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Mit Kettenhemden gegen Elektrosmog

Technik. - Elektromagnetische Wellen von Mikrowellenöfen, Handys und anderen elektrischen Geräten durchdringen unsere Welt seit langem und immer mehr. Dabei können wachsende Zweifel an der Ungefährlichkeit dieser Strahlen nicht endgültig zerstreut werden. Nach dem Motto "Vorsorge ist besser als Nachsicht" entwickeln jetzt Unternehmen für den Zukunftsmarkt auch Kleidung, die vor dem penetranten Strahlenbeschuss schützen soll.

06.02.2001
    Nur zwei Abwehrmaßnahmen greifen zuverlässig gegen elektromagnetische Strahlung: Abschalten der Quelle oder Flucht in einen so genannten Faradayschen Käfig - eine Hülle aus Blech, die die Wellen völlig ableitet. Doch angesichts dieses Aufwandes und der Allgegenwärtigkeit der unsichtbaren Gefahr suchen interessierte Kunden und Forscher nach Alternativen, die zumindest einen teilweisen Schutz bieten. Einige Lösungen dazu präsentierte die weltgrößte Modemesse "Collections Premieren Düsseldorf" (CPD), die heute zu Ende ging.

    Die strahlenschluckenden Textilien greifen ebenfalls auf das Käfigprinzip Faradays zurück, indem Metallfäden in den Stoff eingewoben werden. Eine besonders intelligente Idee des Institutes für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf setzt gleich auf die Kombination verschiedener Materialien zu einem Hightech-Zwirn: "Dabei wird ein feiner Kupferdraht mit Silber ummantelt und schließlich mit Baumwollfasern umsponnen - die daraus gefertigten Gewebe lassen diesen Inhalt nicht erahnen, wenn man sie fasst oder trägt", erläutert Institutsmitarbeiter Thomas Stegmeier. Von der Gardine bis zu Arbeitsoveralls können daraus aller erdenklichen Textilien hergestellt werden.

    Die Schutzwirkung derartiger Produkte richtet sich immer nach der Stärke der Strahlungsquelle und erfordert entsprechende Gegenzauber. Bei besonders starken Feldern bevorzugen Forscher mit Plasma behandelte Kupferschichten oder etwa die Einarbeitung größerer leitfähiger Systeme in Hochfrequenz-Schutzanzüge für Hochspannungsarbeiten, erklärt Stegmeier. Reichen teilweise Abdeckungen von Körperpartien nicht mehr aus, kann mit elektrisch untereinander verbundenen Handschuhen Jacken Hosen und Mützen sogar ein vollständiger und mobiler Faradayscher Käfig erzeugt werden. Ist diese Lösung doch etwas unbequem, so erzielen einfach "verdrahtete" Textilien eine immerhin schon beachtliche Dämpfung des Elektrosmogs: "Metalldurchwobene Stoffe fangen so zwischen 80 bis 99 Prozent der Strahlung ab", berichtet Stegmeier.

    [Quelle: Mirko Smiljanic]