Freitag, 19. August 2022

Archiv

Mein Klassiker
Über den Wolken

Sven Plöger schwebt als Meteorologe der ARD gerne in höheren Sphären. Sein Klassiker ist das Gleitschirmfliegen. Die Perspektive von ganz oben lässt ihn Abstand gewinnen vom Alltag und große Probleme gleich viel kleiner erscheinen.

Von Winfried Hammelmann | 04.03.2014

    Hallo, hier ist der Sven Plöger, und sie kennen mich mutmaßlich von den Wetterberichten in der ARD vor der Tagesschau, nach den Tagesthemen, und mein Klassiker, das ist das Gleitschirmfliegen.
    Das ist schon etwas Faszinierendes, wenn man rauf geht auf einen Berg oder auch nur rauf fährt auf einen Berg mit einer Bahn - das erleichtert die Sache manchmal, dann steht man plötzlich oben direkt am Hang - freier Blick runter in die Landschaft. Dann legt man seinen Gleitschirm aus, das sind ein paar Quadratmeter Stoff, dann steht man davor, wartet auf den richtigen Wind, was mir als Meteorologen natürlich besonders Freude macht, dann gibt’s irgendwann den Moment, da kommt er richtig. Und dann machst du zwei, drei Schritte nach vorne, entschlossene Schritte, damit der Schirm aufgeht, und dann macht man noch zwei, drei weitere Schritte entschlossen nach vorne, und dann schwebst du. Und dieses Gefühl, plötzlich frei in der Luft zu schweben, wie der berühmte Vogel, das ist schon sehr, sehr eindrücklich.
    Frei durch die Luft
    Dann die ersten Meter: Man gleitet weg, der Boden verschwindet, du bist plötzlich in dieser Luft, mitten in den Alpen - ich fliege immer gerne in den Alpen - und dann geht’s frei durch die Luft auf die nächste kleine Quellwolke zu, der kleine cumulus humulis, da freut sich der Meteorologe, dann wird die Thermik gesucht, also wo die Luft als Schlauch nach oben geht, sich da rein zu hängen, in diese Thermik und dann mit dieser Thermik nach oben zu steigen, ganz ohne Antrieb, ohne Lärm, ohne irgendwelche Kräfte, die möglicherweise auch noch die Umwelt verschmutzen, sondern einfach nur ganz selber da so. Und dann schwebst du da und hast einen unglaublichen Blick über diese Bergwelt. Also da komme ich schon sehr ins Träumen.
    Da passieren zwei Sachen. Das eine ist natürlich diese ganze Sache, dass du diesen kleinen Schirm mit dir dran in dieser Luftmasse in Bewegung hältst, und das andere ist noch etwas. Es verschiebt sich deine Perspektive, und zwar mit dem Blick nach unten. Das unten alles klein ist, ist logisch, aber dieses Klein auch mal zu übersetzen und sich klar zu machen, dass vielleicht manche Problemchen, manche Auseinandersetzung, die man im Alltag so führt - wenn man da unten hinguckt - so unglaublich klein und vielleicht auch bedeutungslos werden, das ist schon eine tolle Sache.
    Und am Ende des Tages kann man einfach nur sagen: Wow.
    Also, wer jetzt richtig neugierig geworden ist: Es ging gerade um’s Gleitschirmfliegen.