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Missbrauchsprozess"Er war sehr beliebt"

Am Dienstag (18.02.2014) fällt vor dem Landgericht Dortmund das Urteil gegen einen Leichtathletiktrainer. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann sexuellen Missbrauch von Kindern in 61 Fällen und den Besitz kinderpornografischer Schriften zur Last.

Von Andrea Schültke | 17.02.2014

Nach Informationen eines Gerichtssprechers wird der Oberstaatsanwalt am Dienstag eine Freiheitsstrafe von vier Jahren fordern. Der Angeklagte Udo H. soll die ihm zur Last gelegten Taten weitgehend eingestanden haben. Vor knapp drei Jahren hatte die Mutter eines der Opfer den damaligen Leichtathletiktrainer des Castroper Turnvereins (CTV) angezeigt. Die Polizei hat dann den Verein über den Verdacht informiert. „Die Informationen waren so stichhaltig, dass wir den Trainer sofort suspendiert haben“, erklärt die damalige Geschäftsführerin und heutige erste Vorsitzende des CTV, Barbara März.
Suspendierung nach Verdacht
"Der Trainer war sehr beliebt und hat Eltern und Kinder für sich eingenommen", erzählt die Vereinsfunktionärin weiter. Etwa 60 bis 70 Kinder habe der Mann in der Leichtathletikabteilung ehrenamtlich betreut. Der Angeklagte sei der einzige Trainer in dieser Disziplin gewesen. Nach seiner Suspendierung habe sich die Leichtathletik-Abteilung aufgelöst.
Umfassende Aufarbeitung
"Wir wollen nichts verschweigen, sondern offen mit dem Fall umgehen", war sich laut Barbara März der Vereinsvorstand damals sofort einig. Man habe sich beraten lassen - beim Landessportbund NRW und einer externen Beratungsstelle. Es habe einen Elternabend gegeben und alle Personen, die im CTV als Trainer oder Übungsleiter tätig werden wollen, müssen mittlerweile einen Ehrenkodex unterschreiben. Darin verpflichten sich die Mitarbeiter unter anderem "keine Form der Gewalt - sei sie physischer, psychischer oder sexueller Art - auszuüben."
Präventionsmaßnahmen erarbeitet
Der Landessportbund NRW hat eine Reihe von Präventionsmaßnahmen für Vereine erarbeitet. Die Unterzeichnung einer Ehrenerklärung ist eine davon. Dorota Sahle, Referentin beim Landessportbund zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt, erläutert das Ziel dieser Empfehlungen:
"Qualifizierung in dem Sportverein, also Bekanntmachen des Themas: Wir bei uns im Verein handeln so und so und das sind unsere Grundsätze und wir wollen das gemeinsam mit allen Personen, die in der Kinder- und Jugendarbeit bei uns im Verein tätig sind, auch umsetzen."
Auch eine weitere Empfehlung hat der Castroper Turnverein inzwischen umgesetzt: Es gibt einen offiziellen Ansprechpartner im Verein zum Thema Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport.