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MINT-RoadshowMecklenburger Hochschulen werben in NRW um Studenten

Ein selbst entwickelter Rennwagen oder ein aufgeschnittener menschlicher Torso - auf dem Schulhof des Clemens-Brentano-Gymnasiums im münsterländischen Dülmen waren ungewöhnliche Exponate ausgestellt. Gezeigt wurden sie im Rahmen der norddeutschen Hochschulmarketingkampagne "Studieren mit Meerwert". Studierende aus fünf maritimen Universitäten aus Mecklenburg-Vorpommern zeigten Schülern, wie lebensnah und spannend Naturwissenschaften sein können.

Von Eva Bendix | 04.09.2015

Auf den Pflastersteinen des Schulhofs unter einem weißen Pavillon glänzt ein schnittig grauer Rennwagen. Neben der Kühlerhaube mit der Startnummer zehn steht Robert Garbe. Er studiert Elektrotechnik an der Fachhochschule Stralsund. Begeistert erzählt er den Oberstufenschülern, die vor ihm auf Sitzkissen lümmeln, von dem grauen Flitzer, den Studenten gebaut haben.
"Ihr könnt ja mal bis zwei zählen, dann ist die Kiste auf 100 Kilometer pro Stunde, die muss etwas übertreiben, die haben in jedem Rad einen eigenen Motor eingebaut. Die Fahrer beschreiben das, wie ein Schlag mit einer Abrissbirne in den Rücken, wenn man das Ding beschleunigt."
Ein Raunen geht durch die Reihe der Schüler. Max aus der Oberstufe darf mal rein klettern. "Jetzt lehne dich mal hinein an, so wie der Fahrer dann sitzt, der hat die Ellbogen drin, nicht draußen ist kein Manta, jetzt lenk mal merkst du, was, ja ist richtig hart! – liegt daran das im Auto keine Servolenkung drin ist."
"Fühlt sich ganz cool an."
Auch einige andere Schüler kriegen glänzende Augen und hätten Lust, an so einem Rennauto mit zubauen, aber dafür Elektrotechnik oder Maschinenbau zu studieren?
"Ich fand es interessant, aber für mich persönlich wär es nix. Ist überhaupt nicht mein Weg Mathe und Naturwissenschaften."
"Nein, ich bin nicht so MINT interessiert, in der Schule hatten wir immer Physik, das war sehr theoretisch alles und das ist nicht so was für mich."
Genau diese Vorstellung würden die Macher der MINT-Roadshow bei den Schülern gerne ändern. Katrin Katzprazak, Mitorganisatorin: "Studien haben gezeigt, dass Schüler oft davon ausgehen, dass so Fächer wie Mathe Physik und Chemie dann im Studium ähnliche Inhalte behandeln wie schon in der Oberstufe. Sind dann entweder sehr überrascht, wenn sie in dieses Studium eintreten, weil die Inhalte doch auf einer ganz anderen Ebene stattfinden oder sie sind per se schon abgeschreckt und entscheiden sich gegen ein solches Studium, obwohl sie die entsprechenden Talente mitbringen."
Mit den vier Stationen, die auf dem Schulhof aufgebaut sind, möchte man naturwissenschaftliches Arbeiten in den MINT-Fächern so anschaulich und greifbar wie möglich machen. So können sich die Zehntklässler an einem aufgeschnittenen menschlichen Torso erklären lassen, wie Schrauben für Implantate entwickelt werden. An einer anderen Station bekommen sie Becher -Tüten und Teller in die Hände gedrückt.
"Das Besondere an diesen Produkten ist, das ist zu 100 Prozent bio, kein Plastik auch wenn es so aussieht. Es ist aus Maisstärke Zuckerrohr, Pflanzenfasern, Bambus und ist zu 100 Prozent kompostierbar. Kommt in keine Verbrennungsanlagen, sondern auf große Kompostanlagen und baut sich von selbst wieder ab."
"Ich find das mal ganz interessant, weil so etwas nicht jeden Tag gemacht, wird aber mal gucken wie das noch so wird bei den nächsten Pavillons?"
Da erzählt zum Beispiel ein Plasmaphysiker von der Uni Greifswald, wie er erfolgreich ein Start-up-Unternehmen gegründet hat. Seine Geschäftsidee: eine Wundauflage aus Plasma.
Dies sei nur ein Beispiel dafür, wie gut die beruflichen Zukunftsaussichten für diese MINT-Fächer sind, so Katrin Katzprazak von der Road Show. "Mit so einem Studium kann man sich den Beruf, den man danach ergreift, eigentlich aussuchen. Die Zukunftsperspektiven eines MINT-Studiums sind hervorragend, weil man eine ganz breite Palette an Berufen ergreifen kann, da bestehen einem Wege in der Forschung offen, Wege in der Lehre, die Unternehmen reißen sich um solche Fachkräfte. Also ein Studium im MINT-Bereich ist immer Gold wert."
Um in diese goldenen Studiengänge nach Mecklenburg Vorpommern zu locken, wo die Studienzahlen in den letzten Jahren zugrückgehen, hat die Road Show maritimes aufgefahren. Einen Strandkorb, große Plakate mit rauschenden Wellen am Strand und Studenten, die von ihrem Studienort am Wasser schwärmen.
"Wir haben 20 Minuten S-Bahn bis zum Meer sind direkt in Warnemünde am Strand können zusammen mit den Touris Urlaub machen in unseren Lernpausen und das ist ein Super Vorteil."
"Es ist direkt an der mecklenburgischen Seenplatte, das heißt, zwischen Berlin und Ostsee, also zwischen Feiern und Entspannen. Es ist eine sehr kleine Hochschule, die sehr persönlich und privat ist aber auch super tolle Instrumente hat, Supergeräte!"
Doch diese "studentischen Werbeträger" aus den Hochschulen in Mecklenburg Vorpommern konnten die Schüler aus dem westfälischen Dülmen nur bedingt überzeugen.
"Boah, das ist schon weit ich würde erst mal versuchen das erst mal in Münster aber wenn man da nix kriegt, warum nicht."
"Doch ja das könnte ich mir vorstellen, weil man dann mal aus seinem Ort rauskommt, was anderes sieht und nahe am Meer ist."
"Eher nicht, es wirkt ganz nett aber ich würde mir eher etwas im Umkreis suchen, weil ich dann näher an meiner Heimat bin."