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StartseiteHintergrundMit Spritzen zu Spitzenwerten05.07.2008

Mit Spritzen zu Spitzenwerten

Wie sauber ist der Radsport ein Jahr nach dem Dopingskandal

Die Tour de France rollt wieder, doch einigen Fans mag das Zuschauen nach dem Dopingskandal im vergangenen Jahr verleidet worden sein. Vor allem, weil sich vermutlich wenig geändert hat: Gedopt wird im Radsport noch immer.

Von Heinz Peter Kreuzer

Sie fahren wieder: Die 95. Tour de France ist gestartet.  (AP)
Sie fahren wieder: Die 95. Tour de France ist gestartet. (AP)
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Einst hieß sie ehrfurchtsvoll Tour der Leiden - heute nennt man sie Tour de Farce, denn zahlreiche Dopingskandale haben der Tour de France ihren Nimbus genommen. Die diesjährige Frankreich-Radrundfahrt, die am Samstag gestartet wurde, ist nicht nur durch Zweifel überschattet, ob alle Fahrer mit fairen Mitteln um Sieg- und Siegprämien kämpfen, sie ist auch überschattet durch Inkompetenz und Imageprobleme: Mannschaften suchen nach neuen Sponsoren, Wissenschaftler streiten über die Zuverlässigkeit von Nachweismethoden im Kampf gegen das Doping. Und es gibt noch ein weiteres Problem, mit dem der Profi-Radsport zu kämpfen hat. Hans Michael Holczer, der Manager des Teams Gerolsteiner bringt es auf den Punkt.

"Der Streit zwischen den wichtigen Leuten im Radsport zwischen den Organisatoren und dem Verband, der UCI, der scheint im Moment zu eskalieren, das ist das Problem des Profiradsports Nummer eins."

Die Krise zwischen dem Tourveranstalter Amaury Sport Organisation, kurz ASO genannt, und dem Radsport-Weltverband UCI birgt Risiken für die Tour de France. Im vergangenen Jahr hatten sich beide Parteien über den Umgang mit Dopingverdächtigen und die Qualität der Kontrollen gestritten. Jetzt ist das Tischtuch endgültig zerschnitten, weil die ASO die Anti-Doping-Politik der UCI für unzureichend hält. Auf Grund des mangelnden Vertrauens arbeitet der Tour-Veranstalter wie schon bei der Radfernfahrt Paris - Nizza mit dem französischen Radsportverband und der nationalen Anti-Doping-Agentur zusammen. ASO-Direktor Christian Prudhomme:

"Ganz ehrlich, vor Ort bei der Tour werden sie keine Veränderung bemerken. Das haben sie doch schon im März bei der Tour Paris - Nizza festgestellt, die auch unter dem Dach des französischen Verbandes ablief mit unserer Nationalen Anti-Doping-Agentur, die für die Kontrollen zuständig war. Das lief sehr gut und sehr transparent."

Die fehlende Zusammenarbeit mit dem Radsport-Weltverband UCI kann für den Tour-Veranstalter jedoch fatale Folgen haben. Die UCI verlangt jetzt einen Blutpass. In einem bestimmten Zeitraum müssen die Fahrer sechs Blutproben abgeben, mit denen ein Profil erstellt wird. Bei auffälligen Abweichungen kann innerhalb von zwei Monaten ein Verfahren eröffnet werden. Der Sportler wird für diese Zeit gesperrt. Der Präsident des Bund Deutscher Radfahrer, BDR, Rudolf Scharping feierte dieses Ergebnis des Anti-Doping-Gipfels in Paris so:

"Der Startschuss ist ja gefallen, aber das Rennen ist noch nicht bestanden. Man muss ja noch ans Ziel kommen. Ich bin allerdings guten Mutes, dass wir das schaffen werden, denn alle Beteiligten haben sich durch dieses Event so unter Druck gesetzt, dass sie ein Scheitern nicht riskieren dürfen."

Der Streit zwischen dem Tourveranstalter ASO und dem Radsport- Weltverband UCI fordert ein Scheitern geradezu heraus. Wirtschaftlich gesehen ist die Tour de France zwar ein so bedeutendes Ereignis, dass die Ausrichter auch beim Status einer nationalen Veranstaltung keine finanziellen Einbußen fürchten müssen. In anderer Hinsicht warnt Felix Bordry, Chef der französischen Anti-Doping-Agentur:

" Der Chef der UCI hat mir gesagt, dass keine Informationen des Radsport-Weltverbandes an eine nationale Veranstaltung weitergegeben werden. Bei der Tour de France gibt es keine Informationen aus dem Blutpass."

Auf der anderen Seite deutete Anne Gripper, die Anti-Doping-Beauftragte der UCI, schon im Mai an: Bei 23 Fahrern gebe es Auffälligkeiten. Wenn der Weltverband jetzt während der Tour de France die Namen von verdächtigen Sportlern veröffentlicht, hätte dies für den Verband eine sehr pr-trächtige Wirkung, für die Veranstalter dagegen fatale Folgen. Denn ein Dopingskandal würde den anderen jagen.

Eine Chronik des Jahres 2007:

Am 15. Juli übernimmt der des Dopings verdächtige Michael Rasmussen nach der 8. Etappe das Gelbe Trikot des Spitzenreiters. Der Däne war mehrfach bei unangemeldeten Kontrollen nicht anzutreffen gewesen, weil er seinen Aufenthaltsort nicht bekannt gegeben hatte.

Drei Tage später wird bekannt, dass eine Trainingskontrolle des T-Mobile-Fahrers Patrik Sinkewitz vom 8. Juni positiv war. Der 26-Jährige wird des Testosteron-Dopings überführt. Sein Arbeitgeber suspendiert ihn, die beiden öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF stellen die Übertragungen von der Tour de France ein.

Am 23. Juli suspendiert der dänische Radsport-Verband Tour-Spitzenreiter Michael Rasmussen aus der dänischen Nationalmannschaft. Einen Tag später wird der Kapitän des Team Astana, Alexander Winokurow, des Blutdopings überführt. Die Probe stammt von seinem Etappensieg beim Einzelzeitfahren am 21. Juli. Daraufhin steigt Astana aus der Tour de France aus. Astana-Teamchef Marc Biver:

"Das ist nicht sehr angenehm, aber im Leben gibt es Hochzeiten und Beerdigungen. Diese Nachricht von Winokurows positiver Dopingprobe ist wie eine Beerdigung."

Die Skandale reißen auch danach nicht ab. Am 25. Juli wird dem Italiener Christian Moreni vom Cofidis-Team ebenfalls Testosteron-Doping nachgewiesen. Er wird noch im Zielraum verhaftet. Daraufhin zieht Cofidis die komplette Mannschaft zurück.

Am selben Abend nimmt Rabobank Michael Rasmussen aus dem Rennen. Nach der 17. Etappe übernimmt der spätere Sieger Alberto Contador das Gelbe Trikot. Der Spanier ist ebenfalls des Dopings verdächtigt. Im Rahmen der Operacion Puerto taucht sein Name auf einer Liste des Doping-Arztes Eufemiano Fuentes auf.

Aus Angst vor weiterem Image-Schaden haben die Tour-Organisatoren in diesem Jahr vorgesorgt: höchst verdächtige Athleten und Teams wurden bei der 95. Auflage der Frankreich-Rundfahrt nicht zugelassen. So ist zum Beispiel Titelverteidiger Alberto Contador zum Zuschauen verurteilt, weil sein Team Astana auf der schwarzen Liste steht. ASO-Direktor Christian Prudhomme.

"Wir werden unsere Entscheidung nicht rückgängig machen. Wir haben nichts persönlich gegen Alberto Contador, er ist der Titelverteidiger. Nein, wir begründen unsere Entscheidung mit dem Verhalten der Mannschaft 2007 und 2006. Das hat der Tour de France und dem Radsport allgemein großen Schaden zugefügt."

Der Spanier Contador ist Kapitän der derzeit wohl stärksten Mannschaft, dem Team Astana. Neben dem Spanier fehlen in diesem Jahr auch der Deutsche Andreas Klöden und der Drittplazierte des vergangenen Jahres, der US-Amerikaner Levi Leipheimer. Die Mannschaft war alleine im vergangenen Jahr mit den drei Dopingfällen Matthias Kessler, Alexander Winokurow und Andrej Kasheshkin während der Tour aufgefallen.

Ein weiterer Fall ist der Sprinter Tom Boonen. Der Gewinner des Grünen Trikot von 2007 war im Frühjahr mit Kokain erwischt, aber nicht gesperrt worden. Der Belgier muss ebenfalls in diesem Jahr zuschauen.

