Autor: Volker Mrasek
Für das jetzt beendete EU-Projekt stellten Deutschland, Frankreich und Großbritannien gemeinsam Forschungs-Flugzeuge zur Verfügung. Geflogen wurde nicht nur über dem eigenen Territorium, sondern über halb Europa. Unter anderem, um das Klimagas Kohlendioxid zu messen. Das klappt am besten in enger Tuchfühlung mit der Erdoberfläche, wie Andreas Giez erläutert. Der Physiker gehört zur Flugabteilung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, am Standort Oberpfaffenhofen bei München:
Dazu sind wir tatsächlich im Tiefflug durch ganz Europa geflogen, das heißt: Von Oberpfaffenhofen bis nach Frankreich, Orleans. Von dort aus nach Paderborn. Von Paderborn zum Plattensee und wieder zurück. Und das alles in 300 Fuß. Das sind knappe 100 Meter über Grund. Und das war ein sehr spektakulärer Flug. Denn ein Jet hat in dieser Höhe eigentlich gar nichts verloren.
Spektakulär waren nicht nur die Einsätze der Instrumenten-bestückten Maschinen. Als spektakulär darf man wohl auch Ergebnisse aus dem EU-Projekt bezeichnen.
Eine der beteiligten Forschergruppen dirigierte die Flugzeuge über die Großstadt Thessaloniki in Griechenland. Eine Infrarot-Kamera an Bord lieferte Wärmebilder von der City genauso wie von den Vororten. Überraschend waren die Ergebnisse selbst für Agis Papadopoulos, Professor für Energiesysteme an der Universität Thessaloniki.
Papadopoulus, der in Aachen studierte, präsentierte sie jetzt in Nizza. Dabei ging er auch auf Messergebnisse und aktuelle Hitze-Trends in anderen Metropolen ein:
Wir messen kontinuierlich. Die letzten, die ich Ihnen nennen könnte, wären die Resultate vom letzten Sommer, also Sommer 2002. Und zwar haben wir da die Daten aus Athen, Tel Aviv in Israel und Thessaloniki verglichen. Und da gibt es teilweise Unterschiede von acht bis zwölf Grad vom Stadt-Vorort ins Stadtzentrum. Also: wenn der Flughafen in Tel Aviv 30 Grad misst, dann ist es in Tel Aviv Downtown so circa 42, 43 Grad heiß.
Ein extremes Temperatur-Gefälle von der Vorstadt zum Stadtzentrum also. Und das sei nicht etwa die Ausnahme: Papadopoulos:
Das ist eher die Regel an warmen Tagen. So mindestens 20-30 Mal im Sommer, also jeden dritten Tag oder jeden zweiten Tag, ist das ziemlich gewöhnlich. Und das gilt mittlerweile für die meisten südeuropäischen Städte. Qualitativ wissen es die meisten Leute, die in Barcelona oder in Mailand wohnen. Aber jetzt mittlerweile fangen wir an, spezifische Daten dazu zu haben.
Nach Papadopoulos' Daten ragen Athen und Paris aus dem Konzert der Mega-Städte heraus: Dort ist der Sommer im Stadtkern heute 14 Grad Celsius heißer als im Umland. Die absoluten Juli- und August-Temperaturen im Zentrums Athens seien im Mittel um acht bis zehn Grad gestiegen seit den 60er Jahren, so Papadopoulos. Dort werde es heute bis zu 50 Grad heiß.
In London dagegen beträgt der Unterschied zwischen der City und den Vororten lediglich drei Grad Celsius.
Die Erklärung dafür: Die britische Weltstadt hat ihre "grünen Lungen" über die Zeit gerettet. Dort existieren noch immer große Parks mitten im Zentrum. Der Baumbestand wirkt wie eine natürliche Klimaanlage: Wenn das Thermometer im Sommer klettert und die Pflanzen Wasser ausschwitzen, werden große Mengen Verdunstungskälte frei.
Den hitzegeplagten Metropolen fehlen solche grünen Inseln. Ihre Energiebilanz fällt deshalb immer schlechter aus, so Papadopoulos:
Die Gebäude müssen immer stärker klimatisiert werden. Ein Gebäude in Marseille, in Saloniki, in Athen oder in Barcelona braucht bis zu viermal mehr Energie, um gekühlt zu werden im Sommer - verglichen zu dem, was vielleicht vor 20 oder 30 Jahren der Fall war.
Engpässe, oder schlimmer noch: Blackouts in der Stromversorgung würden dadurch immer wahrscheinlicher, warnt der griechische Hochschullehrer. Und appelliert im nächsten Moment an Bauherren und Architekten: Manche ihrer Prestige-Projekte seien aus stadtklimatischer wie auch aus energetischer Sicht fragwürdig:
Wenn man noch dazu diese globalisierte Architektur der gläsernen Fassaden übernimmt, dann können Sie verstehen, dass man ein schönes Treibhaus mitten im Death Valley baut. Und das macht dann natürlich nur die Elektrizitätsfirmen glücklich, wenn sie Strom verkaufen können.
Für das jetzt beendete EU-Projekt stellten Deutschland, Frankreich und Großbritannien gemeinsam Forschungs-Flugzeuge zur Verfügung. Geflogen wurde nicht nur über dem eigenen Territorium, sondern über halb Europa. Unter anderem, um das Klimagas Kohlendioxid zu messen. Das klappt am besten in enger Tuchfühlung mit der Erdoberfläche, wie Andreas Giez erläutert. Der Physiker gehört zur Flugabteilung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, am Standort Oberpfaffenhofen bei München:
Dazu sind wir tatsächlich im Tiefflug durch ganz Europa geflogen, das heißt: Von Oberpfaffenhofen bis nach Frankreich, Orleans. Von dort aus nach Paderborn. Von Paderborn zum Plattensee und wieder zurück. Und das alles in 300 Fuß. Das sind knappe 100 Meter über Grund. Und das war ein sehr spektakulärer Flug. Denn ein Jet hat in dieser Höhe eigentlich gar nichts verloren.
Spektakulär waren nicht nur die Einsätze der Instrumenten-bestückten Maschinen. Als spektakulär darf man wohl auch Ergebnisse aus dem EU-Projekt bezeichnen.
Eine der beteiligten Forschergruppen dirigierte die Flugzeuge über die Großstadt Thessaloniki in Griechenland. Eine Infrarot-Kamera an Bord lieferte Wärmebilder von der City genauso wie von den Vororten. Überraschend waren die Ergebnisse selbst für Agis Papadopoulos, Professor für Energiesysteme an der Universität Thessaloniki.
Papadopoulus, der in Aachen studierte, präsentierte sie jetzt in Nizza. Dabei ging er auch auf Messergebnisse und aktuelle Hitze-Trends in anderen Metropolen ein:
Wir messen kontinuierlich. Die letzten, die ich Ihnen nennen könnte, wären die Resultate vom letzten Sommer, also Sommer 2002. Und zwar haben wir da die Daten aus Athen, Tel Aviv in Israel und Thessaloniki verglichen. Und da gibt es teilweise Unterschiede von acht bis zwölf Grad vom Stadt-Vorort ins Stadtzentrum. Also: wenn der Flughafen in Tel Aviv 30 Grad misst, dann ist es in Tel Aviv Downtown so circa 42, 43 Grad heiß.
Ein extremes Temperatur-Gefälle von der Vorstadt zum Stadtzentrum also. Und das sei nicht etwa die Ausnahme: Papadopoulos:
Das ist eher die Regel an warmen Tagen. So mindestens 20-30 Mal im Sommer, also jeden dritten Tag oder jeden zweiten Tag, ist das ziemlich gewöhnlich. Und das gilt mittlerweile für die meisten südeuropäischen Städte. Qualitativ wissen es die meisten Leute, die in Barcelona oder in Mailand wohnen. Aber jetzt mittlerweile fangen wir an, spezifische Daten dazu zu haben.
Nach Papadopoulos' Daten ragen Athen und Paris aus dem Konzert der Mega-Städte heraus: Dort ist der Sommer im Stadtkern heute 14 Grad Celsius heißer als im Umland. Die absoluten Juli- und August-Temperaturen im Zentrums Athens seien im Mittel um acht bis zehn Grad gestiegen seit den 60er Jahren, so Papadopoulos. Dort werde es heute bis zu 50 Grad heiß.
In London dagegen beträgt der Unterschied zwischen der City und den Vororten lediglich drei Grad Celsius.
Die Erklärung dafür: Die britische Weltstadt hat ihre "grünen Lungen" über die Zeit gerettet. Dort existieren noch immer große Parks mitten im Zentrum. Der Baumbestand wirkt wie eine natürliche Klimaanlage: Wenn das Thermometer im Sommer klettert und die Pflanzen Wasser ausschwitzen, werden große Mengen Verdunstungskälte frei.
Den hitzegeplagten Metropolen fehlen solche grünen Inseln. Ihre Energiebilanz fällt deshalb immer schlechter aus, so Papadopoulos:
Die Gebäude müssen immer stärker klimatisiert werden. Ein Gebäude in Marseille, in Saloniki, in Athen oder in Barcelona braucht bis zu viermal mehr Energie, um gekühlt zu werden im Sommer - verglichen zu dem, was vielleicht vor 20 oder 30 Jahren der Fall war.
Engpässe, oder schlimmer noch: Blackouts in der Stromversorgung würden dadurch immer wahrscheinlicher, warnt der griechische Hochschullehrer. Und appelliert im nächsten Moment an Bauherren und Architekten: Manche ihrer Prestige-Projekte seien aus stadtklimatischer wie auch aus energetischer Sicht fragwürdig:
Wenn man noch dazu diese globalisierte Architektur der gläsernen Fassaden übernimmt, dann können Sie verstehen, dass man ein schönes Treibhaus mitten im Death Valley baut. Und das macht dann natürlich nur die Elektrizitätsfirmen glücklich, wenn sie Strom verkaufen können.