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Messerattacke in GrafingTäter machte einen wirren Eindruck

Ein Ermittler der Polizei steht am 10.05.2016 am Bahnhof in Grafing bei München (dpa/picture alliance/Andreas Gebert)
Ermittler untersuchen den Tatort nach der Messerattacke am Grafinger Bahnhof. (dpa/picture alliance/Andreas Gebert)

Am Münchener S-Bahnhof Grafing hat ein Unbekannter mit einem Messer einen Menschen getötet und drei weitere verletzt. Das Motiv des Täters ist unklar. Die Polizei geht inzwischen aber nicht mehr von einem politischen Hintergrund aus.

Der Angreifer hatte am frühen Dienstagmorgen zunächst in der S-Bahn und dann am Bahnsteig wahllos um sich gestochen und dabei vier Männer verletzt. Eines der Opfer erlag seinen Verletzungen später im Krankenhaus. Die Tatwaffe war ein zehn Zentimeter langes Messer. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Medienberichten um einen 27 Jahre alten Hessen. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und versuchten dreifachen Mordes ein.

Beschuldigter machte verwirrten Eindruck

Zuerst war über einen möglichen islamistischen Hintergrund der Tat spekuliert worden. Zeugen hatten berichtet, der Täter habe "Allahu-Akbar", Gott ist groß, gerufen. "Der Täter hat Äußerungen am Tatort getätigt, die auf eine politische Motivation schließen lassen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich, kurz nach dem Angriff. Diese Äußerungen seien "wohl mit islamistischem Hintergrund", weshalb auch das für Terrorismusbekämpfung zuständige Landeskriminalamt die Ermittlungen übernahm. Die Ermittler vermuten mittlerweile aber, dass der Mann diese Äußerungen nur als Deckmantel für seine Tat benutzt hat.

Am Nachmittag sagte eine Sprecherin des Landeskriminalamts in München, es handele sich offenbar um einen Einzeltäter ohne Verbindung zu radikalen Gruppierungen. Ein Vertreter des bayerischen Staatsschutzes ergänzte, der Beschuldigte habe bei der Vernehmung einen verwirrten Eindruck gemacht.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, dass der mutmaßliche Täter außerdem Probleme mit Drogen gehabt habe. Das müsse aber alles noch gerklärt werden.

Mann fiel schon am Wochenende auf

Vor zwei Tagen war der Mann bereits der Polizei in Gießen aufgefallen. Die Beamten dort hätten ihm zu einem Arztbesuch geraten. Den Ermittlungen zufolge war der 27-Jährige noch am Wochenende in psychiatrischer Behandlung.

Am Montag fuhr er mit dem Zug von Fulda nach München. Weil ihm das Geld für eine Übernachtung in einem Hotel fehlte, hielt er sich längere Zeit im Münchner Bahnhof auf. Gegen 1.30 Uhr am Morgen kam er nach Grafing, wie die Ermittler rekonstruierten. Dass die Tat dort passierte, war nach einer ersten Einschätzung der Ermittler wohl Zufall.

(pr/cvo/tzi/adi)

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