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28.10.2011

Mikrobiologie Bakterien teilen sich asymmetrisch – und altern dabei.

Bakterien vermehren sich durch Zellteilung. Dass dabei die beiden Tochterzellen genau gleich seien, war bislang eine akzeptierte These unter Biologen. Wissenschaftler der University of California in San Diego widersprechen dieser These jetzt. Die Forscher hatten nach nicht-genetischen Spuren von Alterung in Bakterien gesucht. Das sind zum Beispiel oxidierte Eiweiße. Diese alten oder beschädigten Zellteile konzentriert das Bakterium bei der Zellteilung offenbar auf eine Tochterzelle, während die andere nur funktionsfähige bekommt. Entsprechend ist eine Tochterzelle etwas größer als die andere. Auf diese Weise wirkt die Zellteilung wie ein Jungbrunnen für die eine Hälfte der Bakterien, während die andere Hälfte eindeutig altert, schreiben die Wissenschaftler in "Current Biology". //[gät]//

Quelle: DOI:10.1016/j.cub.2011.09.018

Biologie Furcht setzt Insekten unter tödlichen Stress.

Davon zeigen sich Forscher der University of Toronto überzeugt. Im Fachblatt "Ecology" begründen sie ihre Überzeugung mit Beobachtungen an Libellenlarven. Die gedeihen zunächst unter Wasser, klettern am Ende ihrer Entwicklung an die Luft und pellen sich als fertiges Insekt aus der Larvenhülle. Die Wissenschaftler ließen nun einige Larven in einem Tank aufwachsen, in dem durch ein Gitter getrennt, auch Fische lebten. Andere in einer fischlosen Umgebung. Am Ende des Versuchs zeigte sich, dass in dem Fischtank deutlich weniger Larven überlebten, obwohl die Fische sie nicht fressen konnten. Auch den Schritt zum erwachsenen Insekt überlebten weniger Tiere. Die Forscher werten das als Folge von Stress, ausgelöst durch die bloße Anwesenheit der Fische. //[gät]//

Quelle: Ecology

Physik Physiker am Cern wollen das Neutrino-Experiment wiederholen.

Vor rund einem Monat hatten die Forscher berichtet, ihr Experiment Opera habe gezeigt, dass Neutrinos zwischen dem Cern in Genf und Gran Sasso, 732 Kilometer entfernt in Italien, 60 Nanosekunden schneller als das Licht gereist seien. Dabei erfolgte die Messung indirekt: in Genf feuerten die Physiker einen Protonen-Puls von zehn Mikrosekunden Länge, in Italien maßen sie Neutrinos. Eine direkte Messung einzelner Neutrinos war dabei nicht möglich; die Forscher hielten die Zeit fest, zu der sie die Neutrinos maßen und die, zu der in Genf die Protonen blitzten. Ein statistisches Mittel ergab die Reisezeit. Das neue Experiment soll nun mit deutlich kürzeren Protonen-Impulsen arbeiten. Auf diese Weise ließen sich die gemessenen Neutrinos eindeutig einem Protonenstoß zuordnen. Wann die neuen Messungen ausgewertet sind, ist offen. //[gät]//

Quelle: Cern

Planetologie Der Asteroid Lutetia könnte aus der Urzeit des Sonnensystems stammen.

Darauf deutet die Analyse von Aufnahmen der Raumsonde Rosetta hin, die ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Max Planck Instituts für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau in "Science" veröffentlicht. Demnach ist die Oberfläche des Asteroiden von ungewöhnlich vielen Kratern überzogen – ein Hinweis auf ein hohes Alter des Himmelskörpers. Die Wissenschaftler schätzen es auf 3,6 Milliarden Jahre. Gleichzeitig ergab eine Analyse des Volumens von Lutetia eine Dichte von 3,4 Gramm pro Kubikzentimeter – was deutlich höher ist als die der meisten gewöhnlichen Asteroiden. Die Forscher vermuten daher, dass Lutetia ein Überbleibsel aus der Phase des Sonnensystems sein könnte, als sich der Staub zu den ersten, schweren Klumpen zusammenballte. //[gät]//

Quelle: DOI:10.1126/science.1207325

Umwelt Der Verzicht auf Blei im Benzin rettete 1,2 Millionen Leben.

