Sonntag, 05.07.2020
 
Seit 07:05 Uhr Information und Musik
StartseiteCorso"Ich muss manches für mich behalten"04.01.2020

Michael Stipe wird 60"Ich muss manches für mich behalten"

2011 hat sie sich aufgelöst - R.E.M., eine der einflussreichsten US-Bands der 90er-Jahre. Frontmann Michael Stipe sagte Ende 2019, das Kapitel R.E.M. sei für ihn auch erledigt. Aber er kehrt nach längerer Abstinenz wieder zur Musik zurück, schreibt einzelne Songs und feiert nun seinen 60.

Von Julia Kastein

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
US-Musiker Michael Stipe - hier bei der Berlinale 2015: mit der markanten schwarzen Brille und eingehüllt in einen überdimensionalen Schal (picture-alliance/dpa/Hubert Boesl)
US-Musiker Michael Stipe - hier bei der Berlinale 2015 (picture-alliance/dpa/Hubert Boesl)
Mehr zum Thema

Musik R.E.M. trennt sich nach 30 Jahren

Nirvana "Here we are now, entertain us"

Rockmusiker Tom Petty während Abschiedstour gestorben

Morrissey fordert Fans heraus Antiautoritäre Revolte, auch mit 60

Morrissey wird 60 Dandy und Wutbürger

So klingt Michael Stipe mit 60 Jahren: Zum Geburtstag hat der Sänger der Kultband R.E.M. seine zweite Solo-Single produziert. Einen 10-Sekunden-Kostprobe gab es schon vorab auf seiner Webseite - herunterladen kann man den ganzen Song ab heute, für 77 Cent. Und zwar für einen guten Zweck: Die Einnahmen von "Drive to the Ocean" kommen einer Klimaschutzorganisation zu Gute.

Mit "Losing my Religion" das Publikum gewonnen

Nach Jahren unter Wollmütze, mit Nasenringen und gewaltigem Rauschebart hat Michael Stipe sich wieder rasiert. Der Look nun wieder asketisch und leicht vergeistigt. Bis auf die raspel-kurzen Haare und tiefe Falten fast so wie der junge Mann aus Georgia, der 1987 mit seiner Band R.E.M. einen ersten Welthit landete.

In der alternativen Rockszene hatten R.E.M. da längst Kultstatus - aber der wirklich große Durchbruch kam dann 1991 mit einem Song, den wohl alle die, die damals schon Ohren hatten, an den ersten paar Takten erkennen: "Losing My Religion" wurde der größte R.E.M.-Hit. Das Album "Out of Time" verkaufte sich weltweit weit über 12 Millionen Mal, drei Grammys gewann die Band dafür.

Ob Smith-Sänger Morrissey in Großbritannien oder Kurt Cobain von Nirwana - R.E.M. hatte viele Fans und gilt bis heute als eine der einflussreichsten amerikanischen Rockbands der 90er-Jahre. Stipe, der als Sohn eines US-Soldaten als Kind auch eine Zeitlang in der Nähe von Frankfurt lebte, wollte eigentlich Fotograf werden. Doch dann kam es doch anders, erzählte Stipe kürzlich bei einem Fotofestival in Atlanta:

"1975 erschien das Album 'Horses' von Patti Smith. Ich habe es mir gleich am ersten Tag gekauft und noch in der Nacht entschieden: Ich wollte Sänger werden."

Sänger mit Mikrofon (picture alliance/dpa/Peter Payne)R.E.M. beim Live-8-Konzert im Londoner Hyde Park (picture alliance/dpa/Peter Payne)

Stipe studierte doch Kunst an der University of Georgia in Athens, eine Kleinstadt im Süden der USA. Hier lebten auch die B52's, eine schrille New-Wave-Band, die später häufiger mit R.E.M. kollaborierten. In Athens lernte Stipe die anderen Bandmitglieder kennen, ihre Songs schrieben sie gemeinsam.

Musik machen habe für ihn auch eine starke visuelle Komponente, so Stipe. Es fühle sich an wie ein Kino-Film. Und ein besonders guter Film sei der Song "Nightswimming": In R.E.M.s Balladen ging es um die ganz großen Gefühle - Liebe, Trauer, Angst - und Stipe wurde zum Posterboy dieser neuen männlichen Verletzlichkeit. Und er bekannte sich als einer der ersten großen Stars öffentlich zu ihrer Homosexualität, als das noch ein Risiko war.

Ein bekennender Social-Media-Skeptiker

Nach den Riesenhits 2011 löste R.E.M. sich auf und Stipe widmete sich seiner ersten Leidenschaft, der Fotografie. Zwei Bildbände, vor allem mit Porträts hat er bislang veröffentlicht. 2016 unterstützte er im Wahlkampf den Demokraten Bernie Sanders. Stipe ist bekennender Social-Media-Skeptiker - zuviel falsche, inszenierte Öffentlichkeit. Seine Lehre aus dem Ruhm der letzten Jahrzehnte:

"Ich muss manches für mich behalten, damit ich nicht zum Monster werde. Wenn soviele Leute einen bewundern, dann läuft das Ego schnell Amok. Und deshalb ist es wichtig, manches nur für sich zu behalten."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk