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#menwearinghijab im Iran"Der Kopftuchzwang ist eines der dreckigsten Dinge heutzutage"

Unter dem Hashtag #mystealthyfreedom solidarisieren sich iranische Männer mit Frauen gegen den Kopftuchzwang. (Screenshot Facebook / My Stealthy Freedom)
Unter dem Hashtag #mystealthyfreedom solidarisieren sich iranische Männer mit Frauen gegen den Kopftuchzwang. (Screenshot Facebook / My Stealthy Freedom)

Ihre Ablehnung der Kopftuchpflicht für Frauen demonstrieren derzeit Männer im Iran mit der Aktion #menwearinghijab, also "Männer tragen Kopftuch". In den sozialen Netzwerken kritisieren sie damit die Regierung, die Frauen zwingt, ihren Kopf zu bedecken - und die Zuwiderhandlungen bestraft.

Seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 müssen Frauen in der Öffentlichkeit Kopftuch und Mantel tragen. Frauen, die sich widersetzen, drohen Geld- oder sogar Gefängnisstrafen. Der iranische Präsident Hassan Rohani hat zwar eine progressivere Haltung, die Justiz geht jedoch weiterhin mit Härte gegen Zuwiderhandlungen vor.

Die Künstlerin Masih Alinejad stammt aus dem Iran und lebt in den USA. Sie initiierte die Aktion #meninhijab und veröffentlicht seit dem 22. Juli Fotos von iranischen Männern mit Kopftuch auf ihrer Facebookseite "My Stealthy Freedom", allein oder gemeinsam mit Frauen ohne Kopftuch. In einer früheren Aktion sammelte sie auf der Seite bereits Bilder von iranischen Frauen, die kein Kopftuch tragen.

"Der Kopftuchzwang ist eines der dreckigsten Dinge heutzutage in einer Gesellschaft. Wenn es eine Unehre sein soll, dass ein Mann seiner Mutter, Schwester, Freundinnen, Cousinen und so weiter 'erlaubt', dass sie die gleichen Rechte hat wie er, dann bin ich gerne unehrenhaft. Wenn ein ehrhafter Mann ein Mann ist, der andere zwingt, sich so zu kleiden, wie er will - entsprechend der primitiven jahrhundertealten Gesetze - soll er in seiner Ehre ertrinken."

"Der Kopftuchzwang ist eine immense Grausamkeit der einen Hälfte der Bevölkerung gegenüber, und eine riesige Beleidigung der anderen Hälfte gegenüber."

"Mein Vater und mein Cousin haben sich entschieden, bei #meninhijab mitzumachen. Anfangs haben sie gelacht, als sie das Kopftuch trugen. Ungefähr eine Minute später haben sie aber angefangen zu schwitzen. Schließlich kamen sie zu dem Schluss, dass es ein Desaster sein muss, ständig ein Kopftuch tragen zu müssen. (…) Sie hatten so viel Mitgefühl mit uns wie nie zuvor."

"Wir hoffen, dass eines Tages in jeder Familie die individuellen Freiheiten respektiert werden. Wir glauben nicht, dass es ein Zeichen der Ehre für eine Familie ist, dass man jemanden dazu zwingt, ein Kopftuch zu tragen."

Zuletzt wurden im Iran weibliche Models verfolgt, die online auf Instagram ohne Kopftuch posierten. 58 Models, 59 Fotografen und Maskenbildner seien identifiziert, acht davon festgenommen worden. Seit dem vergangenen Jahr werden auch Frauen bestraft, die ohne Kopftuch Auto fahren oder mitfahren.

(vic/tzi)

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