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StartseiteCorsoMit viel Pomp und Gloria04.11.2011

Mit viel Pomp und Gloria

Das "Traumschiff" schippert seit 30 Jahren durchs deutsche Fernsehen

60 Länder hat die MS Deutschland in drei Jahrzehnten bereist: die Crew und ihre Passagiere waren in Hawaii und Chile, Kanada und Rio de Janeiro. Die Jubiläumsfolge des Quotengaranten läuft kommenden Sonntag im ZDF – 30 Jahre Traumschiff – auch Corso gratuliert.

Von Verena Herb

Hawaii - auch eins der Ziele des Traumschiffs (Deutschlandradio - Marlene Küster)
Hawaii - auch eins der Ziele des Traumschiffs (Deutschlandradio - Marlene Küster)

Herzlichen Glückwunsch, Traumschiff. Zum 30. Geburtstag. Also: Die Sendung wird 30, 64 Folgen hat´s bisher gegeben. Kommenden Sonntag gibt´s die 65. Da geht´s in die USA und nach Brasilien. Und wie in den drei Jahrzehnten davor immer nach dem gleichen Schema – sagt der Produzent Wolfgang Rademann.

"Das Schiff fährt ab, das Schiff kommt in ein Land. Das endet mit nem Kapitänsdinner. Es gibt immer ein Happy End. Es hat Herz-Schmerz, ein bisschen Humor. Und ein bisschen Spannung. Keine Gewalt, kein Mord."

Na, so ganz stimmt das nicht – Herr Rademann. Ausgerechnet am 2. Weihnachtstag des letzten Jahres, auf ihrer Reise nach Panama haben Siegfried Rauch alias Kapitän Paulsen gemeinsam mit Chefstewardess Beatrice und Wayne Carpendale als Schiffsoffizier Hansen einen kniffligen Mord zu lösen.

Szenenausschnitt
Und del Gado kommt davon.
Das wird er nicht. Unser Kreuzfahrtdirektor hat die Mordwaffe zwischen dem Champagner gefunden.
Die muss beim Kampf zwischen die Paletten gefallen sein. Na klar – und die Kisten wurden erst am nächsten Tag zur MS Deutschland gebracht.
Also: Mit der Waffe und unseren Aussagen hat del Gado keine Chance.
Ob die Gardinen aus Panama sind, oder aus Schweden. Hauptsache: Aus Eisen.
Wow.


Wow – allerdings. Und kaum zu glauben. Durchschnittlich 8 Millionen Deutsche gucken die Folgen vom Traumschiff im ZDF. Der Grund: Flucht. Vor dem Alltag. Und die Suche: Nach der heilen Welt. Weiß Sigfried Rauch – pardon: Kapitän Paulsen:

"Weil das Fernsehen immer hässlicher wird eigentlich. Mit Nachrichten. Und entführte und erwürgte Kinder mit 7, und Tatort, wieder dasselbe. Und es ist eigentlich nur noch wenig Entspannendes am Abend für die Leute. Die mal was genießen wollen. Was Schönes..."

Das Erfolgsgeheimnis des Traumschiffs. Doch fragt sich mancher: Trotz oder gerade wegen der schauspielerischen Leistung an Bord? Das ist Geschmacksache. Fest steht –

"Ich habe die Sendung vor 30 Jahren so konzipiert, wie sie heute noch läuft. Und das gibt´s eigentlich nicht mehr. Weil fast alle Fernsehsendungen sich dem Zeitgeist irgendwie anpassen. Und unterwerfen. Und modische Kompromisse machen."

Produzent Wolfgang Rademann widersetzt sich dem vehement. Zeitgeist? Kompromisse?

"Det is mir doch wurscht."

Die Devise: Keine Experimente.

"Keine Klamotten, die heute in sind. Interessiert mich überhaupt nicht. Was in ist, bestimme ich."

Rademann gibt den Ton an, wenn die MS Deutschland als "DasTraumschiff" in die Ferne zieht, fremde Länder erkundet. Und an Bord sowohl echte Fahrgäste wie auch das "Who is Who" der deutschen Fernsehunterhaltung: Hannelore Elsner und Grit Boettcher, Otto Waalkes - Harald Juhncke, Günther Pfitzmann, Gila von Weitershausen und – was haben wir Frauen ihn geliebt: der smarte Chefsteward Victor, Sascha Hehn. Der wechselte dann später zur Schwarzwaldklinik. Sie alle waren an Bord. Einige kommen immer wieder. So wie Harald Schmidt. Zum sechsten Mal ist er dabei: Nicht in der Rolle von "Dirty Harry" sondern als

"Oskar Schifferle. Der Kreuzfahrtdirektor. Also ich habe angefangen als Gentlemanhost. D.h. der mit allein reisenden Damen tanzt. Aber nur das... mehr erlaubt die Reederei nicht. Und jetzt bin ich aufgestiegen zum Kreuzfahrtdirektor..."

Der für das außerschiffsmäßige Vergnügen der Passagiere zuständig ist –

"Achten Sie bei unseren Ausflügen auf unsere munteren grünen Freunde. Langer Schwanz und grobe Schuppen: Es ist der Leguan. Auch ohne Kleiderordnung wechselt das Männchen häufig die Farbe, um dem Weibchen besser zu gefallen."

Harald Schmidt spricht an Bord Sätze, für die er sich an Land erbrechen würde – schrieb jüngst die Süddeutsche Zeitung. Könnte...sein...

"Vielleicht ist es Aberglaube. Aber in der Homöopathie werden dem Urin des Leguans magische Kräfte zugeschrieben. Zweimal täglich unter die Augen gerieben soll es besser wirken, als Botox."

Doch Schmidt schlägt so schnell nichts auf den Magen. Deshalb kann er immer mitfeiern. Bei jedem obligatorischen Kapitänsdinner zum Ende jeder Reise:

Und beim 30. Geburtstag vom Traumschiff.

"Mit viel Pomp und Gloria."

Na dann – herzlichen Glückwunsch.

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