Montag, 03. Oktober 2022

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Meteorologie
2013 war ein Jahr ganz starker Wetterextreme

Die Weltorganisation für Meteorologie – abgekürzt WMO, Sitz in Genf - beschäftigt sich mit dem Klima und misst vor allem Temperaturen. 2013 soll das sechstwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1880 gewesen sein.

Georg Ehring im Gespräch mit Jule Reimer | 24.03.2014

    2013 war das sechstwärmste Jahr gleichauf mit dem Jahr 2007. Für diese Aussage haben die Meteorologen drei renommierte Zeitreihen – eine aus Großbritannien und zwei aus den USA - einfach zusammengerechnet und daraus den Mittelwert gezogen und danach war das Jahr 2013 ein halbes Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Das ist die Zeitspanne, die sozusagen als Normalfall gemittelt wird und es war auch etwas wärmer als die erste Dekade des neuen Jahrhunderts. Das heiß: Die Klimaerwärmung ist weiter gegangen.
    Ob ein Jahr wärmer oder kälter wird als der Durchschnitt, hängt von vielen Faktoren ab. Vulkanausbrüche sind da wichtig, der wichtigste Faktor ist "El Nino" oder "La Nina". Das ist eine Strömung im Pazifik. "La Nina" sorgt für eine Abkühlung, "El Nino" sorgt für eine Erwärmung. Die bisherigen Rekordjahre waren also "El Nino"-Jahre. 2013 war weder noch und in dieser Reihe der Jahre, die weder "El Nino" noch "La Nina" waren, war es das viertwärmste Jahr insgesamt. Es war besonders warm zum Beispiel in Australien, auch in anderen Regionen, aber in Australien war es das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auch im Süden Südamerikas wurde Rekordhitze verzeichnet. Teilweise war es auch kälter. Zum Beispiel war der Winter in den USA recht spektakulär, wo es überdurchschnittlich kalt war, vor allem der Nordosten. Und das mittelt sich dann zu der Diagnose, dass 2013 das sechstwärmste Jahr insgesamt war.
    Jule Reimer: Das heißt: Sie haben ja schon differenziert. Man muss unterscheiden, das eine ist Klimaerwärmung, ein Trend und das andere sind Wetterereignisse, die einfach jedes Jahr vorkommen können. Haben wir da eine Gewichtung für 2013?
    Georg Ehring: Ja. Es ist klar, dass der Klimawandel weitergeht. Das schließt die WMO vor allem aus den etwas längeren Zeitreihen. 13 der 14 wärmsten Jahre, die überhaupt je verzeichnet worden sind, hat es seit dem Jahr 2000 gegeben und das einzige Jahr, das nicht hier hereingehört ist das Jahr 1998, also ebenfalls noch nicht so lange her. Das letzte Jahr mit unterdurchschnittlichen Temperaturen war übrigens 1976, das ist ja schon ganz schön lange her. Die WMO weist auch darauf hin, dass etwa 90 % der Wärme, die auf der Erde auftrifft, in den Ozeanen gespeichert wird und das wesentlich gleichmäßiger als im doch etwas chaotischen Wetter und der Generalsekretär der WMO, Michel Jarraud sagte, das sorge dafür, dass die Erwärmung wohl noch über Jahrhunderte weiter gehen werde. Das Niveau der Treibhausgase in der Atmosphäre hat Rekordhöhen erreicht. Das wichtigste Treibhausgas CO2 ist auf 400 ppm, also Atmosphärenteile CO2 pro Million Atmosphärenteile gestiegen und die Tendenz ist weiter steigend. Wie stark es gestiegen ist, zeigt der Vergleich zur vorindustriellen Zeit, also etwa zum 19. Jahrhundert, da waren es noch etwa 280 ppm. Heute sind es etwa ein Drittel mehr. Einmal aufgeheizt entlässt der Ozean die Wärme ganz allmählich in die Atmosphäre und das heißt: Wir haben noch eine lange Periode der Erwärmung vor uns.
    Reimer: Wetterextreme – da wird auch immer diskutiert: Hängen die zusammen mit dem Klimawandel oder nicht. Rückblickend auf 2013 – gibt es da neue Aussagen?
    Ehring: 2013 war erst einmal ein Jahr ganz starker Wetterextreme. Der Taifun Hayan über den Philippinen ist ja sehr bekannt geworden. Es war der stärkste je verzeichnete Sturm über Land und das passt zum Bild des Klimawandels. Wirbelstürme insgesamt werden nicht häufiger. Aber extrem starke Wirbelstürme, die werden vermutlich schon häufiger. Der stärkste je gemessene Tornado wurde in den USA – in Oklahoma – verzeichnet. Es gab Trockenheiten. Auch extreme Trockenheiten werden im Zuge des Klimawandels häufiger, und zwar dummerweise gerade da, wo es sowieso schon trocken ist, beispielsweise im südlichen Afrika. Es gab extreme Nässe, Extremniederschläge auch im Alpenraum. Da war dann auch Deutschland betroffen und da war ganz Mitteleuropa betroffen und das wird vermutlich so weitergehen.
    Reimer: Wir haben noch ganz kurz ein wenig Zeit. Im „Spiegel“, in der Ausgabe von heute wird das Thema Artensterben durch Klimawandel in Zweifel gezogen.
    Ehring: Das ist ein Vorgriff auf den IPCC, der nächste Woche seinen Bericht herausgibt. Da sind sich die Experten nicht mehr ganz so sicher, wie sie es beim letzten Bericht waren, unter anderem weil das Aussterben durch den Klimawandel sehr schwer auszumachen ist und man es bisher noch bei keiner Tierart nachweisen konnte.