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Startseite@mediasresFacebook als zentrale Protestplattform02.02.2021

Militärputsch in MyanmarFacebook als zentrale Protestplattform

Nach dem Sturz der Regierung in Myanmar berichten die meisten Zeitungen nach den Vorgaben der Militärs. Die kritische Öffentlichkeit organisiert sich derweil auf Facebook. Fragen und Antworten zur Rolle der Medien nach dem Putsch.

Text von Annika Schneider/Lena Bodewein im Gespräch mit Bettina Schmieding

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Ein buddhistischer Mönche besucht die Seite von Facebook auf seinem Samrtphone in der Kawhnat Pagode - Kor Nat, Myanmar, 2017 (imago/Stefan M Prager)
Facebook gehört in Myanmar zum Alltag - so auch bei diesem buddhistischen Mönch (imago/Stefan M Prager)
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Nach einer Phase der politischen Öffnung ist Myanmar womöglich zurück auf dem Weg in eine Diktatur. In der Nacht zum Montag putschte das Militär und setzte die politische Führung des Landes fest, darunter Friedensnobelpreisträgerin und de-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Auch mit der Phase der vorsichtigen Öffnung der Medien hin zu mehr Pressefreiheit scheint es vorbei. Ein Überblick:

Welche Medien berichten in Myanmar über die Lage?

Das staatliche Radio und Fernsehen sind abgestellt, nur der Militärfernsehsender und Unterhaltungskanäle senden weiter. Das Internet funktioniert wieder, allerdings ist es im Land grundsätzlich nicht flächendeckend zugänglich, zudem gibt es oft Stromausfälle.

Sind soziale Medien vor den Protesten frei zugänglich gewesen?

Es gab immer wieder Zeiten, z.B. während der Vertreibung der Rohingya, als Seiten wie Facebook abgestellt wurden, um den Austausch zwischen den Menschen zu unterbinden. Jetzt ist das Netzwerk aber zugänglich und zu einer großen Protestplattform geworden, auf der Menschen ihren Unwillen ausdrücken, den Oberbefehlshaber als Diktator beschimpfen und fordern, dass Aung San Suu Kyi das Land wieder führen solle. Viele Menschen wollen nicht auf die Straße gehen, sondern bleiben zu Hause. Einen angeblichen Aufruf zu Protesten von Aung San Suu Kyi aus dem Hausarrest hielten viele für eine vom Militär veranlasste Fälschung. Über soziale Netzwerke sprechen sich die Menschen auch Mut zu.

Ein Soldat steht an der blockierten Strasse die zu Myanmar's Parlament führt, 1.Februar 2021. (AFP/Stringer) (AFP/Stringer)Myanmar – was der Putsch des Militärs bedeutet
In dem südostasiatischen Land Myanmar hat wieder das Militär die Macht übernommen. Dabei gab es erst seit zehn Jahren einen zivilen Präsidenten als Staatsoberhaupt. Was hat der Staatsstreich zu bedeuten?

Gibt es in Myanmar Oppositionsmedien?

Es gibt nur wenige freie Medien, darunter einige von Ausländern gegründete und unterstützte Zeitungen. Dort äußern sich Redakteure, die allerdings nicht die Staatsbürgerschaft Myanmars haben, sondern zum Beispiel US-Bürger oder Briten sind. Viele von ihnen sind aber trotzdem vorsichtig. Sie verraten ihren Aufenthaltsort im Land nicht oder berichten aus Bangkok oder Singapur.

Welche Rolle haben die Medien in den letzten zehn Jahren seit der politischen Öffnung des Landes gespielt?

Die Medienlandschaft hat zuletzt vorsichtige Schritte in Richtung Pressefreiheit gemacht. Beobachter befürchten, dass dieser Fortschritt nun wieder in sich zusammenfällt und dass die Zeitungen jetzt nur noch das schreiben dürfen, was die Militärregierung vorgibt. Einige Titel hatten kurz nach dem Putsch schon ein neues Layout und dürfen nur noch wiedergeben, was aus dem Präsidentenbüro kommt. Viele Journalisten sind jetzt noch vorsichtiger, eine klare Meinung zu äußern.

Wie können die deutschen ARD-Korrespondenten über die Situation vor Ort berichten?

Die ARD-Korrespondenten berichten aus Singapur und arbeiten deswegen mit einer Mitarbeiterin in Myanmar zusammen. Die Identität der Mitarbeiterin vor Ort wird geheim gehalten, um sie zu schützen. Sie ist angewiesen, nur so weit zu recherchieren, wie sie sich sicher fühlt, und sich nicht in Gefahr zu bringen. Gleichzeitig ist das ARD-Studio auf ihre Beobachtungen angewiesen, weil die Korrespondenten selbst nur von außen berichten können.

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