Andere Rad-Profis können trotz Dopingverdächtigung starten, zum Beispiel der Tour-Favorit Alejandro Valverde. Gegen ihn haben die spanischen Ermittlungsbehörden im Rahmen der Operacion Puerto zwar die Ermittlungen eingestellt, doch das Italienische Nationale Olympische Komitee hat sich die Akten von Valverde zukommen lassen. Im schlimmsten Fall droht ihm nun eine Verhaftung, wenn der Tour-Tross bei der 15. Etappe in Italien Station macht.

Schlechte Karten haben auch die Kronzeugen im Dopingskandal des vergangenen Jahres: So wurden die Strafen für die Deutschen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewiecz, die gegenüber den Behörden und Verbänden ausgepackt haben, zwar reduziert und auch die bei Dopingfällen im Radsport übliche 2 plus 2- Strafe wurde bei ihnen nicht angewendet, die besagt, dass nach der zweijährigen Dopingsperre innerhalb der folgenden zwei Jahre kein Top-Team Doping-Sünder verpflichten darf. All das ist ihnen aufgrund ihrer Geständnisse erspart geblieben, doch in der Radsport-Szene sind sie nun unerwünschte Personen. Ihr Anwalt Michael Lehner.

"Ich habe manchmal den Eindruck, dass diejenigen, die es angeht, also die Fahrervereinigung, die ASO, manchmal auch die UCI, kennen ihr eigenes Reglement nicht und gucken gar nicht rein. Man hat ja ganz vorausschauend im Ethikcode der UCI-Teams geregelt, wer nach 266 des UCI-Reglements, das ist die Kronzeugenregelung, nur bestraft wurde, der bekommt eben nicht die 2 plus 2- Sperre, das heißt, er ist willkommen, und trotzdem wagt man nicht einmal eine Freistellungsbescheinigung herauszugeben."

In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung beschreibt Jörg Jaksche, der geständige Dopingsünder, seine Situation folgendermaßen:

Es ist einfach so, dass es in der Szene große Vorbehalte gegen meine Person gibt. Ich bin für viele der große Nestbeschmutzer, der die Omerta, das Schweigegelübde, gebrochen hat und damit gegen die ehernen Gesetze des Radsports verstoßen hat. In den Augen mancher Teamchefs habe ich den Radsport schlicht verraten. Ja, ich habe das Gefühl, dass die Omerta zurzeit wieder stärker geworden ist. Der Radsport bekommt sehr viel Druck von außen, und alle wissen, dass weitere Dopinggeständnisse schlimme Folgen haben könnten. Von daher gibt es ein natürliches Interesse daran, dass niemand auspackt. Dass sich ein Fall Jaksche oder Sinkewitz nicht wiederholt.

Der Tour de France-Sieger von 1996 und heutige Teamchef Bjarne Rijs habe ihm dies schon im vergangenen Jahr angedroht, erzählte der Arztsohn im Deutschlandfunk.

"Er hat mir am Telefon gesagt, ich kann dir nur eins sagen, wenn du an die Öffentlichkeit gehst, dann kommst Du nicht mehr zurück in den Radsport, dann ist es vorbei. Ich weiß nicht, was seine Absicht war, das er mir das gesagt hat. Ich habe es trotzdem gemacht, da bin ich nicht so, das ich mir von Bjarne Rijs die Welt erklären lasse."

Jörg Jaksche hat mittlerweile seinen Rücktritt erklärt. Bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt arbeitet er als Experte für das ZDF. Dabei hätte ein Engagement für einen Sponsor Vorteile, meint Anwalt Lehner.

"Für Sponsoren, für ein Produkt, wäre es überhaupt nicht schlecht, sogar positiv, zu sagen, wir setzen nicht auf den alten Radsport, wir sind beim Sport, aber mit denjenigen, die es eben neu machen wollen."

Beim Thema Sponsoring sieht auch Stephan Schroeder, Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen Sport+Markt, neue Potentiale. Die momentane Situation beschreibt er so:

"Nach den Ereignissen der letzten Radsport-Saison sind natürlich viele Sponsoren ausgestiegen, weil sie auch enttäuscht waren, und natürlich auch ein bisschen desillusioniert. Auf der anderen Seite ist Radsport weiterhin eine Sportart die gerade in Deutschland noch immer große Reichweiten erzielt, immer noch viele Anhänger hat und die Tour de France bleibt ein Top-Event, wenn auch nicht auf dem Niveau des letzten Jahres. Und das führt dazu, dass in den letzten Wochen doch einige Sponsoren wieder in das Radsport-Thema eingestiegen sind. Dazu muss man aber auch sagen, die Preise sind ziemlich gesunken."

