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StartseiteSport AktuellGailhaguet: Eissport-Verband kein Sammelbecken für Perverse05.02.2020

Missbrauchsvorwürfe in FrankreichGailhaguet: Eissport-Verband kein Sammelbecken für Perverse

Nach dem Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen im französischen Eiskunstlauf hat Verbandspräsident Didier Gailhaguet alle Verantwortung von sich gewiesen. Sportministerin Mărăcineanu, die zuvor seinen Rücktritt gefordert hatte, wolle nur moralisieren, konterte Gailhaguet.

Von Jürgen König

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Der Präsident des französischen Eiskunstlaufverbands Didier Gailhaguet während einer Pressekonferenz in Paris. resign.  (dpa / MAXPPP / Aurelien Morissard)
Er habe Fehler gemacht, sich aber nichts zu Schulden kommen lassen, verteidigte sich der Präsident des französischen Eiskunstlaufverbands Didier Gailhaguet bei einer Pressekonferenz. (dpa / MAXPPP / Aurelien Morissard)
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Didier Gailhaguet trat offensiv auf. Der französische Eissport-Verband sei kein "Sammelbecken für Perverse", als Präsident könne er nur zurücktreten, wenn er Fehler gemacht hätte, es habe zwar Irrtümer gegeben, aber eben: keine Fehler.

"Ich war auch Eiskunstläufer, ich war Trainer und Funktionär. Aber Sie finden meinen Namen in keinem einzigen Fall der Gewaltanwendung gegenüber Sportlern, gegenüber Kindern und Jugendlichen. Ich bin nicht perfekt, aber ich bin 'clean'."

Sportministerin Mărăcineanu wolle "moralisieren"

Zu den Vorwürfen der früheren Eiskunstläuferin Sarah Abitbol, als Jugendliche von ihrem Ex-Trainer Gilles Beyer sexuell missbraucht worden zu sein, sagte Gailhaguet, es habe sich 1998 eine Läuferin an ihn gewandt und von "peinlichen Szenen" gesprochen, zu denen es mit diesem Trainer gekommen sei.

Bernadis (von dem man nur den Kopf sieht) stemmt Abitbol in die Höhe, die beide Beine von sich streckt. Im Hintergrund unscharf eine vollbesetzte Besuchertribüne. (AP / dpa / Roberto Borea)Die französische Eiskunstläuferin Sarah Abitbol mit ihrem Partner Stephane Bernadis am 26.3.2003 bei der WM in Washington.  (AP / dpa / Roberto Borea)

Genaueres habe sie nicht gesagt, und dennoch habe er sofort eine Untersuchung durch die Justiz beantragt, die aber ohne Anklage eingestellt worden sei. Allen ihm bekannt gewordenen Anschuldigungen sei er nachgegangen, im Verband sei nichts vertuscht worden, möglicherweise aber damals im Ministerium. Gegen die jetzige Sportministerin Roxana Mărăcineanu, die seinen Rücktritt fordert, erhob Didier Gailhaguet den Vorwurf, sie wolle nur "moralisieren".

"Die Ministerin hat eine umfassende Untersuchung angekündigt. Sie sollte in ihrem Haus damit anfangen. Stattdessen hat sie einen Verbandspräsidenten stigmatisiert; der Verband wurde beschmutzt."

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In den Reaktionen auf die Pressekonferenz von Didier Gailhaguet überwog die Skepsis. Agnes Firmin le Bodo, eine frühere Eiskunstläuferin und jetzt Parlamentsabgeordnete des Bündnisses "Agir":

"Ich weiß nicht, ob Rücktritt das richtige Wort ist. Er führt den Verband schon seit über zwanzig Jahren, ich  glaube, ohne ihn könnte, was passiert ist, besser aufgeklärt werden. Und ich hatte auch den Eindruck, dass die Perspektive der Opfer heute für ihn nicht im Vordergrund stand."

Erst nach Abschluss der Untersuchungen will Didier Gailhaguet über seine weitere Zukunft im Verband entscheiden.

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