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Griechenland
Menschenrechtsorganisationen beklagen schleppende Aufarbeitung von Havarie mit hunderten Toten

Ein halbes Jahr nach dem Untergang eines Flüchtlingsbootes vor Griechenland mit mehr als 600 Toten bemängeln Menschenrechtsorganisationen, dass die Hintergründe immer noch nicht aufgeklärt sind.

    Es ist dunkel. Das Deck des Schiffs wird von Lichtern beleuchtet. Man sieht Leichensäcke und Crewmitglieder.
    Eine griechische Marinefregatte im Hafen von Kalamata mit Leichen aus dem Schiffswrack. (dpa / picture alliance / Antonis Nikolopoulos )
    Bei der Veröffentlichung eines gemeinsamen Berichts zu dem Unglück forderten Amnesty International und Human Rights Watch, die Verantwortlichen für die Katastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Die Hintergründe des Schiffbruchs, bei dem nur etwa 100 von schätzungsweise 750 Menschen an Bord überlebten, müssten dringend offengelegt werden. Der Schiffbruch vor Pylos sei kein Einzelfall, sondern ein Beispiel für systematische Menschenrechtsverletzungen durch griechische Behörden und die EU-Grenzschutzbehörde Frontex, so die Menschenrechtsorganisationen. Ihre neue Analyse zeige, dass die griechische Küstenwache verspätet und zu zögerlich Rettungsmaßnahmen eingeleitet habe, obwohl sie von der Notlage an Bord des Fischkutters "Adriana“ gewusst habe. Das überladene Schiff war am 14. Juni vor der griechischen Küste in Seenot geraten und gesunken.
    Diese Nachricht wurde am 14.12.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.