Er sparte außerdem 2,4 Billiarden US-Dollar weltweit und half, 58 Millionen Verbrechen zu verhindern. Das berichten Forscher der California State University, die im Auftrag des UN-Umweltprogramms den Nutzen des Verzichts auf Blei im Benzin untersucht hatten. Blei als Zusatzstoff sollte die Klopffestigkeit des Sprits erhöhen. Allerdings fanden sich Spuren des Schwermetalls in den 80er Jahren vor allem im Blut von Jugendlichen; die Folgen sind unter anderem vermehrte Aggressivität, und Gewalttätigkeit. Derzeit wird Benzin mit bleihaltigem Zusatz noch in sechs Ländern verkauft: Afghanistan, Algerien, Irak, Nordkorea, Birma und Jemen. Bis 2013 soll auch in diesen Ländern der Verkauf von verbleitem Benzin verboten werden. //[gät]//

Quelle: Agenturen

Kernenergie Die Brennstäbe von Fukushima werden voraussichtlich in zehn Jahren geborgen.

Das berichtet der japanische Fernsehsender NHK World unter Berufung auf die Atomenergie Kommission des Landes. Die hatte einen Entwurf für den Abriss der havarierten Reaktoren vorgestellt. Demnach sollen zunächst die Reaktordruckbehälter der Blöcke 1 bis 3 abgedichtet werden. Anschließend sollen diese mit Wasser gefüllt werden, damit die geschmolzenen Brennelemente abklingen können. In ungefähr drei Jahren sollen Arbeiter damit beginnen, die Brennelemente aus den Abklingbecken zu bergen. Der gesamte Abriss der vier zerstörten Reaktoren werde rund 30 Jahre dauern, so die Kommission. //[gät]//

Quelle: NHK

27.10.2011

Planetologie Der Kleinplanet Eris ist fast ein Zwilling von Pluto.

Davon zeigen sich Forscher aus Frankreich in "Nature" überzeugt. Die Wissenschaftler hatten den fernen und kleinen Himmelskörper beobachtet, als der im November 2010 vor einem Stern entlanglief. Dabei konnten sie den Radius von Eris auf 1163 Kilometer bestimmen. Pluto misst von seiner Mitte bis zur Oberfläche ungefähr genauso viel. Exakt bestimmen läßt sich sein Radius derzeit aber nicht, weil Pluto momentan von einer Gashülle umgeben ist. An der Größe von Eris entzündete sich vor einigen Jahren der Streit unter Astronomen, ob Pluto als Planet gelten könne, wenn Eris als Zwergplanet eingestuft wird. Die Forscher beschlossen seinerzeit, Pluto deshalb den Rang eines Planeten abzuerkennen. Eris hat derzeit keine Atmosphäre, strahlt aber fast alles Licht wieder zurück. Forscher vermuten, dass der Zwergplanet von Eis bedeckt ist. //[gät]//

Quelle: Nature

Strahlenschutz In Fukushima wurde sehr viel mehr Radioaktivität freigesetzt, als japanische Behörden eingestanden haben.

So dürfte von radioaktivem Xenon-133 mehr in die Umwelt ausgetreten sein als beim Reaktorunfall in Tschernobyl; die Menge an freigesetztem Cäsium-137 ist wahrscheinlich doppelt so hoch wie von den Behörden in Japan gemeldet. Das geht aus einer internationalen Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern des Norwegischen Instituts für Atmosphärenforschung hervor. Die Wissenschaftler haben die Meßdaten aus Stationen zur Überwachung von Atomtests ausgewertet und mit den Wetterdaten vom März 2011 verglichen. Demnach setzten die freiliegenden Brennstäbe im Abklingbecken von Block 4 große Mengen an Cäsium-137 frei – was die japanischen Behörden bis jetzt bestreiten. Diese Analyse zeigt ferner, das Tokio einer Katastrophe nur entging, weil die Cäsium-Wolke nicht über der Stadt abregnete. Außerdem trat radioaktives Xenon 133 schon aus den Reaktorblöcken aus, bevor der Tsunami das Atomkraftwerk erreichte – ein Hinweis darauf, dass schon das Erdbeben die Reaktoren schwer beschädigt hatte. //[gät]//

Quelle: Atmospheric Chemistry and Physics

Mikrobiologie Probiotischer Joghurt wirkt tatsächlich in der Darmflora.

Aber: Anders als bisher vermutet. Statt sich unter den Darmbakterien anzusiedeln, verändern die Joghurt-Bakterien offenbar den Stoffwechsel der Gastgeber. Das schreibt ein weltweites Forscherteam in "Science Translational Medicine". Ein siebenwöchiger Test mit Menschen und Mäusen zeige, dass die Darmflora andere Enzyme erzeugte, wenn die Testpersonen oder –tiere jeden Tag probiotischen Joghurt aßen. Hörten sie damit auf, verschwand auch die Wirkung. Die Enzyme sind wichtig für den Stoffwechsel des Menschen, zum Beispiel für die Verdauung von Kohlehydraten. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass ihre Studie einen Ansatz liefert, um zu erklären, warum probiotischer Joghurt in einigen Fällen gegen Darmentzündungen oder Durchfälle helfen kann. Wie die Joghurtkulturen diese neue Zusammensetzung der Enzyme bewirken, ist den Forschern jedoch noch unklar. //[gät]//

Quelle: Science Translational Medicine

Medizin Schwedische Forscher finden keinen Zusammenhang zwischen Pandemrix und Narkolepsie.

Der Impfstoff Pandemrix wurde 2009 als Schutz vor Schweinegrippe in ganz Europa verkauft. Ein Bestandteil des Impfstoffs sind Adjuvantien, die die Wirkung des Serums verstärken sollen. Diese Wirkverstärker standen jedoch von Anfang an unter dem Verdacht, Nebenwirkungen auslösen zu können. Anfang September berichteten Forscher aus Finnland von einer deutlich erhöhten Gefahr unter Jugendlichen, an Narkolepsie zu erkranken. Forscher des Karolinska-Instituts berichten jetzt, sie hätten keinen Hinweis darauf gefunden. Allerdings zogen die schwedischen Wissenschaftler nur Patientendaten aus Stockholm heran. Dort hatten sich rund eine Millionen von zwei Millionen impfen lassen. Die Finnischen Wissenschaftler dagegen konnten die Daten von 2,3 Millionen Geimpften analysieren. //[gät]//

Quelle: Ärztezeitung

Technik Roboter können demnächst Fliegen fangen und verstromen.

Das halten jedenfalls unabhängig voneinander arbeitende Wissenschaftler der National University of Seoul in Korea und der University of Maine in den USA für möglich. Die beiden Teams haben die Fangblätter der Venusfliegenfalle technisch nachgebildet. Während das eine Team auf Carbon-Fasern setzt, die von einer Metall-Feder zusammengepresst werden, nutzt das andere Polymer-Membranen, die von einer kleinen Spannung geöffnet oder geschlossen werden. Beide Techniken könnten einem britischen Forscherteam helfen, den von ihm entwickelten Ecobot mit Treibstoff, sprich Insekten, zu versorgen: Der Ecobot ist in der Lage, mit Hilfe von Mikroorganismen, die Insektenpanzer zu zersetzen und daraus Strom zu erzeugen, berichtet der "New Scientist". //[gät]//

Quelle: New Scientist

26.10.2011

Umwelt In Japan ist in einem Atomkraftwerk radioaktiv verstrahltes Wasser ausgetreten.

