
Merz sagte in Brühl, ihm sei bewusst, dass das Thema menschlich, juristisch und ethisch viele Menschen bewege. Der Kanzler fügte hinzu, es gebe in Deutschland zur Leihmutterschaft eine klare Rechtslage, und er sehe nicht, dass Änderungen vorgenommen werden sollten. Über alles Weitere werde man auf der nächsten Präsidiumssitzung sprechen, sagte der CDU-Vorsitzende.
"Nicht mehr tragbar"
Gegen Spahn gibt es wegen der Leihmutterschaft Rücktrittsforderungen auch aus der eigenen Partei. Der CDU-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Peters, sagte der "Bild"-Zeitung, Spahn habe sich in voller Absicht über in Deutschland geltendes Recht hinweggesetzt und sei nicht mehr tragbar.
Auch die Schatzmeisterin der Frauen-Union, Rosin, rief Spahn auf, zurückzutreten. Leihmutterschaft sei aus guten ethischen Gründen in Deutschland verboten, sagte sie den Funke-Medien. Wer dieses Verbot durch eine Auslandslösung umgehe, setze sich über den Geist des deutschen Gesetzes hinweg. Wenn Glaubwürdigkeit eines Spitzenpolitikers verloren gehe, sei Rücktritt eine Frage der Konsequenz.
Der Vorsitzende der Senioren-Union, Hüppe, schloss sich der Rücktrittsforderung nicht an. Er sagte im Deutschlandfunk, dies sei Sache der Fraktion selbst. Der CDU-Politiker betonte aber, Spahn untergrabe mit seinem Handeln die Glaubwürdigkeit der Union.
Spahn verteidigt sich
Spahn verteidigte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung sein Vorgehen und sagte, er stelle sich der Debatte. "Ich habe lange mit mir gerungen - auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Ich bin lange zerrissen gewesen", sagte er. Aber über dieses Ringen hätten er und sein Mann Daniel Funke sich für diesen Weg entschieden. Manchmal gebe es kein Schwarz und Weiß und keine einfachen Entscheidungen, erläuterte der CDU-Politiker. Über seine politische Zukunft wolle er im September mit der Fraktion sprechen, sagte Spahn vor dem Hintergrund der Rücktrittsforderungen.
Chef der NRW-Staatskanzlei Liminski: Spahn ist durch Umgehung der deutschen Regelung Konflikt eingegangen
Der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Liminski, betonte die Bedeutung von privatem Handeln für die öffentliche Wahrnehmung von Politik. Er könne nachvollziehen, dass sich daraus jetzt eine gewisse Glaubwürdigkeitsfrage entwickle, sagte Liminski im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Das wüssten Spahn, aber auch der Bundestagsabgeordnete Streeck, dessen Bonner CDU-Chef Liminski sei. Beide seien durch die Umgehung der deutschen Regelung für Leihmutterschaft einen Konflikt eingegangen und müssten nun Antworten finden.
Auch der frühere Vorsitzende des Ethikrats, Dabrock, führte aus, es bleibe ein Gefühl der Betrübnis, dass sich jemand etwas herausnehme, weil er das Geld, die Position und die Möglichkeit dazu habe.
Banaszak will Erklärung von Spahn
Der Grünen-Co-Vorsitzende Banaszak rief Spahn auf, sich zu dem Thema zu äußern. Banaszak sagte dem Fernsehsender Welt TV, es sei immer besser, wenn man im Einklang mit dem lebe, was man in sein eigenes Programm schreibe.
Spahns Sohn wurde mithilfe einer Leihmutter in den USA geboren. Dies hatte Spahns Ehemann Daniel Funke, der der biologische Vater ist, in sozialen Medien mitgeteilt. Erst kürzlich im Februar hatte sich die CDU auf ihrem Parteitag ihre Ablehnung der Leihmutterschaft bekräftigt. Auch Spahn hatte Leihmutterschaften in der Vergangenheit kritisiert. Dem Männermagazin GQ hatte er gesagt, als schwuler Mann und als Christ könne er sich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Zur aktuellen Kritik äußerte sich Spahn bisher nicht. Aus seinem Umfeld heißt es laut Medienberichten, er leite grundsätzlich aus seinem Privatleben keine politischen Forderungen ab.
Glückwünsche an Spahn von Merz, Klingbeil und Hubig
Spahn und Funke erhielten aus der Politik aber auch Glückwünsche zur Vaterschaft, unter anderem von Bundeskanzler Merz, Vizekanzler Klingbeil und Justizministerin Hubig. Leihmutterschaften in den USA kosten in der Regel zwischen 100.000 und 250.000 US-Dollar.
Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




