprechen. Für mich ist es wie, wenn ich von der Einfachheit in der Küche rede. Einfach ist einfach wirklich mehr."
"Ich bin jetzt kein ausgebildeter Musiker, sondern auch da eher ein Autodidakt. Und irgendwann will ja jeder mal Klavier spielen, dann habe ich angefangen, mir Unterricht geben zu lassen. Erst im etwas fortgeschrittenen Alter. Mit meinem Sohn zusammen. Nachdem ich gesagt habe: Wenn du Klavier spielst, spiele ich auch mit. Er hat dann aber aufgegeben. Und irgendjemand hat mir dann die Noten von den 'Gymnopédien' gebracht: Das hat mir wahnsinnig gut gefallen."
"Ich halte da auch kein Tempo ein, sondern ich spiele es und höre es. Also ich, wenn ich jetzt Klavier spiele, der ja wirklich nicht besonders aufregend Klavier spiele, versuche immer mitzusingen. Ich singe jetzt nicht trallala, sondern einfach so ... Nicht durchgehend, sondern einfach so die Höhen und Tiefen."
"Also ich persönlich, wenn mir mal gar nichts anderes einfällt, dann setze ich mich hin und spiele das."