Bei dem Zwischenfall im Kraftwerk Tokai No 2, welches sich im Nordosten von Tokio befindet, sei keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt, teilte der Betreiber Japan Atomic Power mit. Demnach trat das Wasser aus einem Rohr an einem Reaktordruckbehälter aus. Vier Arbeiter waren dem Wasser ausgesetzt, Verstrahlungen wurden jedoch nicht gemessen. Das Leck wurde inzwischen wieder abgedichtet. Der 33 Jahre alte Reaktor war seit dem Erdbeben vom 11. März nicht in Betrieb. [mst]

Medizin Eine Grippe-Impfung schützt Übergewichtige nicht immer.

Zu diesem Ergebnis kommen US-Mediziner aus Kalifornien im "Journal of Obesity". Sie hatten die Immunreaktion von knapp 500 Probanden untersucht, die sich im Herbst 2009 gegen die saisonale Influenza hatten impfen lassen. Dabei sahen sie, dass die Immunabwehr auf den Impfstoff bei Übergewichtigen im Vergleich zu normalgewichtigen Studienteilnehmern schwächer und weniger lang anhaltend war. Ein Jahr nach der Impfung war die Zahl der Grippeantikörper bei den meisten Übergewichtigen um das Vierfache reduziert. Zudem funktionierten bei den Übergewichtigen bestimmte Abwehrzellen des Immunsystems weniger effektiv. Demnach erkranken übergewichtige Menschen auch nach einer Impfung eher an Grippe als normalgewichtige. An Influenza sterben jedes Jahr weltweit bis zu 500.000 Menschen. Wenn der Anteil der Übergewichtigen weiter zunimmt, könnte zukünftig auch die Anzahl der Grippetoten steigen, warnen die Studienautoren. [mst]

Quelle: Journal of Obesity

Biologie Ein Massenaussterben begünstigte den Siegeszug der Landwirbeltiere.

Paläontologen aus Salt Lake City zufolge war das globale Tiersterben im Perm vor 250 Millionen Jahren der Startpunkt für die spätere Artenvielfalt. Die US-Forscher hatten mehr als 8000 Fossilien untersucht. Wie sie in den "Mitteilungen der britischen Royal Society" schreiben, hat das Massenaussterben Voraussetzungen geschaffen, die die Basis für die spätere globale Artenvielfalt waren: Zum einen gab es weniger Konkurrenz unter den verbliebenen Spezies, zum anderen konnten sie auch neue Nischen besetzen und sich an verschiedene Ökosysteme anpassen. Die Fossilienforscher gehen davon aus, dass es nach dem Massenaussterben rund acht Millionen Jahre gedauert hat, bis die Tierbestände wieder das alte Niveau erreicht hatten. [mst]

Quelle: Proceedings Royal Society B

Biologie Schlangen speichern Sperma.

Das gilt zumindest für weibliche Diamant-Klapperschlangen. Biologen der North Carolina State University hatten den Nachwuchs einer Schlange untersucht, die nach fünf Jahren in Gefangenschaft ohne Kontakt zu männlichen Artgenossen plötzlich 19 Junge bekommen hatte. Wie die Forscher im "Biological Journal of the Liennean Society" schreiben, ergab die DNA-Analyse, dass es sich nicht um einen Fall von Jungfernzeugung handeln kann. Denn im Erbgut des Nachwuchses fanden sich Gene, die nicht von der Mutter stammen. Demnach muss sich die Schlange mit einem Männchen vor der Gefangennahme gepaart und die Spermien im Körper gelagert haben. [mst]

Quelle: Biological Journal of the Liennean Society

Biologie Wölfe sind bei der Partnerwahl nicht wählerisch.

Biologen aus West Virginia haben einen Grund dafür entdeckt, warum die Bestände der Wölfe in dem US-Bundesstaat stetig zurückgehen: Die Raubtiere müssen sich mehrfach mit Kojoten gekreuzt haben; das deuten Untersuchungen von Kotproben an. Wie die Forscher im "Journal of Mammology" schreiben, besaßen die im Kojotenkot enthaltenen Darmzellen Gene, die für die dort beheimateten Wölfe typisch sind. Da Kojoten durch den Klimawandel bedingt zunehmend neue Lebensräume erobern, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie häufiger auf die verbliebenen Wölfe treffen und sich mit ihnen paaren. Dadurch würden die Wölfe in absehbarer Zeit aussterben, resümieren die Forscher. [mst]

Quelle: Journal of Mammology (doi:10.1644/10-MAMM-A-223.1)

Biologie Killerwale machen Schönheitsurlaube.

Bislang war unklar, warum auch männliche Orcas aus der Antarktis mehrere Tausend Kilometer in warme Gewässer schwimmen, obwohl sie sich im Gegensatz zu Weibchen nicht um den Nachwuchs kümmern. Kalifornischen Meeresbiologen zufolge suchen die Tiere die warmen Gewässer aus Gründen der Körperpflege auf. Wie sie im Fachblatt "Biology Letters" schreiben, können die Wale ihr Hautgewebe in tropischen Gewässern erneuern, ohne dabei viel Körperwärme zu verlieren. In der Antarktis bilden sich auf der Haut der Killerwale Schichten von Kieselalgen, die die Tiere in subtropischen Gewässern Uruguays und Brasiliens regelmäßig abschrubben. Bei der Studie hatten die Forscher zwölf Tiere mit Sendern versehen. Dabei seien einige der Orcas zielstrebig in die warmen Gewässer geschwommen. Ein Tier habe bei seinem wenige Wochen dauernden Ausflug täglich 240 Kilometer zurückgelegt. [mst]

Quelle: Biology Letters (doi:10.1098/rsbl.2011.0875)

Astronomie Astronomen rekonstruieren eine Supernova.

Historische Aufzeichnungen aus China belegen, dass im Jahr 185 ein neuer Stern am Himmel erschien, der acht Monate später wieder erlosch. Überreste dieser Supernova wurden zwar schon in den 1960er Jahren in Form des Emissionsnebels RCW 86 entdeckt, doch die vollständige Auflösung, wie genau der etwa 8000 Lichtjahre entfernte Stern sein Licht aushauchte, gelang erst jetzt. Wie Astronomen der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA im Fachblatt "The Astrophysical Journal" schreiben, konnten sie das Puzzle mit neuen Infrarotbildern der Weltraumteleskope Spitzer und WISE vervollständigen. Demnach starb der Stern in einer Supernova vom Typ Ia. Dabei wird ein unscheinbarer und stabiler Weißer Zwerg erst von einem Begleitstern zur verhängnisvollen Explosion getrieben. Die Explosionswolke wird kaum gebremst und kann sich extrem weit ausbreiten. [mst]

Quelle: Astrophysical Journal (96, 741, 2011)

25.10.2011

Raumfahrt Ausgedienter Satellit ist östlich von Indien nieder gegangen

Die Absturzstelle des deutschen Forschungssatelliten Rosat ist gefunden: Der Flugkörper sei über dem Golf von Bengalen in die Erdatmosphäre eingetaucht und wahrscheinlich zum großen Teil verglüht, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt heute in Köln mit. Ob Trümmerteile die Erdoberfläche erreicht hätten, sei nicht bekannt. Der Ort des Wiedereintritts sei auf Basis von Daten berechnet worden, die von internationalen Partnern, vor allem von den USA, zur Verfügung gestellt worden waren. Im Vorfeld des Absturzes hatte es geheißen, rund 30 Trümmerteile mit einem Gesamtgewicht von knapp zwei Tonnen könnten die Erde erreichen. //[reu]//

Medizin Antidepressiva verändern das Gehirn in seiner Entwicklungsphase

Die steigende Zahl von Autismus-Fällen bei Kindern könnte mitverursacht sein durch die Einnahme von Anti-Depressiva durch die Mütter während der Schwangerschaft. Zu diesem Schluss kommen Forscher aus Kalifornien, die diese Zusammenhänge an Ratten untersucht haben. Acht Tage alte Jungtiere behandelten sie zwei Wochen lang mit einem bestimmten Anti-Depressivum, mit einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Als erwachsene Tiere zeigten die Ratten Verhaltensweisen, die mit Autismus bei Menschen vergleichbar sind. Zum Beispiel hatten sie wenig Interesse daran, Veränderungen in ihrer Umgebung zu erkunden. Auch das zentrale Nervensystem der Tiere wies Veränderungen auf, die auf Autismus hinwiesen. Das Gehirn von Ratten kurz nach der Geburt ist ungefähr genauso weit entwickelt wie dasjenige von menschlichen Föten im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die Forscher vermuten daher, dass eine Behandlung von werdenden Müttern mit Anti-Depressiva Autismus bei den Kindern verursachen kann. //[reu]//

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1109353108

Klimaforschung Klimawandel hat Hitzerekorde verursacht

Der Hitzerekord in Moskau im Juli 2010 war mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Folge der Klimaerwärmung. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, die eine Formel entwickelt haben, mit der sich die Häufigkeit von Klimaextremen berechnen lässt. Die Ursache der Hitzewelle seien nicht natürliche, kurzfristige Klimaschwankungen, sondern der langfristige Trend zur Erderwärmung, schreiben die Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften. Außerdem zeige die Studie, dass die Zunahme der Hitze-Extreme nicht ausgeglichen werde durch eine Abnahme bei den Kälte-Extremen, berichten die Forscher. Was die Temperaturen beträfe, führe der Klimawandel unter dem Strich zu deutlich mehr Extremen. //[reu]//

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1101766108

Chemie Wasserdesinfektion kann auch Nebenwirkungen haben

Bestimmte unerwünschte Chemikalien, die bei der Desinfektion von Wasser entstehen, können auf indirektem Wege die Erbsubstanz von menschlichen Zellen schädigen. Das haben Forscher aus den USA nachgewiesen. Sie hatten untersucht, wie Halogen-essigsäuren im Körper wirken. Diese Substanzen entstehen beispielsweise bei der Behandlung von Wasser mit Chlor. Es zeigte sich, dass die Säuren zunächst ein Enzym blockieren. Dadurch stehen den Zellen weniger Nährstoffe zur Verfügung. In der Folge kommt es zu oxidativem Stress, also zur Bildung von reaktiven Sauerstoff-Verbindungen, welche dann die DNA-Moleküle schädigen. Das schreiben die Forscher im Fachblatt "Environmental Science and Technology". Sie raten dazu, über neue Methoden für die Desinfizierung von Wasser nachzudenken. //[reu]//

Quelle: Environmental Science and Technology, DOI: 10.1021/es2008159

24.10.2011

Geologie Im Osten der Türkei kommt die Erde nicht zur Ruhe

Seit gestern Mittag sind auf das Beben mit der Stärke 7,2 Hunderte von Nachbeben erfolgt, die Stärken von bis zu 6,0 erreichten.Der Bebenherd lag nach Auskunft des Geoforschungszentrums Potsdam in einer Tiefe von zehn Kilometern. Das Beben ereignete sich an der sogenannten Bitlis-Verwerfung. Dort drängt die Arabische Platte mit einer Geschwindigkeit von 24 Millimetern pro Jahr nach Norden und versucht, sich unter Eurasien zu schieben. Die Bitlis-Verwerfung ist nur eines von mehreren großen Störungssystemen, die die Türkei durchziehen. Am bekanntesten ist die Nordanatolische Verwerfung. Katastrophenschützer fürchten, dass das nächste große Beben an dieser Störung die Millionenmetropole Istanbul treffen könnte. //[mawi]//

