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StartseiteSport am WochenendeMit versteckter Kamera23.12.2010

Mit versteckter Kamera

Beweise für Armstrong-Doping aus dem Kühlschrank?

Die Dopingfahnder sind dicht auf den Spuren von Lance Armstrong: Die Zusammenarbeit zwischen Armstrong ehemaligen Teamgefährten Floyd Landis und Dopingfahnder Jeff Novitzky bringt nun auch Armstrongs ehemalige Geschäftspartner in der Managementfirma Tailwind erheblich unter Druck.

Von Jürgen Kalwa

Der US-amerikanische Radprofi Lance Armstrong, hier bei der Tour de France 2010. (AP)
Der US-amerikanische Radprofi Lance Armstrong, hier bei der Tour de France 2010. (AP)

Wenn man als staatlicher Ermittler die Bausteine für eine stabile Anklage zusammentragen muss, darf man keine Mühe scheuen, um wichtige Beweismittel zu besorgen. Der amerikanische Dopingfahnder Jeff Novitzky wühlte zum Beispiel bei seinem ersten großen Fall, dem BALCO-Skandal, nachts durch den Müll des Unternehmens. Was er entdeckte, reichte für einen Hausdurchsuchungsbefehl und der wiederum zu jenen Vernehmungen unter Eid, die nicht nur den Firmenbesitzer in Schwierigkeiten brachten, sondern auch namhafte Sportler wie Marion Jones.

In seinem neuesten Fall muss sich Novitzky nicht mehr selbst die Hände schmutzig machen. Das liegt an der Bereitschaft von Menschen wie Floyd Landis, ihm einen Teil der Arbeit abzunehmen. Auf welche Weise, darüber berichtete vor ein paar Tagen erstmals die Zeitung "New York Daily News”: Danach soll der 35-jährige einstige Armstrong-Domestike im Frühjahr zu Gesprächen mit dem Besitzer des amerikanischen Rennstalls "Rock Racing” eine kleine versteckte Videokamera und ein Mikrofon getragen haben. In der Wohnung in einem Vorort von Los Angeles nahm Landis in einem unbeobachteten Moment sogar den Inhalt des Kühlschranks auf. Er filmte die Etiketten von Dopingsubstanzen. Novitzky bekam vom Richter den erhofften Hausdurchsuchungsbefehl, bei dem die Mittel beschlagnahmt werden konnten.

Die Geschäfte von "Rock Racing” waren für die Staatsanwaltschaft vermutlich nie mehr als nur Puzzlestücke in dem Mosaik, bei dem es um die Frage geht, ob ein von der amerikanischen Post zwischen 1998 und 2004 finanziertes und von Lance Armstrong angeführtes Radsport-Team systematisch gedopt war. Dazu gehörten Vernehmungen von ehemaligen und aktiven Fahrern und Physiotherapeuten. Aber nicht nur solche potentiellen Mitwisser werden seit Monaten befragt. Das Wall Street Journal berichtete in der vergangenen Woche erstmals darüber, dass inzwischen eine ganze Reihe von wohlhabenden Geschäftsleuten ins Fadenkreuz geraten ist. Die ambitionierten Radsportamateure hatten einst in Armstrongs Managementfirma Tailwind Geld investiert. Im Gegenzug durften sie während der Tour de France im Tross mitfahren. Alles, was sie dort gesehen haben oder auf anderen Wegen über die Aktivitäten hinter den Kulissen erfahren haben, kann den Ermittlern nützen, um das von Landis beschriebene Dopingsystem beim US Postal Stück für Stück zu belegen.

Landis und Novitzky fahren dabei inzwischen sogar im Tandem. Der Radprofi hat vor einiger Zeit Privatklage gegen Armstrong, seinen wichtigsten Sponsor Tom Weisel und die inzwischen aufgelöste Firma Tailwind erhoben. Der Vorwurf: Sie sollen durch aktives Doping die amerikanische Post, eine quasi-staatliche Einrichtung, betrogen haben. Nach den geltenden Gesetzen könnte die Regierung als Nebenkläger das Vorgehen von Landis unterstützen. Sollten Geschworene entscheiden, dass die Post Anspruch auf Schadensersatz hat, hätte Landis Anspruch auf einen Teil der Summe.

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