So hat beispielsweise T-Mobile sein Engagement im Radsport beendet. Mutterkonzern Telekom hatte zuletzt geschätzte elf Millionen Euro in seine Mannschaft investiert. Mittlerweile sind die Preise für die Sponsoringpakete bis auf die Hälfte gesunken, schätzt Schröder.

Statt Magenta werden die Zuschauer in diesem Jahr ein dunkles Blau sehen. Denn T-Mobile-Nachfolger High Road hat pünktlich zum Tour-Start den Sponsor Columbia, einen Sportartikelhersteller aus den USA, verpflichtet. Der deutsche Konkurrent Team Gerolsteiner muss jetzt die Tour de France als Schaulaufen nutzen. Er hofft auf einen Glücksgriff wie die dänische Bank Saxo, die beim Konkurrenten CSC einsteigt. Manager Holczer:

"Wenn ich mir anschaue, wie schnell CSC einen Sponsor gekriegt hat, das waren etwa starke vier Wochen, dann bin ich in gewisser Weise erleichtert, weil ich weiß, wenn es jetzt noch klappt, und viele der Fachleute und der Interessenten sagen, man muss die Tour abwarten wie sie läuft. Zum anderen, die Tour sensibilisiert die Leute für das Thema Radsport, dann habe ich noch ein Stück Hoffnung, dann funktioniert es schnell."

Der Namensgeber Gerolsteiner wird sein Engagement nach dieser Saison beenden. Ein neuer Geldgeber kann dann voraussichtlich zu weit günstigeren Konditionen einsteigen.

Dass die neuen Sponsoren sich mit dem Thema Doping auseinandersetzen werden, davon ist Stephan Schroeder, Geschäftsführer beim Beratungsunternehmen "Sport+Markt" überzeugt.

"Also ich glaube schon, dass sich die Sponsoren, die jetzt eingestiegen sind, sich dem Thema Doping ganz anders nähern. Ich hoffe es wenigstens. Das die, wenn sie einsteigen, ihnen klar sein muss, sie müssen sich mit dem Thema Doping und Anti-Dopingkampf auseinandersetzen. Ansonsten sind sie ehrlich gesagt ein wenig naiv. Auf der anderen Seite muss man sagen, richtig viele kreative Sponsoren gibt es nicht, die das Thema Doping aus meiner Sicht kreativ aufgreifen."

Auf Grund der Imagepflege müssen die Unternehmen jetzt umdenken. Dagegen hält die deutsche Politik an ihrer laschen Einstellung in Sachen Anti-Doping-Kampf fest. Anders als in Frankreich, wo das Parlament Doping im Gesetz verankert hat und Missbrauch mit Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren verfolgt. Ähnliche Gesetze gibt es auch in Italien und Spanien.

In Deutschland geht die Politik nur zögerlich gegen Doping vor. Zwar wurde das Arzneimittelgesetz im Hinblick auf den Medikamentenmissbrauch verschärft, aber ein Anti-Doping-Gesetz, dass den Sportbetrug verfolgt, wurde nicht verabschiedet.

Und der Bund Deutscher Radfahrer BDR muss trotz verschiedener Versäumnisse kaum Sanktionen fürchten. Winfried Herrmann, Sportsprecher der Grünen.

"Es gab eine Kommission aus dem Innenministerium die die Verabreichung der Mittel und die Umsetzung der Regularien der Mittelvergabe und Mittelverwendung untersucht hat. Und dabei ist herausgekommen, dass der Bund Deutscher Radfahrer eben annähernd die Auflagen erfüllt, die das Innenministerium bei der Mittelvergabe erwartet. Das ist kritisiert worden. Da ist auch einiges korrigiert worden, da muss man sagen, der BDR hat am längsten gebraucht, bis er die Anforderungen umgestellt hat. Er hat sich lange geziert und hat auch bis zum heutigen Tag noch nicht alle Punkte umgesetzt."