Medizin Mäuse helfen, die Aggressivität von Tumoren abzuschätzen

Mediziner der Universität von Utah in Salt Lake City haben Tumor-Proben von Patientinnen mit Brustkrebs Mäusen eingepflanzt. Die Tumorzellen hätten sich von der Ursprungsstelle aus genauso ausgebreitet und Tochtergeschwülste gebildet wie in den Patientinnen, von denen die Probe stammte. Krebszellen von Frauen, die Metastasen in der Lunge hatten, wanderten bei den Mäusen ebenfalls in die Lunge, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Medicine". Bisherige Tests an Zellkulturen seien zu ungenau. Mithilfe des neuen Verfahrens hingegen lasse sich direkt nach der Diagnose zuverlässig abschätzen, wie aggressiv ein Tumor sei. Dies helfe, die geeignete Therapie auszuwählen. Die Mediziner wollen jetzt auch für andere Krebsarten Vorhersage-Tests entwickeln. //[mawi]//

Quelle: Nature Medicine

Zoologie Höhlenlöwen waren Einzelgänger ...

... und sie jagten besonders gerne Rentiere. Das schließen Forscher der Universität Tübingen aus der Analyse von Knochen der ausgestorbenen Eiszeittiere. Durch die Analyse von Kohlenstoff- und Stickstoffisotopen im Knochen-Kollagen fossiler Höhlenlöwen könne man direkt auf die Ernährung schließen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Quaternary International". Bis vor etwa 12.000 Jahren stand den Großkatzen Europas eine große Bandbreite an Beutetieren zur Verfügung, unter anderem Mammuts, Wollnashörner, Bisons, Pferde und Rentiere. Die Konkurrenz allerdings war groß. Die Höhlenlöwen konkurrierten mit Höhlenhyänen, Braunbären, Wölfen und dem Menschen. Die Höhlenlöwen hätten sich überwiegend von Rentierfleisch ernährt. Das lokale Aussterben der Rentiere während der globalen Wiedererwärmung vor circa 12.000 Jahren könnte sogar ursächlich für das Aussterben der europäischen Höhenlöwen gewesen sein. //[mawi]//

Quelle: Bocherens, H. et al: Isotopic evidence for dietary ecology of cave lion (Panther

Meeresbiologie Überdüngte Flüsse und Küsten lassen die Ozeane weiter versauern

Schon länger bekannt ist, dass zu viel Kohlendioxid in der Luft Meere sauer macht. Ein internationales Forscherteam hat den Golf von Mexiko und das südchinesische Meer untersucht und festgestellt: Durch die Überdüngung von Flüssen und Küstengewässern verstärkt der Mensch die Versauerung der Ozeane mehr als bisher angenommen. Über Landwirtschaft und Abwässer werden Nährstoffe ins Meer gespült. Diese Nährstoffe mindern die Fähigkeit des Ozeans, Säuren zu neutralisieren. Die durch den Klimawandel verursachte Versauerung werde dadurch drastisch verstärkt. Ohne eine entscheidende Wende in der landwirtschaftlichen Düngepraxis werde es in Zukunft vielleicht keine Korallen mehr geben und auch weniger Muscheln und Kalkalgen, warnen die Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change". //[mawi]//

Quelle: Nature Climate Change - DOI:10.1038/ngeo1297

Raumfahrt Noch fehlt jede Spur vom Satelliten Rosat

Nach dem unkontrollierten Absturz des deutschen Forschungssatelliten Rosat ist sein Verbleib unklar. Es gebe weiterhin keine Bestätigung, dass Satellitenteile die Erdoberfläche erreicht hätten, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR heute in Köln mit. Einen Absturz über Europa, Afrika und Australien konnte das DLR ausschließen. Medienberichte, der Röntgensatellit sei über Südostasien niedergegangen, bestätigte das DLR nicht. Rosat war am frühen Sonntagmorgen zwischen 3.45 und 4.15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wieder in die Erdatmosphäre eingetreten. Wahrscheinlich ist nur ein Teil des knapp 2,5 Tonnen schweren Satelliten beim Wiedereintritt in die Atmosphäre durch Reibungshitze verglüht. Rund 30 Einzelteile mit einer Gesamtmasse von 1,7 Tonnen könnten auf der Erdoberfläche eingeschlagen oder aber ins Meer gestürzt sein. //[mawi]//
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