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Mit Pflanzenöl über den Acker

Technik. – Nicht mit Ölbohrplattformen, sondern mit dem Mähdrescher könnte Mecklenburg -Vorpommern bald in die Riege der OPEC-Staaten aufsteigen. Dann nämlich, wenn dort im großen Stil Raps zur Treibstoffgewinnung angebaut werden sollte. Doch zunächst muss untersucht werden, ob der Pflanzensprit auch hinreichend verträglich für Motoren ist. Dazu dient das so genannte 100-Traktoren -Demonstrationsprojekt der Fachagentur ''Nachwachsende Rohstoffe'', das in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verbraucherschutz durchgeführt wird. Erste Zwischenergebnisse zum Stand des Vorhabens wurden heute in Berlin vorgestellt.

    Mitte Mai werden weite Teile von Mecklenburg-Vorpommern in knalliges Gelb getaucht, denn dann steht der Raps in Blüte. Die Pflanze gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Nutzung als nachwachsender Treibstoff. Der geerntete Raps wird gepresst und so genanntes Trüböl gewonnen, das gereinigt auch als Kraftstoff dienen kann. Bislang allerdings nutzen nur wenige Landwirte das Pflanzenöl als Energielieferanten in ihren Traktoren. Hendrik Rothermann ließ sich dennoch nicht abschrecken und entschloss sich zum Test: "Eine der Voraussetzungen zur Teilnahme am Programm war die Neuanschaffung und Umrüstung eines Traktors. Die Kosten wurden dabei teilweise durch das Projekt gefördert." Unterstützt wurde der Geschäftsführer der Landboden Glasin Betriebs-GmbH dabei auch durch Experten vom Institut für Energie- und Umwelttechnik der Universität Rostock . Seit fast zwei Jahren begleiten die Rostocker Ingenieure mit ihren Kenntnissen die 110 Traktoren, die bereits mit Rapsöl fahren. "Die Idee ist dabei eine dezentrale Energieversorgung, bei der die Landwirte selbst Raps anbauen, ernten und daraus ebenfalls dezentral Öl gewinnen, statt es von großen Ölgesellschaften zu beziehen", erläutert Diplom Ingenieur Volker Wichmann.

    Insgesamt sechs Umrüster aus dem gesamten Bundesgebiet passten dazu die Testvehikel an den neuen Treibstoff an. Dabei verfolgen die technischen Maßnahmen unterschiedliche Ansätze. Während manche Betriebe lediglich die Einspritzdüsen auswechseln, tauschen andere wesentlich mehr Teile in den Aggregaten – mit direkter Auswirkung auf die entstehenden Kosten. Doch den hierfür anfallenden bis zu 10.000 Euro je Motor steht ein Preis für den Biosprit entgegen, der in den vergangenen Jahren fast immer günstiger ausfiel als für Diesel. Das 100-Traktoren-Demonstrationsprojekt gilt als entscheidend für die Frage, welche Strategie zukünftig bei dem Einsatz von Bioölen als Kraftstoffersatz verfolgt werden soll. Ein Punkt dabei ist, ob die Motoren an den Treibstoff angepasst werden sollten oder ob vielmehr der Rapsdiesel verbessert werden muss. Immerhin ist der energiereiche Pflanzenkraftstoff durchaus vergleichbar mit herkömmlichem Diesel, so Wichmann: "Der so genannte untere Heizwert von Rapsöl ist nur sechs Prozent niedriger als bei Diesel und damit für die Verwendung in Fahrzeugen bestens geeignet."

    Ulrike Schümann, ebenfalls vom Institut für Energie- und Umwelttechnik, beschäftigt sich mit den inneren Werten des alternativen Energieträgers. So hänge die Qualität des Biodiesels von der Rapssorte ab, aber auch von Witterung, Düngung, Reinigung und Pressung der Pflanzen. Dabei sollte der Phosphor- und Wassergehalt soll möglichst gering sein: "Das Rapsöl sollte möglichst wenige freie Fettsäurenenthalten, um Korrosion in den Aggregaten zu vermeiden. Damit das Rapsöl lange gelagert werden kann, muss überdies eine gewisse Oxidationsstabilität gegeben sein. Schließlich sollte die Verschmutzung durch Fremdstoffe gering sein, um Ablagerungen zu vermeiden." Zwar existiere eine Industrie-Norm dazu noch nicht, doch der Qualitätsstandard für Rapsölkraftstoff 5/2000 vom landtechnischen Institut Weihenstephan der TU München gibt die Grundkriterien vor. Neben den umwelttechnischen Vorteilen scheint sich der Biodiesel auch in der Praxis gut zu bewähren, resümiert Volker Wichmann: "Die Untersuchungen laufen besser als erwartet. Die Ausfälle sind relativ gering und es sind alle 110 teilnehmenden Traktoren noch immer am Projekt beteiligt." Die Zahl der schweren Störungen liege weit unter zehn Prozent.

    [Quelle: Axel Flemming]