Trotzdem erhält der Bund Deutscher Radfahrer BDR die komplette Förderung von rund 2,5 Millionen Euro per anno.. Zwar hatte das Bundesinnenministerium am 7. Februar dieses Jahres Auflagen gestellt, die bis Ende März erfüllt werden mussten. Doch obwohl diese nicht komplett erfüllt wurde, wurde das Geld bewilligt. Winfried Hermann, der Sportsprecher der Grünen im Bundestag:

"Zum Beispiel ist einer der verpflichtenden Punkte, dass man dem Innenministerium einen Anti-Doping-Bericht vorlegt, also nachweist, wie man den Kampf gegen Doping im eigenen Verband führt, welche Maßnahmen man ergreift, welche Erfolge man erzielt hat. Ein solcher Bericht liegt bis zum heutigen Tag nicht vor. Es ist die gleiche Grundhaltung: wir werden nicht ganz scharf durchgreifen, denn wir könnten ja auch noch die Falschen treffen."

Eine volle Förderung trotz nachweislich schlampigen Anti-Doping-Kampfs? Die vollständige Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit durch den BDR hat bislang nicht stattgefunden. Im vergangenen Sommer gründete der Verband zwar eine Kommission, die nach den Dopinggeständnissen der Telekom-Fahrer all dies aufarbeiten sollte. Wegen fehlender Finanzmittel und dem Streit mit BDR-Präsident Scharping löste sich die Kommission jedoch wieder auf. Trotzdem reagierte die Politik nicht.

Auch das Beispiel der Straßenrad-Weltmeisterschaften 2007 in Stuttgart zeigt, wie inkonsequent verfahren wird.

Das Bundesinnenministerium zahlte den Zuschuss in Höhe von 150 000 Euro nicht an den BDR, sondern an die Stadt Stuttgart. Die leitete den Betrag an den Verband weiter.

Der Grünen-Sportpolitiker Winfried Herrmann dazu:

"Die ganze Rad-WM war unter dem Gesichtspunkt "wir tun was gegen Doping" außerordentlich dilettantisch gemacht. Und zwar deswegen dilettantisch gemacht, weil die Stadt Stuttgart sich frühzeitig beworben hat und zwar völlig unpolitisch im Sinne von nicht nachgedacht, welches politische Risiko sie hat, wenn man diese Sportart holt und nicht daran gedacht, dass diese Sportart wirklich schwer dopingbelastet ist. Und in ihren ganzen Verträgen auch nicht abgesichert hat, dass sie aussteigen kann, dass sie Leute ausschließen kann, dass sie da ein Mitspracherecht hat."

Zu der Dauerfehde der Funktionäre und dem Zögern der Politiker kommt jetzt noch die Uneinigkeit bei den Wissenschaftlern. Die streiten über die Zuverlässigkeit verschiedener Dopingverfahren. Schwedische Forscher behaupteten, der Test auf Testosteron sei unzuverlässig. Professor Mario Thevis vom Zentrum für Präventive Dopingforschung in Köln meint, dies sei eine uralte Diskussion. Es stimme, je nach ethnischer Herkunft habe der Mensch unterschiedliche Testosteron-Werte, trotzdem könne man mit einem weiterentwickelten Verfahren Doping nachweisen.

"Da das Problem allerdings bekannt ist und das Profil nicht nur auf dem Testosteron zu Epotestosteron-Quotienten basiert, sondern mehrere Parameter mit einbezieht, und eine Bestätigungsmethode, die körpereigenes und körperfremdes Testosteron unterscheiden kann, diesen Unterscheid auf jeden Fall aufzeigen würde, sind wir hier sicherlich begrenzt in unseren Möglichkeiten, aber mit Sicherheit nicht vor ein Problem gestellt worden, was wir nicht lösen können."

Zuletzt hatte ein Team des Kopenhagener Zentrums für Muskelforschung die derzeit angewendete Methode zum Nachweis von Epo als unzuverlässig bezeichnet. Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Kölner Doping-Kontroll-Labors, wehrt sich dagegen und unterstellt eine völlig falsche Interpretation.

"Im Grunde sind unsere Daten, wie wir sie berichtet haben, nicht richtig berücksichtigt worden. Und das hätte man alles durch eine einfache Rückfrage klären können Unsere Daten bestätigen einfach das gleiche wie das andere Labor. Und zudem noch mit einer anderen Methode. Es sind hier ganz klar wissenschaftliche Fehler gemacht worden."

Fazit: So lange die Politik, Sportfunktionäre und Wissenschaftler nicht einen gemeinsamen Weg in der Dopingbekämpfung finden, wird alles beim alten bleiben. Pünktlich zum Start der Tour de France wird wohl wieder eine Dopingdiskussion ausbrechen.

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