Deutsch-französische Beziehungen
Merz und Macron betonen enge Zusammenarbeit - Deutsch-französischer Ministerrat in Brühl

Deutschland und Frankreich wollen beim deutsch-französischen Ministerrat ihre Zusammenarbeit weiter vertiefen. Geplant sind umfangreiche Vereinbarungen in der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. Im Vorfeld betonten Bundeskanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen.

    Bundeskanzler Merz empfängt den französischen Präsidenten Macron auf Schloss Bensberg in Nordrhein-Westfalen. Beide tragen dunkelblaue Anzüge und lächeln sich freundlich an.
    Bundeskanzler Merz empfängt den französischen Präsidenten Macron auf Schloss Bensberg in Nordrhein-Westfalen. Beide tragen dunkelblaue Anzüge und lächeln sich freundlich an. (Rolf Vennenbernd / dpa / Rolf Vennenbernd)

    Macron: Kooperation weiter ausbauen und beschleunigen

    Macron erklärte bei einem Treffen auf Schloss Bensberg bei Köln, die Kooperation beider Länder müsse weiter ausgebaut und der strategische Aufbruch Europas beschleunigt werden. Gemeinsam wolle man sich für Frieden in Europa einsetzen, die Verteidigung stärken und bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz kooperieren. Merz wies auf die historische Dimension des Tagungsortes für den Ministerrat in Brühl hin. Vor 65 Jahren habe dort im Schloss Augustusburg der damalige Präsident de Gaulle Bundeskanzler Adenauer einen Freundschaftsvertrag angeboten. Der daraus resultierende Élysée-Vertrag sei bis heute Basis für die Zusammenarbeit.

    Partnerschaft bei nuklearer Abschreckung

    Nach den offen zu Tage getretenen Spannungen mit den USA wollen beide Länder vor allem ein wichtiges Verteidigungsprojekt vorantreiben - die Partnerschaft bei der nuklearen Abschreckung auf Grundlage des französischen Atomwaffenarsenals, die Merz und Macron im März vereinbart hatten. Eine erste gemeinsame Luftwaffenübung von französischen Rafale- und deutschen Eurofighter-Kampfjets zur Betankung in der Luft fand bereits am Donnerstag statt. Die Rafale-Jets sind darauf ausgelegt, Atomwaffen einsetzen zu können. Merz und Macron wollen sich die Jets gemeinsam mit den Mitgliedern des deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat auf dem Flugplatz Nörvenich anschauen. 
    Nach dem Scheitern der geplanten milliardenschweren Entwicklung des gemeinsamen Kampfjets FCAS soll außerdem geklärt werden, was von dem Projekt noch zu retten ist. Die Entwicklung einer sogenannten Combat Cloud, eines System zur Vernetzung von Waffensystemen, soll in jedem Fall fortgeführt werden.
     

    EU-Haushalt und Medien-Initiative gegen Desinformation

    Anschließend kommt der Ministerrat in Brühl zusammen. An den Beratungen nehmen auf beiden Seiten Minister und Staatssekretäre aus zehn Ressorts teil. Dabei geht es unter anderem um den mehrjährigen Haushalt für die EU. Im Gespräch sind zudem eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien, die Gründung eines gemeinsamen KI-Zentrums und eine Kooperation der Sender Deutsche Welle und France Médias Monde, um Desinformation zu bekämpfen.
    Für Macron ist es voraussichtlich der letzte deutsch-französische Ministerrat. Im nächsten Frühjahr findet in Frankreich die Präsidentschaftswahl statt, bei der er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann. Im Fall einer Wahl der rechten Politikerin Le Pen zur neuen französischen Präsidentin würde der innerhalb der EU wichtige deutsch-französische Motor sicher an Fahrt verlieren. Auch deswegen wollen Merz und Macron in den letzten Monaten noch möglichst viel gemeinsam zustande bringen.
    Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.