100.000 sind es pro Tag, zehn bis 30 Millionen jedes Jahr. Diese Zahlen sind erschreckend, und noch erschreckender ist die Erkenntnis, dass der Hunger weltweit zunimmt laut UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Derzeit leiden rund 840 Millionen Menschen chronisch an Hunger - und das sind mehr als vor acht Jahren. Damals, auf dem Welternährungsgipfel in Rom 1996, wurde noch der ehrgeizige Beschluss getroffen, bis 2015 die Zahl der Unterernährten zu halbieren. Doch selbst in Zeiten einer High-Tech-Landwirtschaft und Gen-Pflanzen scheint dieses Ziel unerreichbar. Der morgige Welthungertag steht nun ganz im Zeichen der biologischen Vielfalt.
Die Welthungerhilfe bestreitet gar nicht, dass die grüne Gentechnik in der Lage ist, höhere Erträge zu erzeugen und dass sie auch punktuell dafür sorgen könnte, dass die Ernährungssicherheit in bestimmten Entwicklungsländern erhöht wird. Aber: Dies ist nur eine Seite der Medaille: Die moderne, industrielle Landwirtschaft bedroht auf vielfältige Weise die Kleinbauern in ihrer Existenz. Und die sind nach wie vor in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas trotz ihrer vergleichsweise geringen Erträge eine Säule der Ernährung für viele. Ein Grund für die Bedrohung traditioneller Landwirtschaft durch die moderne ist der Verlust der biologischer Vielfalt: Oft ist das Überleben unter schwierigen Bedingungen nur mit besonderen, angepassten Pflanzensorten möglich. Die Welthungerhilfe sieht sich als Anwältin besonders der Kleinbauern, deshalb nimmt deren Generalsekretär, Hans-Joachim Preuß, den morgigen Welternährungstag zum Anlass, um darauf aufmerksam zu machen, dass hoch gezüchtete und genetisch veränderte Sorten zahlreiche einheimische verdrängen, und das hat Folgen:
Viele Kleinbauern haben - und das ist nicht unbedingt ihrer eigenen Tugend geschuldet, sondern auch oft der Not, weil sie nicht über ausreichend Ressourcen verfügen - diese Kleinbauern haben keinen Zugang zu modernen Agrartechnologien. Und zur Überlebenssicherung bleibt ihnen lediglich die Subsistenzproduktion, die nicht Nutzenmaximierung zum Ziel hat, sondern durch Risikominimierung, Risikovermeidung gar, charakterisiert ist. Und gerade für diese Gruppen von Menschen ist die Vielfalt traditioneller Sorten lebensnotwendig.
Die neuen Sorten, die oft von Konzernen aus den Industrieländern in den armen Ländern eingeführt werden, sind zwar ertragreicher. Aber sie sind auch anfälliger für klimatische Schwankungen und Krankheiten. Außerdem können Bauern oftmals kein eigenes Saatgut für sich ziehen. Ein einziges schlechtes Jahr kann schon dafür sorgen, dass Bauern aufgeben müssen und in die Stadt ziehen, um zu überleben, was die Ernährungslage dann insgesamt verschärft. Die Welthungerhilfe will die Gentechnik nicht grundsätzlich verdammen, aber sie appelliert an die Politik, mehr Geld dafür auszugeben, um die tatsächlichen Folgen dieser neuen Technik auf die Entwicklungsländer besser zu erforschen. Schützenhilfe hat sich die Nichtregierungsorganisation bei der Bundesregierung geholt: Der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger, hat sich ebenfalls den Erhalt biologischer Vielfalt zum Ziel gemacht:
Sie müssen sich überlegen, dass etwa die Hälfte der Kalorien, die die Menschen auf der Erde zu sich nehmen, zur Zeit von drei Pflanzen stammen: Von Weizen, von Mais und von Reis. Und wenn man dazu noch Soja als eine Pflanze nimmt, die gerade in der Tierhaltung als Futtermittel eine enorme Bedeutung hat, dann ist das schon eine sehr deutliche Verarmung, die wir hier zu verzeichnen haben, es gibt etwa 30.000 bekannte Arten, die Menschen essen könnten, die sie zur Grundlage ihrer Ernährung verwenden könnten und Schätzungen zufolge werden ungefähr 7.000 genutzt.
Aber das ist nicht die einzige fatale Auswirkung moderner, industrieller Landwirtschaft auf die Ernährungssicherheit. Auch die Praxis unserer reichen Länder, die eigene Landwirtschaft zu subventionieren, dann die Überschüsse billig in die Dritte Welt zu verkaufen, hat verhängnisvolle Folgen: Die Bauern vor Ort können gegen diese billigen Preise nicht konkurrieren und werden ihrer Lebensgrundlage beraubt:
Wie die Subventionierung der industrialisierten Landwirtschaft heute aussieht, da kann man positiv vermerken, dass die Subventionen zurückgegangen sind in den letzten Jahren. Aber es ist immer noch so, dass man sagen kann: Grob handelsverzerrend geben die Industrieländer rund 190 Milliarden US$ für Subventionen aus, das ist dreimal mehr als die gesamte Entwicklungshilfe.
