
Für seine Worte, die Vorhaben seien keine Bösartigkeit von ihm oder von der Bundesregierung, erntete Merz sogar höhnisches Gelächter. Der Kanzler hatte bei den Gewerkschaften in den vergangenen Monaten mit Äußerungen zur gesetzlichen Rente ("allenfalls noch eine Basisabsicherung") oder zu mangelnder Arbeitsmoral ("Lifestyle und Vier-Tage-Woche") für Unmut und Verunsicherung gesorgt. Als Merz die bereits von der Bundesregierung beschlossenen Sparmaßnahmen bei der gesetzlichen Krankenversicherung schilderte, gab es die ersten Unmutsbekundungen und Zwischenrufe.
Mit Merz hielt nach acht Jahren erstmals wieder ein CDU-Kanzler eine Rede bei einem DGB‑ Bundeskongress. Zuletzt war Altkanzlerin Merkel 2018 zu Gast, die in früheren Jahren auch schon etwa für die Rente mit 67 ausgepfiffen worden war.
Merz verdeutlicht Notwendigkeit von Reformen
Merz rief in seiner gut halbstündigen Rede dazu auf, den Reformprozess als Chance statt Bedrohung zu begreifen und daran mitzuwirken. Die Notwendigkeit dafür ergebe sich aus "Demografie und Mathematik". Es übersteige die Kräfte von zwei Beitragszahlern, wenn sie in Zukunft eine Person in der Rente finanzieren sollen.
"Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren", führte der Bundeskanzler aus. Der Platz, von dem aus man das Land zum Guten gestalten könne, sei nicht "die Bremse". Man habe es schlicht versäumt, das Land zu modernisieren. Deutschland müsse sich aufraffen. Die im Sommer bevorstehende Rentenreform bezeichnete er als das "härteste Brett" der Bundesregierung.
DGB-Chefin Fahimi hält dagegen
DGB-Chefin Fahimi wies Merz auf die Wahrnehmung vieler Arbeitnehmer hin, dass hinter den Reformen am Ende des Tags Einschnitte und Kürzungen stehen würden. Viele in den Gewerkschaften würden erleben, dass die für die Wirtschaftsbeziehungen in Deutschland grundlegende Sozialpartnerschaft nicht mehr richtig funktioniere und man immer mehr in Konflikte hineingetrieben werde.
Bei der Rentenreform hielt sie Merz entgegen, dass schon einmal versprochen worden sei, die Vorsorge inklusive privater und betrieblicher Säule der Alterssicherung abzusichern. Das Zielbild sei bis heute nicht eingehalten, sagte Fahimi. "Wir haben das schon bezahlt mit der Erhöhung des Renteneintrittsalters, der Abschaffung der Altersteilzeit, der Absenkung des Rentenniveaus." Ausdrücklich warnte die DGB-Chefin vor einer geplanten Änderung beim Arbeitszeitgesetz. "Wir wollen nicht zurückgeworfen werden in Zeiten von vor 1918." Damals war der Acht-Stunden-Tag eingeführt worden.
Koalitionsausschuss berät über Reformen
Am Abend kommt Merz mit den anderen Spitzen von Union und SPD im Koalitionsausschuss zusammen. In der Sitzung soll es um den weiteren Fahrplan für die Reformen, die Haushaltsberatungen und Entlastungen für die im Zuge des Iran-Kriegs massiv gestiegenen Energiekosten gehen.
Diese Nachricht wurde am 13.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