Kein Wunder, dass sich Berninger und seine Ministerin, Renate Künast, auf internationalem Parkett nicht selten für Agrarsubventionen rechtfertigen müssen, dies, ohne selbst dafür zu sein: Das Verbraucherministerium will eigentlich kein Geld mehr dafür ausgeben, dass überschüssige Lebensmittel zu Dumping-Preisen auf die Märkte der Dritten Welt geworfen werden.
Die Welthungerhilfe bestreitet gar nicht, dass die grüne Gentechnik in der Lage ist, höhere Erträge zu erzeugen und dass sie auch punktuell dafür sorgen könnte, dass die Ernährungssicherheit in bestimmten Entwicklungsländern erhöht wird. Aber: Dies ist nur eine Seite der Medaille: Die moderne, industrielle Landwirtschaft bedroht auf vielfältige Weise die Kleinbauern in ihrer Existenz. Und die sind nach wie vor in vielen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas trotz ihrer vergleichsweise geringen Erträge eine Säule der Ernährung für viele. Ein Grund für die Bedrohung traditioneller Landwirtschaft durch die moderne ist der Verlust der biologischer Vielfalt: Oft ist das Überleben unter schwierigen Bedingungen nur mit besonderen, angepassten Pflanzensorten möglich. Die Welthungerhilfe sieht sich als Anwältin besonders der Kleinbauern, deshalb nimmt deren Generalsekretär, Hans-Joachim Preuß, den morgigen Welternährungstag zum Anlass, um darauf aufmerksam zu machen, dass hoch gezüchtete und genetisch veränderte Sorten zahlreiche einheimische verdrängen, und das hat Folgen:
Viele Kleinbauern haben - und das ist nicht unbedingt ihrer eigenen Tugend geschuldet, sondern auch oft der Not, weil sie nicht über ausreichend Ressourcen verfügen - diese Kleinbauern haben keinen Zugang zu modernen Agrartechnologien. Und zur Überlebenssicherung bleibt ihnen lediglich die Subsistenzproduktion, die nicht Nutzenmaximierung zum Ziel hat, sondern durch Risikominimierung, Risikovermeidung gar, charakterisiert ist. Und gerade für diese Gruppen von Menschen ist die Vielfalt traditioneller Sorten lebensnotwendig.
Die neuen Sorten, die oft von Konzernen aus den Industrieländern in den armen Ländern eingeführt werden, sind zwar ertragreicher. Aber sie sind auch anfälliger für klimatische Schwankungen und Krankheiten. Außerdem können Bauern oftmals kein eigenes Saatgut für sich ziehen. Ein einziges schlechtes Jahr kann schon dafür sorgen, dass Bauern aufgeben müssen und in die Stadt ziehen, um zu überleben, was die Ernährungslage dann insgesamt verschärft. Die Welthungerhilfe will die Gentechnik nicht grundsätzlich verdammen, aber sie appelliert an die Politik, mehr Geld dafür auszugeben, um die tatsächlichen Folgen dieser neuen Technik auf die Entwicklungsländer besser zu erforschen. Schützenhilfe hat sich die Nichtregierungsorganisation bei der Bundesregierung geholt: Der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger, hat sich ebenfalls den Erhalt biologischer Vielfalt zum Ziel gemacht:
Sie müssen sich überlegen, dass etwa die Hälfte der Kalorien, die die Menschen auf der Erde zu sich nehmen, zur Zeit von drei Pflanzen stammen: Von Weizen, von Mais und von Reis. Und wenn man dazu noch Soja als eine Pflanze nimmt, die gerade in der Tierhaltung als Futtermittel eine enorme Bedeutung hat, dann ist das schon eine sehr deutliche Verarmung, die wir hier zu verzeichnen haben, es gibt etwa 30.000 bekannte Arten, die Menschen essen könnten, die sie zur Grundlage ihrer Ernährung verwenden könnten und Schätzungen zufolge werden ungefähr 7.000 genutzt.
Aber das ist nicht die einzige fatale Auswirkung moderner, industrieller Landwirtschaft auf die Ernährungssicherheit. Auch die Praxis unserer reichen Länder, die eigene Landwirtschaft zu subventionieren, dann die Überschüsse billig in die Dritte Welt zu verkaufen, hat verhängnisvolle Folgen: Die Bauern vor Ort können gegen diese billigen Preise nicht konkurrieren und werden ihrer Lebensgrundlage beraubt:
Wie die Subventionierung der industrialisierten Landwirtschaft heute aussieht, da kann man positiv vermerken, dass die Subventionen zurückgegangen sind in den letzten Jahren. Aber es ist immer noch so, dass man sagen kann: Grob handelsverzerrend geben die Industrieländer rund 190 Milliarden US$ für Subventionen aus, das ist dreimal mehr als die gesamte Entwicklungshilfe.
Kein Wunder, dass sich Berninger und seine Ministerin, Renate Künast, auf internationalem Parkett nicht selten für Agrarsubventionen rechtfertigen müssen, dies, ohne selbst dafür zu sein: Das Verbraucherministerium will eigentlich kein Geld mehr dafür ausgeben, dass überschüssige Lebensmittel zu Dumping-Preisen auf die Märkte der Dritten Welt geworfen werden.